Entwicklungsagenda nach 2015 thematischer Schwerpunkt des ersten Tages der Weltgesundheitsversammlung

WHO/Pierre Albouy

WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan bei ihrer Ansprache an das Plenum der 66. Weltgesundheitsversammlung. Foto: WHO/Pierre Albouy

Die 66. Weltgesundheitsversammlung, die globale Jahrestagung der WHO, auf der Gesundheitsminister und hochrangige Gesundheitsbeamte aus der ganzen Welt zusammentreffen, wurde am 20. Mai eröffnet. In ihrer Ansprache an die Delegierten ging WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan auf die anhaltenden Ausbrüche des inzwischen MERS-CoV genannten neuartigen Corona-Virus ein und erwähnte auch die menschlichen Erkrankungsfälle mit dem aviären Influenzavirus H7N9, wobei sie vor der weltweiten gesundheitlichen Bedrohung durch neue Krankheiten mit Epidemiepotenzial warnte.

„Wir müssen in hohem Maße wachsam bleiben. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig die unverzügliche und vollständig transparente Meldung an die WHO und generell eine strenge Beachtung der von Ihnen mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften eingegangenen Verpflichtungen sind“, erklärte sie.

Die Generaldirektorin ging auch auf den Erfolg der Millenniums-Entwicklungsziele sowie auf aktuelle gesundheitliche Herausforderungen wie die Ausbreitung nichtübertragbarer Krankheiten ein. Da die Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten oftmals durch die Wirtschaft beeinflusst würden, müsse die WHO nach Möglichkeit mit ihr zusammenarbeiten.

„Eine Absicherung gegen Interessenkonflikte ist bei der WHO vorhanden, und diese Maßnahmen sind in jüngster Zeit noch verstärkt worden. Die WHO wird bei ihren Kontakten mit der Lebensmittel-, Getränke- und Alkoholindustrie diese Sicherheitsvorkehrungen strikt anwenden, um aus Sicht der öffentlichen Gesundheit vertretbare Lösungen zu erreichen. Sie wird auch weiterhin keinerlei Kontakt mit der Tabakindustrie pflegen“, sagte die Generaldirektorin.

Diese Woche auf der Tagesordnung

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Weltgesundheitsversammlung gehören Beratungen über den Entwurf eines globalen Aktionsplans zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten sowie über Aktionspläne für psychische Gesundheit und die Prävention von vermeidbaren Erblindungen und Beeinträchtigungen des Sehvermögens. Weitere Themen auf der Tagesordnung sind die WHO-Reform, Fortschritte bei der Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Millenniums-Entwicklungsziele und die Entwicklungsagenda nach 2015, die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften, ein globaler Aktionsplan für Impfstoffe, eine allgemeine Gesundheitsversorgung und Maßnahmen zur Behebung des Arbeitskräftemangels im Gesundheitswesen und zur Reaktion auf die Migration von Gesundheitsfachkräften.

Die 66. Weltgesundheitsversammlung findet vom 20. bis 28. Mai 2013 in Genf statt.

Punkte von besonderem Interesse für die Europäische Region

  • Dr. Raisa Bogatyryova, Gesundheitsministerin der Ukraine, wurde zur Vizepräsidentin der Weltgesundheitsversammlung gewählt.
  • Die Delegation der Russischen Föderation erörterte in einem Zusammentreffen mit der WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, allgemeine Fragen der Zusammenarbeit sowie insbesondere eine Ausweitung der Verbreitung von Publikationen zu Gesundheitsthemen in russischer Sprache. Die Russische Föderation organisierte auch eine Nebenveranstaltung zum Thema Mehrsprachigkeit und präsentierte ihre gemeinsam mit der WHO begonnenen Projekte, einschließlich eines überarbeiteten Glossars und einer Datenbank für Publikationen in russischer Sprache.
  • Die Delegation Irlands, das gegenwärtig den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehat, ergriff im Plenum das Wort und unterstrich, welche entscheidende Rolle die WHO dabei spiele, Gesundheit zu einem Grundpfeiler der Entwicklungsagenda nach 2015 zu machen. Nach Auffassung der EU komme der allgemeinen Gesundheitsversorgung eine zentrale Bedeutung zu, und bei künftigen Prioritäten müssten die drei Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung – die ökonomische, die soziale und die ökologische –, aber auch die Notwendigkeit einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit gebührend berücksichtigt werden.
  • Die Delegation Deutschlands bezeichnete die allgemeine Gesundheitsversorgung als Baustelle, die in die Entwicklungsagenda nach 2015 aufgenommen werde müsse.
  • Während der Beratungen im Plenum unterstrich die Delegation des Vereinigten Königreichs, wie wichtig es sei, die gesundheitlichen Herausforderungen für eine alternde Bevölkerung, wie etwa Demenzerkrankungen, aber auch die wachsende Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen ins Visier zu nehmen.
  • In einer Wortmeldung im Plenum unterstrich die Russische Föderation die Bedeutung der Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und die Rolle der WHO bei der Koordinierung der internationalen Anstrengungen auf diesem Gebiet nach Maßgabe des nun zu beratenden globalen Plans.
  • Zusammen mit der Generaldirektorin und der Delegation der Schweiz unterzeichnete das Regionalbüro für Europa die erste Länder-Kooperationsstrategie in der Europäischen Region. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen in vier strategischen Handlungsfeldern: Informationsaustausch über nichtübertragbare Krankheiten, Ernährungs- und Lebensmittelpolitik, psychische Gesundheit und Substanzmissbrauch; Stärkung der Zusammenarbeit in Bezug auf die nationalen Gesundheitssysteme; Unterstützung der WHO beim Ausbau ihrer Führungsrolle in der globalen Gesundheitspolitik; und Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen der WHO und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit.
  • Die ukrainische Gesundheitsministerin, Dr. Raisa Bogatyryova, erörterte bei ihrem Zusammentreffen mit der WHO-Regionaldirektorin für Europa die Bedeutung der Förderung des Impfwesens in der Ukraine, den Erfolg der Initiativen im Rahmen der Europäischen Impfwoche 2013 und die beträchtlichen Fortschritte ihres Landes bei der Bekämpfung der Tuberkulose und insbesondere der multiresistenten Tuberkulose.
  • Zentrale Themen in dem bilateralen Gespräch mit dem portugiesischen Gesundheitsminister, Dr. Paulo Moita de Macedo, waren die Gesundheitsfinanzierung und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesundheit der Bevölkerung. Der Minister bedankte sich bei der Regionaldirektorin für die vor kurzem in Oslo abgehaltene Tagung „Die Gesundheitssysteme zu Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise“, und Frau Jakab bot ihm weitere Hilfe auf diesem Gebiet an.
  • Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem griechischen Gesundheitsminister Andreas Lykourentzos stand die Bedeutung der Annahme der überarbeiteten EU-Richtlinie über Tabakerzeugnisse.