Regionalkomitee: Höhepunkte ersten Tages

WHO

Die 62. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa wurde vom scheidenden Präsidenten des Regionalkomitees, dem aserbaidschanischen Gesundheitsminister Prof. Ogtay Shiraliyev, eröffnet und begann mit einer Begrüßungsansprache des maltesischen Premierministers Lawrence Gonzi, der die Delegierten willkommen hieß. Anschließend sprach Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark, die Schirmherrin des WHO-Regionalbüros für Europa, zu den Tagungsteilnehmern.

Eröffnungsansprache des maltesischen Premierministers

In seiner Begrüßungsansprache an die Delegierten schilderte Lawrence Gonzi die lange Tradition des Landes in Bezug auf die Gesundheitsversorgung und das kontinuierliche Engagement Maltas für diese – von der Gründung der „Sacra Infermeria“ des Hospitalordens, einem der besten Krankenhäuser des Mittelalters, bis zur humanitären Unterstützung durch die Insel während der jüngsten Krise in Libyen.

Premierminister Gonzi stellte fest, dass diese Tagung des Regionalkomitees zum passenden Zeitpunkt stattfinde, und sagte: „Wir sind hier, um zu einer Zeit über die öffentliche Gesundheit zu diskutieren, zu der sich die Welt nicht bei guter Gesundheit befindet. … In diesem instabilen Umfeld zu arbeiten, bedeutet für Regierungen eine große Herausforderung, die nicht selten als eine Bedrohung für Gesundheitssysteme wahrgenommen wird. Aber sie bietet uns die Chance, innezuhalten und nachzudenken und neue Steuerungssysteme einzuführen.“

Er erläuterte, dass Malta die bewusste Entscheidung getroffen habe, in die Infrastruktur des Gesundheitssystems, seine Ausstattung und das Personal zu investieren. In die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften zu investieren und Ärzten zu ermöglichen, an Fachausbildungsprogrammen im Land teilzunehmen, habe die Abwanderung von Fachkräften und ihren Verlust an andere Länder verringert.

Zum Abschluss seiner Ansprache sagte Premierminister Gonzi, seine Regierung unterstütze „Gesundheit 2020“, das neue gesundheitspolitische Rahmenkonzept für die Europäische Region, und erklärte: „Diese Tagung wird als ein wichtiger Katalysator für weitere Fortschritte im Bereich der Gesundheitsversorgung in der Europäischen Region wirken.“

Ansprache Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark

Zu Beginn ihrer Ansprache an die Delegierten erläuterte Ihre Königliche Hoheit, sie sei 2005 Schirmherrin des WHO-Regionalbüros für Europa geworden, weil „ich der festen Überzeugung bin, dass Gesundheit unser höchstes Gut ist und ihr Schutz sowie ihre Förderung elementar für die Gesundheit und das Wohlbefinden unser Gesellschaften sind“.

Zusätzlich zu ihrer umfassenden Unterstützung für Impfungen sowie die Mutter- und Kindgesundheit erklärte sich Kronprinzessin Mary 2010 bereit, ihre Tätigkeit auf die Herausforderung der antimikrobiellen Resistenz auszuweiten.

Auf dieses Problem eingehend sagte sie: „Es besteht kein Zweifel, dass wir erleben, wie eine zunehmende Zahl von Bakterien resistent wird, und uns auf eine Zeit zubewegen, die der Situation vor der Entdeckung von Penicillin ähneln könnte – als Menschen an gewöhnlichen bakteriellen Infektionen starben. Dies ist eine angsteinflößende Situation – wir riskieren, eine der fundamentalen Errungenschaften aufs Spiel zu setzen, die große Fortschritte für die öffentliche Gesundheit bedeutete. … Uns allen kommen spezielle Aufgaben zu: denjenigen, die die politischen Handlungskonzepte und Strategien festlegen; denjenigen, die Arzneimittel verschreiben; denen, die sie anwenden; und denen, die sie produzieren, einschließlich der Industrie – Aufgaben, die dazu beitragen, Antibiotika wirksam zu halten, sodass sie auch noch zukünftigen Generationen helfen werden.“

Zum Abschluss lobte die Kronprinzessin die Länder für die positiven Gesundheitstendenzen und die Verbesserungen in der Europäischen Region der WHO und brachte ihren Wunsch zum Ausdruck, dass diese Tagung des Regionalkomitees die Verpflichtung von Gesundheitsministerien, Regierungen und Gesellschaften erneuern werde, zugunsten der Verbesserung von Gesundheit zusammenzuarbeiten.

Wahl der Tagungsleitung

  • Dr. Joseph Cassar, maltesischer Minister für Gesundheit, Senioren und Gemeindeversorgung, wurde zum Präsidenten der 62. Tagung des Regionalkomitees für Europa gewählt.
  • Dr. Lars-Erik Holm aus Schweden wurde zum Stellvertretenden Exekutivpräsidenten gewählt.
  • Frau Dessislava Dimitrova aus Bulgarien wurde zur Stellvertretenden Exekutivpräsidentin gewählt.
  • Dr. Samir Abdullayev aus Aserbaidschan wurde zum Berichterstatter gewählt.

Ansprache von Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, zur Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa

In einer ausführlichen Präsentation beschrieb Zsuzsanna Jakab die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Lauf des letzten Jahres. Sie anerkannte gemeinsame Errungenschaften mit Ländern und Partnern und verwies auf zentrale Herausforderungen und die Chancen zu ihrer Bewältigung.

Die Verringerung von Ungleichheiten zog sich als ein Leitfaden durch ihre Präsentation: Die Regionaldirektorin erklärte, Ungleichheiten nähmen zu und in der Region differiere die Lebenserwartung um ganze 12 Jahre. „Gesundheit 2020“, das vorgeschlagene neue gesundheitspolitische Rahmenkonzept, das auf der Tagung morgen erörtert werden solle, unterstütze nachdrücklich Maßnahmen zur Verringerung von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich und zur Bekämpfung der Ursachen schlechter Gesundheit.

„Der Prozess der Entwicklung von ‚Gesundheit 2020‘ und anderen Bereichen unserer Arbeit wurde vollständig mit dem WHO-Reformprozess in Einklang gebracht und spiegelt die vereinbarten Werte, Ansätze und Prioritäten wider, die der Arbeit der WHO zugrunde liegen. Gleichzeitig berücksichtigt er die besonderen Umstände und Erfordernisse unserer Region und unserer Mitgliedstaaten. … Wir sind überzeugt, dass dieses auf Werten basierende und handlungsorientierte Rahmenkonzept ‚Gesundheit 2020‘ Regierungen und Gesellschaften zu Entwicklungs- und Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens anregen und uns auf Jahre als Leitfaden dienen wird“, erklärte Zsuzsanna Jakab.

Zu den jüngsten zentralen Errungenschaften des WHO-Regionalbüros für Europa würden die folgenden zählen:

  • die Einrichtung eines neuen Programms zu Anfälligkeit und Gesundheit;
  • ein zweiter Kurs zu Gesundheitsfinanzierung, der in Barcelona durchgeführt wurde und bei dem ein besonderer Schwerpunkt auf der flächendeckenden Gesundheitsversorgung gelegt wurde;
  • eine neuerliche Fokussierung auf das Programm zu Krankenpflege und Geburtshilfe;
  • eine Überprüfung aller Datenbanken des WHO-Regionalbüros für Europa einschließlich der Datenbank „Gesundheit für alle“;
  • die Unterstützung für Länder bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, beispielsweise die Unterstützung der Ukraine bei der Ausarbeitung eines nationalen Aktionsplans zu nichtübertragbaren Krankheiten;
  • die Veröffentlichung von „Alkoholkonsum in der Europäischen Union. Konsum, Folgeschäden und Gegenstrategien“;
  • die Gründung der europäischen Initiative für die Überwachung der Adipositas im Kindesalter, mit der 200.000 Kinder überwacht werden;
  • eine Regionaltagung zu Angeboten im Bereich der reproduktiven Gesundheit in Lettland zur Verbesserung der Qualität der in Ländern verfügbaren Angebote;
  • die Veröffentlichung der jüngsten Ausgabe der Studie „Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter“;
  • die Thematisierung aktiven Alterns am Weltgesundheitstag 2012 sowie die Ausarbeitung einer Strategie und eines Aktionsplans zu gesundem Altern in der Europäischen Region;
  • die Umsetzung von drei Aktionsplänen zu multiresistenter und extensiv resistenter Tuberkulose, HIV/Aids sowie antibakterieller Resistenz;
  • die Zertifizierung von Armenien, Kasachstan und Turkmenistan als malariafrei;
  • die feierliche Begehung des 10. Jahrestages der Poliofreiheit der Europäischen Region;
  • die Teilnahme aller 53 Mitgliedstaaten an der Europäischen Impfwoche 2012;
  • die vollständige Einsatzbereitschaft der Notfallzentrale des WHO-Regionalbüros für Europa;
  • gemeinsame Aktivitäten mit Polen, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich zur Vorbereitung auf die gesundheitsbezogenen Aspekte von Massenveranstaltungen (UEFA-Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele 2012 in London);
  • die Konsolidierung der Programme Umwelt und Gesundheit des WHO-Regionalbüro für Europa in Bonn (Deutschland);
  • die gestärkte Zusammenarbeit mit einem breiten Spektrum von Partnern;
  • die intensivierte Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten; und
  • eine größere Kommunikationsreichweite mit einer aktiven Präsenz auf sozialen Medienplattformen.

Plenumsdiskussionen zur Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa

Geleitet von dem gemeinsamen Bedürfnis nach Effizienz in Zeiten anhaltender Sparzwänge brachten die Delegierten den Wunsch zum Ausdruck, das gesundheitspolitische Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ anzunehmen, das sie für seine Unterstützung zunehmend sektorübergreifender nationaler gesundheitspolitischer Maßnahmen und die Bereitstellung einer guten Plattform für die Koordination von Aktivitäten lobten. Sie taten auch ihren Eindruck kund, dass – ausgehend von demselben Bedürfnis – der Geist der WHO-Reform alle Ebenen der Organisation zu durchziehen schien, und nannten viele neue Beispiele für die synergistische bidirektionale Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten und der WHO: so etwa die Unterstützung für die Mitgliedstaaten durch die WHO-Länderbüros in Polen und Serbien oder die Mittel, die Mitgliedstaaten wie Italien, Kasachstan und Spanien für (sowohl bestehende als auch vorgeschlagene) geografisch verteilte Büros angeboten wurden. Länder einschließlich Estlands und der Türkei wurden für die Weitergabe von Fachwissen und Erfahrungen oder die Ausrichtung internationaler Tagungen gelobt, und der Schweiz wurde für die Finanzierung eines neuen Zentrums in Bosnien und Herzegowina gedankt. Gleichzeitig finde zunehmend ein Erfahrungsaustausch zwischen WHO-Regionen statt, beispielsweise zwischen der südostasiatischen und der afrikanischen Region zur Polio-Eradikation oder zwischen der Europäischen Region und der Region Gesamtamerika zur Unterstützung überregionaler Vertretung.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan betonte, dass die Sparzwänge fortbestehen würden, sodass „wir alle im Rahmen unserer Mittel bleiben müssen“. Dies bedeute vor allem, dass die Mitgliedstaaten über die Prioritäten der WHO entscheiden müssen. „Die WHO-Reform ist ein gemeinschaftliches Unterfangen, in das sowohl die Mitgliedstaaten als auch alle Teile der Organisation einbezogen sind.“

Fachinformationsveranstaltung zur Beratenden Expertengruppe Forschung und Entwicklung

Eine mittägliche Informationssitzung wurde durchgeführt, um Rückmeldungen von Mitgliedstaaten zu der Frage einzuholen, wie die weitere Vorgehensweise in Bezug auf die Empfehlungen der Beratenden Expertengruppe Forschung und Entwicklung (CEWG) sein soll. Die CEWG wurde 2010 von der Weltgesundheitsversammlung als Reaktion auf Befürchtungen eingerichtet, dass zur Bekämpfung von Krankheiten, von denen wirtschaftlich benachteiligte Gruppen unverhältnismäßig stark betroffen werden, unzureichende FuE-Ressourcen aufgewendet werden.

Die CEWG wies darauf hin, dass Forschung und Entwicklung als ein globales öffentliches Gut im Gesundheitsbereich betrachtet werden sollte und dass der Technologietransfer an Entwicklungsländer und die Schaffung von Kapazität bei ihnen intensiviert werden müssen. Sie gab auch verschiedene Empfehlungen zu der Frage ab, wie zukünftige Forschung und Entwicklung finanziert werden könnten. Dazu zählte auch ein Vorschlag, dass sich die die Länder verpflichten könnten, einen festen Teil ihres Bruttosozialprodukts für staatlich finanzierte Forschung und Entwicklung aufzuwenden. Dieser Vorschlag wurde auf der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung heftig diskutiert, und die Mitgliedstaaten wurden ersucht, Optionen vorzulegen, um dies voranzutreiben. Die Teilnehmer an der heutigen Informationsveranstaltung verständigten sich darauf, die Diskussion über das Internet weiterzuführen.

Ansprache von John Dalli, Europäischer Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz

Kommissar Dalli ging in seiner Ansprache auf die Fortschritte ein, die in den zwei Jahren erzielt wurden, seitdem die WHO und die Europäische Kommission eine Erklärung über eine „gemeinsame Sicht für gemeinsames Handeln“ unterzeichnet hatten, die die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen weiter gestärkt hatte. Die gemeinsame Erklärung mündete in einen stärker strategisch ausgerichteten kooperativen Ansatz in sechs wichtigen Bereichen: Gesundheitssicherheit, Gesundheitsinnovation, Gesundheitssysteme, Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Gesundheitsinformationen und Zusammenarbeit zwischen Delegationen der Europäischen Union und WHO-Büros in Ländern. Sechs Fahrpläne mit konkreten Zielen und Prioritäten für die Zusammenarbeit wurden seitdem ausgearbeitet. Diesbezüglich finden regelmäßige Treffen statt, um die Fortschritte zu überprüfen, worüber anschließend auf den Websites der beiden Organisationen Bericht erstattet wird.

Kommissar Dalli unterstrich, dass die Europäische Union und die WHO trotz unterschiedlicher Mandate und Instrumente, über die sie verfügen, die gleichen Werte und Prinzipien in Bezug auf Aktivitäten im Gesundheitsbereich teilen. „Beide Organisationen bestehen aus Mitgliedstaaten, die ihre Kräfte in dem Wissen bündeln, dass sie zusammen stärker und wirkungsvoller sind. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, kommentierte er.

Unterzeichnung des Gemeinsamen Aktionsplans der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des WHO-Regionalbüros für Europa

Heute unterzeichneten die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab und der Stellvertretende Generaldirektor der OECD Yves Leterme einen Gemeinsamen Aktionsplan von WHO-Regionalbüro für Europa und OECD, der darauf abzielt:

  • die wichtige Rolle der öffentlichen Gesundheit hervorzuheben,
  • die finanzielle Tragfähigkeit von Gesundheit zu etablieren und
  • die Erhebung glaubwürdiger Daten zu ermöglichen.

Mit der Kombination des Fachwissens der OECD im Bereich der Gesundheitsökonomie und des Fachwissens der WHO in Bezug auf die Frage, wie Gesundheit herbeigeführt wird, können die beiden Organisationen „überzeugender sein, wenn sie zusammenarbeiten“. Der Gemeinsame Aktionsplan wird sich auf ein neues Netzwerk von Gesundheits- und Finanzministerien stützen und Ländern helfen, „bei den Gesundheitsausgaben ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erreichen“, sagte Yves Leterme.

Wie WHO-Generaldirektorin Margaret Chan betonte, müssen die Botschaften vermittelt werden, dass für Gesundheit zu wenig ausgegeben wird, dass Einsparungen realisiert werden sollten, bevor Kürzungen vorgenommen werden, und dass für Gesundheit ausgegebene Mittel eine Investition darstellen. „Die gemeinsamen Aktivitäten von OECD und WHO werden Gesundheitsministerien die Botschaften an die Hand geben, die sie benötigen.“

Höhepunkte am Dienstag:

  • eine Ansprache von Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO
  • eine Plenumsdiskussion zu einem Rahmenkonzept für die Europäische Region zur Unterstützung gesamtstaatlicher Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden, „Gesundheit 2020“