Weltgesundheitsversammlung: Delegierte erörtern nichtübertragbare Krankheiten, WHO-Finanzen, Influenzapandemieplanung

WHO/Pierre Albouy

WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan (links) gratuliert der Präsidentin der slowakischen Krebshilfe Dr. Eva Siracká (Mitte) zur Übergabe des Sasakawa-Gesundheitspreises 2011 durch den Präsidenten der 64. Weltgesundheitsversammlung Dr. Christos Patsalides (rechts)

Am 3. und 4. Tag der Weltgesundheitsversammlung (18./19. Mai) erörterten die Mitgliedstaaten Themen wie nichtübertragbare Krankheiten, den Programmhaushalt und die künftige Finanzierung der WHO, die gesundheitlichen Bedingungen in dem besetzten palästinensischen Gebiet, die Influenzapandemieplanung und die Förderung der Gesundheit von Frauen und Kindern.

Sechs Preise wurden an führende Persönlichkeiten aus dem Gesundheitsbereich überreicht. Unter ihnen war die Präsidentin der slowakischen Krebshilfe Dr. Eva Siracká. Sie erhielt den 27. Sasakawa-Gesundheitspreis gemeinschaftlich mit der Pequeña Familia de María/Albergue-Maria-Vereinigung aus Panama für ihre innovative Arbeit im Bereich der primären Gesundheitsversorgung.

Punkte von besonderem Interesse für die Europäische Region

Die WHO-Regionaldirektorin für Europa führte Gespräche mit den Delegationen aus:

  • Andorra, über die bilaterale Kooperationsvereinbarung für 2012–2013,
  • Aserbaidschan, über logistische Unterstützung für die 61. Tagung des Regionalkomitees im Jahr 2011,
  • Belgien, über die Mitgliedschaft des Landes im Exekutivrat und im Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees,
  • Kasachstan, über ein Programm zur Opioidsubstitution durch Methadon und den Vorschlag, ein WHO-Büro für primäre Gesundheitsversorgung in dem Land zu eröffnen,
  • Malta, über Vorbereitungen für die 62. Tagung des Regionalkomitees.

Nichtübertragbare Krankheiten

Delegierte und globale Partner aus dem Gesundheitsbereich tauschten sich zum Thema nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs und chronische Atemwegserkrankungen aus. Die Mitgliedstaaten behandelten die aktuelle Epidemie der nichtübertragbaren Krankheiten und die Perspektiven für die Tagung auf hoher Ebene der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September. Die WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan sah in der bevorstehenden Tagung eine Chance zur Sicherung des globalen politischen Engagements und der internationalen Kooperation. Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region kämen am 20. Mai zur Nachbereitung der hochrangigen Konsultationstagung zusammen, die im November 2010 in Oslo stattgefunden hatte.

Die künftige Finanzierung der WHO

Die Mitgliedstaaten setzten die Diskussion vom Vortag fort und bekundeten klar ihre Unterstützung des Reformprozesses, wobei die WHO eine starke Führungsrolle übernehmen und zugleich unabhängig und neutral auftreten müsse. Dr. Chan versprach, den Prozess transparent und in Konsultation mit den Mitgliedstaaten zu gestalten.

Programmhaushalt 2012–2013

Der Ausschuss A erörterte und verabschiedete den Programmhaushalt in Höhe von 3,959 Mrd. US-$ gegenüber ursprünglich vorgesehenen 4,804 Mrd. US-$. Es wurde anerkannt, dass dies ein Übergangshaushalt sei, der finanzieller Sparsamkeit und einer Reihe von Reformen den Weg bereite. Im Zeitraum 2010–2011 lag das genehmigte Haushaltsvolumen bei 4,54 Mrd. US-$.

Besetztes palästinensisches Gebiet

Der Ausschuss B verabschiedete eine Resolution, die sich mit den gesundheitlichen Bedingungen in dem besetzten palästinensischen Gebiet einschließlich Ost-Jerusalems und auf dem besetzten syrischen Golan befasste. Die Resolution fordert die Mitgliedstaaten, zwischenstaatliche und nichtstaatliche Agenturen und Organisationen u. a. dazu auf, Hilfe für dringende gesundheitliche und humanitäre Bedürfnisse bereitzustellen.

Bereitschaftsplanung für eine Influenzapandemie

Ausschuss A vereinbarte nach vierjährigen Verhandlungen einen Rahmen für die Influenzapandemieplanung. Dieser Rahmen soll die Weitergabe von Virenproben und den Zugang zu Impfstoffen verbessern. Die Mitgliedstaaten waren sich darin einig, dass er eine Grundlage für bessere Vorsorge und leichter verfügbare Instrumente und Erkenntnisse schaffe. Der nächste Schritt ist die Umsetzung der Vereinbarung.

Förderung der Gesundheit von Frauen und Kindern

Vertreter einer Kommission der Vereinten Nationen für Informationspolitik und Rechenschaftspflicht stellten einen Plan zur Verbesserung der Gesundheit von Frauen und Kindern samt Zieldaten vor. Dazu gehörten schlüssige und fehlerfreie Daten, regelmäßige Programmüberwachung und die Einbeziehung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Norwegen sagte 9,5 Mio. US-$ zur Unterstützung dieser Pläne in den Entwicklungsländern zu, doch betonte Dr. Chan, dass „inländische Investitionen für die Entwicklung das Wichtigste“ seien.

Ernennung des Externen Rechnungsprüfers

Ausschuss B behandelte fünf Nominierungen für die Ernennung des Externen Rechnungsprüfers und zwar die aus: Frankreich, Deutschland, Malaysia, den Philippinen und Spanien. Alle Kandidaten stellten sich kurz vor und nach zwei Abstimmungsrunden wurde der Vorschlag der Philippinen angenommen.

Preisverleihung

Dr. Chan und der Präsident der Weltgesundheitsversammlung Dr. Christos Patsalides verliehen Preise an Führungspersönlichkeiten im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Unter den Geehrten waren Professoren und Leiter gemeinnütziger Organisationen aus der ganzen Welt, hierunter auch die Präsidentin der slowakischen Krebshilfe Dr. Eva Siracká.