Regionalkomitee: Höhepunkte dritten Tages

WHO/Martin Attard

Heute wurde das Rahmenkonzept „Gesundheit 2020" von der Europäischen Region der WHO verabschiedet. Schwerpunkt der Diskussionen am 3. Tag der 62. Tagung des Regionalkomitees für Europa war die Reform der WHO. Den Abschluss der Gespräche bildeten die Strategie und der Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020).

Reform der WHO: Zwölftes Allgemeines Arbeitsprogramm 2014–2019

Der Beigeordnete Generaldirektor für allgemeines Management, Dr. Mohamed Jama, stellte zu Beginn des Plenums am Mittwochmorgen das Zwölfte Allgemeine Arbeitsprogramm (General Programme of Work, GPW) für 2014-2019 vor. Er wies darauf hin, dass sich das Arbeitsprogramm bislang noch im Entwurfsstadium befinde und von den Mitgliedstaaten ergänzt werden müsse. Es sei als wesentlicher Bestandteil der Programm- und Managementreform entwickelt worden. Übergeordnetes Ziel des GPW-Entwurfs sei die Anpassung der voraussichtlich verfügbaren Finanzmittel an die Ergebnisse, die mit den Ländern vereinbart worden seien.

Im Gegensatz zu früheren Arbeitsprogrammen, die eine weltweite gesundheitspolitische Agenda für alle festgelegt hätten, enthalte das Zwölfte Arbeitsprogramm einen strategischen, ergebnisbasierten und rechenschaftsorientierten Rahmen für die Arbeit der WHO. Das Zwölfte Arbeitsprogramm beinhalte eine Zukunftsvision für die WHO, die einen Zeitraum von 6 Jahren erfasse und auf einer reduzierten Anzahl von Kategorien und Kriterien für die Priorisierung basiere: Statt der bisherigen 13 Kategorien seien nur noch fünf programmatische Kategorien und eine administrative Kategorie vorgesehen. Dabei handle es sich um die folgenden 6 Kategorien: übertragbare Krankheiten; nichtübertragbare Krankheiten; Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf; Gesundheitssysteme, Vorsorge, Surveillance und Gegenmaßnahmen; organisatorische und befähigende Funktionen.

Der Entwurf enthalte auch klare Angaben zu den Vorhaben der WHO in den einzelnen – derzeit 26 – Prioritätsbereichen, die diesen Kategorien zugeordnet seien.

Stellungnahmen der Mitgliedstaaten

Viele Länder ergriffen das Wort, um zum Entwurf des Zwölften Arbeitsprogramms Stellung zu nehmen. Allgemein herrschte Übereinstimmung darüber, dass das Arbeitsprogramm ein positiver Schritt im Rahmen der Reform der WHO und der Verbesserung ihrer Effizienz, Wirkung und transparenten Rechenschaftslegung sei. Die Mitgliedstaaten zeigten sich jedoch auch besorgt über die Verteilung der zugewiesenen Finanzmittel und Ressourcen der Europäischen Region der WHO.

Sie fragten nach der Begründung für die Auswahl der 26 Prioritäten und gaben zu bedenken, dass das Vorhaben möglicherweise zu ehrgeizig sei. Ein Mitgliedstaat verwies auf das Spannungsverhältnis, das sich aus dem Wunsch ergebe, einerseits die Berücksichtigung nationaler Prioritäten im Arbeitsprogramm zu gewährleisten und andererseits nicht außer Acht zu lassen, dass das Arbeitsprogramm realisierbar sein müsse. Die Delegierten wünschten sich ausführlichere Informationen über die Verteilung der Aufgaben und Arbeiten innerhalb der WHO und über das Budget, das für die Erfüllung der besonderen Aufgaben im Zusammenhang mit den einzelnen Prioritäten erforderlich sei.

Die Generaldirektorin der WHO, Dr. Margaret Chan, wies darauf hin, dass die 26 Prioritäten von den Mitgliedstaaten auf der Weltgesundheitsversammlung festgelegt worden seien. Ihr selbst komme die Aufgabe zu, „die Diskussion in sechs Regionen zu verfolgen und anschließend gegebenenfalls Punkte zu verwerfen, zu ergänzen oder zwecks Klarstellung sprachlich zu verbessern".

Die Generaldirektorin betonte, es gehe ihr nicht darum, zusätzliche Mittel anzufordern, vielmehr setze sie sich dafür ein, dass die bereitgestellten Mittel bestmöglich eingesetzt würden und sich die WHO zu einer ergebnisorientierten Organisation entwickle.

Dr. Chan rief die Empfängerstaaten dazu auf, sich an der Diskussion zu beteiligen, da die Debatte vor allem von den Geberländern geführt worden sei.

WHO-Reform: Programmhaushaltsentwurf 2014–2015

Dr. Mohamed Jama beschrieb den Programmhaushalt als den zweijährlichen Ausdruck des GPW, bei dem deutlicher als im GPW konkretisiert werde, welche Produkte die WHO im fraglichen Zweijahreszeitraum erstelle. Erst wenn eine Einigung in Bezug auf diese Produkte erreicht sei, könne die Diskussion sich damit befassen, auf welcher Ebene der Organisation die Produkte erstellt werden sollen, mit welchen Kosten dies verbunden ist und welche Haushaltsmittel dafür bereitgestellt werden.

Imre Hollo, Direktor der Abteilung Verwaltung und Finanzen beim WHO-Regionalbüro für Europa, erklärte, das Regionalbüro sei unter den Regionen der WHO ein Vorreiter in Bezug auf die Festlegung von zentralen und anderen vorrangigen Resultaten als Grundlage für den Programmhaushalt. Bei der Vorstellung des Programmhaushaltsentwurfs 2014–2015 erläuterte er, dass einige Annahmen notwendig seien, etwa die zu erwartende Höhe des Haushalts für den Zweijahreszeitraum, und dass Fixkosten wie Mitarbeitergehälter nicht auf kurze Sicht zu verändern seien. Er erläuterte auch das Geschäftsmodell des Regionalbüros, das als Standardvariante die länderübergreifende Arbeit mit Zusammenführung der fachlichen Ressourcen auf der Ebene des Regionalbüros vorsehe, bei Bedarf ergänzt durch ein Mehr-Länder-Modell, wenn eine Gruppe von Ländern gemeinsame Anliegen verfolge, und schließlich die Länderarbeit dort, wo sie die sinnvollste Option darstelle.

Erik Blas, der Beauftragte für Programm- und Ressourcen-Management beim WHO-Regionalbüro für Europa, bestätigte, es gebe noch viel Arbeit bei der Ausrichtung der Resultate der Arbeit des Regionalbüros an den sechs vereinbarten Kategorien und bei der Festlegung der zu ihrer Realisierung benötigten Produkte, und fasste einige der erwarteten Schwerpunktverlagerungen in diesen Kategorien zusammen.

Die Mitgliedstaaten wurden gebeten zu prüfen, ob die Prioritäten und generell das Geschäftsmodell geeignet seien, wie die Arbeitsteilung zwischen den drei Ebenen der Organisation (Hauptbüro, Regionalbüros, Länderbüros) aussehen solle und wie sie sich die künftige Finanzierung vorstellten.

Eine Sprecherin des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees erhielt Zustimmung von zahlreichen Delegierten, als sie Bedenken in Bezug auf den Sinn der Prüfung eines Haushalts ohne Zahlen anmeldete, doch sie räumte ein, dass die Argumentation und die Hintergründe hinter diesem Ansatz nun klarer seien. Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Einführung neuer Prioritäten durchaus die Aufgabe anderer Prioritäten erforderlich machen könne, dass aber durch ein Mehr an Effizienz und Effektivität, eine stärkere Konzentration auf die Umsetzung vorhandener Leitlinien und Resolutionen und besser organisierte Konzepte zur Mittelbeschaffung das von Generaldirektorin Dr. Margaret Chan beschriebene Ziel, „innerhalb unserer Möglichkeiten zu bleiben“, näher rücke.

Anschließend teilte sich das Plenum auf, um die Diskussion in kleineren Arbeitsgruppen fortzusetzen. Bei der Rückmeldung an das Plenum kamen namentlich folgende von den Mitgliedstaaten gemachte Aussagen zum Thema Finanzierung zur Sprache:

  • die Unwahrscheinlichkeit einer Erhöhung der ordentlichen Beiträge an die WHO in absehbarer Zeit;
  • die Notwendigkeit einer umfassenderen Rechenschaftslegung bei der Verwendung der ordentlichen Beiträge durch den Reformprozess vor Rückgriff auf freiwillige Beiträge, die zur Auffüllung von Finanzierungslücken verwendet werden könnten;
  • eine allgemeine Übereinstimmung, dass eine Verschiebung des Beginns des Haushaltsjahres auf einen Zeitpunkt unmittelbar nach Annahme des Programmhaushalts zu mehr Flexibilität führe; und
  • die Bedeutung einer Festlegung der Prioritäten durch Mitgliedstaaten und Weltgesundheitsversammlung anstatt durch die Spender freiwilliger Beiträge.

Fachinformationssitzung – Zielvorgaben und Indikatoren zur Erfolgskontrolle für „Gesundheit 2020“

Dr. Agis Tsouros, der Leiter der Grundsatz- und Querschnittsprogramme und Sonderprojekte der Regionaldirektorin, eröffnete die während der Mittagspause abgehaltene Fachinformationssitzung und wies darauf hin, dass es sich bei „Gesundheit 2020" um ein politisches Dokument handle und die Zielvorgaben dazu dienten, Ausrichtung und angestrebte Ergebnisse zu definieren. „Die Erhebung von Informationen in verschiedenen Sektoren und Ländern fungiert auch als 'Katalysator der Zusammenarbeit'", erklärte Dr. Tsouros.

Viel Arbeit sei bereits in die Identifizierung und Auswahl von Zielvorgaben für „Gesundheit 2020" investiert worden. Die Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation, Dr. Claudia Stein, erläuterte den Delegierten das Verfahren und die Konsultationen, die bislang stattgefunden haben. Eine umfangreiche Liste von 51 vorrangigen Zielvorgaben sei in 6 übergeordneten regionalen Zielvorgaben zusammengefasst worden, die der Ständige Ausschuss des Regionalkomitees angenommen habe. Dr. Stein hob hervor, dass die Zielvorgaben vorhandene und verfügbare Gesundheitsinformationen bestmöglich nutzen sollten und sie regional und nicht national definiert sein würden und daher auf regionaler Ebene als regionaler Durchschnittswert gemeldet würden.

Die an der Fachinformationssitzung teilnehmenden Länder und Vertreter nichtstaatlicher Organisationen sicherten ihre Unterstützung für die Zielvorgaben von „Gesundheit 2020" zu. Mehrere Mitgliedstaaten lieferten Berichte über die Entwicklung nationaler Zielvorgaben als Ergänzung ihrer nationalen Strategien.

Das WHO-Regionalbüro für Europa wird nun erneut die Sachverständigengruppe einberufen, die das Verfahren bislang angeleitet hat, und nach einem weiteren breit angelegten Konsultationsverfahren wird die endgültige Indikatorenliste dem Ständigen Ausschuss übermittelt und anschließend der 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa zur Annahme vorgelegt.

Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012–2020)

Der Koordinator für gesundes Altern, Behinderung und Langzeitpflege, Dr. Manfred Huber, eröffnete die Diskussion zu Strategie und Aktionsplan und wies darauf hin, dass die Europäische Region der WHO bereits den höchsten Altersmedian der Welt aufweise und sich der Anteil der Altersgruppe 65+ zwischen 2010 und 2050 voraussichtlich fast verdoppeln werde. Dr. Huber betonte, dass die gesteigerte Lebenserwartung einen großartigen Erfolg darstelle. Für die Zukunft der Europäischen Region wünsche er sich, dass die Menschen in Würde altern könnten, Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdiensten und sozialen Angeboten erhielten und sich in ihrer Gemeinschaft engagierten.

Die Strategie und der Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region enthalten vier strategische prioritäre Handlungsfelder: gesundes Altern im gesamten Lebensverlauf; stützende Umfelder; Gesundheits- und Pflegesysteme, die auf eine alternde Bevölkerung eingestellt sind; Ausbau der Evidenzgrundlage und Erhöhung der Forschungsanstrengungen. Diese prioritären Handlungsfelder überschneiden sich mit den fünf prioritären Maßnahmen, die im Aktionsplan aufgeführt sind:

  • Prävention von Stürzen
  • Förderung körperlicher Betätigung
  • Impfung älterer Menschen und Prävention von Infektionskrankheiten in Gesundheitseinrichtungen
  • staatliche Unterstützung für informelle Betreuer mit einem Schwerpunkt auf der häuslichen Pflege (einschließlich Selbstpflege)
  • Kapazitätsaufbau in den Bereichen Geriatrie und Gerontologie bei den Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen

Die prioritären Maßnahmen seien mit der Maßgabe ausgewählt worden, dass sie für Länder mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen relevant seien, schnelle Erfolge ermöglichten, innerhalb kürzester Zeit und trotz aktueller finanzieller Engpässe durchführbar seien und die Arbeit der Partner ergänzten, erläuterte Dr. Huber. Über 40 Länder der Region hätten nationale Strategien und Konzepte unter Berücksichtigung dieser Erwägungen definiert, und der WHO obliege die Aufgabe, die Mitgliedstaaten beim Austausch bewährter Praktiken zu unterstützen und konzeptionelle Lücken zu schließen.

In der anschließenden Plenumsdiskussion sprachen die Mitgliedstaaten der WHO ihre Anerkennung für die Entwicklung von Strategie und Aktionsplan in Übereinstimmung mit dem Rahmenkonzept „Gesundheit 2020" und für deren Anpassung an die Vorhaben der Europäischen Kommission aus.

Da die Europäische Union Änderungsvorschläge für den Resolutionsentwurf eingereicht hat, wurde die Diskussion auf den 13. September 2012 vertagt.

Zu den Höhepunkten am Donnerstag zählen:

  • Diskussion des Europäischen Aktionsplans zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit
  • Länderstrategie des Regionalbüros
  • erneuerte Strategie für die Außenstellen des Regionalbüros