Regionalkomitee: Höhepunkte von Tag 1

WHO

Turkey’s Minister of Health Dr Mehmet Müezzinoğlu, WHO Regional Director for Europe Zsuzsanna Jakab and WHO Deputy Director-General Dr Anarfi Asamoa-Baah at the 63rd session of the Regional Committee for Europe

Die 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa wurde vom scheidenden Exekutivpräsidenten des Regionalkomitees, Dr. Lars-Erik Holm, eröffnet. Zuerst begrüßte Dr. Mehmet Müezzinoğlu, Gesundheitsminister der Türkei, die Minister und Delegierten aus 51 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO.

Wahl der Tagungsleitung

  • Dr. Mehmet Müezzinoğlu, Gesundheitsminister der Türkei, wurde zum Präsidenten der 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa gewählt.
  • Dr. Daniel Reynders aus Belgien wurde zum Exekutivpräsidenten gewählt.
  • Dr. Ray Busuttil aus Malta wurde zum Stellvertretenden Exekutivpräsident gewählt.
  • Frau Dagmar Reitenbach aus Deutschland wurde zur Berichterstatterin gewählt.

Eröffnungsansprache von Dr. Mehmet Müezzinoğlu, Gesundheitsminister der Türkei

Gesundheitsminister Dr. Müezzinoğlu begrüßte die Delegationen und sonstigen Teilnehmer und erläuterte den anhaltenden Einsatz seines Landes für eine bürgernahe, evidenzbasierte, gerechte und nachhaltige Gesundheitspolitik. Er erklärte, dass seine Regierung mit ihrem Engagement auf höchster Ebene sicherstelle, dass Gesundheit als sektorübergreifende Verpflichtung verstanden wird, und dass der Gesundheitssektor sich um eine Zusammenarbeit mit anderen Sektoren bemühe. Eine jüngere Entwicklung auf diesem Gebiet sei die Erarbeitung des Nationalen Strategischen Aktionsplans 2013–2017 in Anlehnung an die Grundsätze von „Gesundheit 2020“.

Der Minister beschrieb das Bemühen der Türkei, Gesundheitsleistungen für Menschen in allen Teilen der Gesellschaft bereitzustellen, und ihre Entschlossenheit, jedem den Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Er unterstrich, dass die Länder Gesundheitsleistungen nicht auf ihre eigene Bevölkerung beschränken, sondern sich auch empfänglich für den Gesundheitsbedarf in humanitären Notsituationen zeigen sollten. So biete die Türkei Vertriebenen aus der Arabischen Republik Syrien, die sich derzeit im Land befänden, dieselben Gesundheitsdienste an. Dr. Müezzinoğlu appellierte an die WHO, weitere Mechanismen zur Unterstützung der Länder in Notsituationen zu entwickeln, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Er kündigte an, dass die WHO im Süden der Türkei eine Außenstelle eröffnen werde, die die Gesundheitsversorgung für die vom Konflikt in der Arabischen Republik Syrien betroffenen Menschen unterstützen solle.

In seinen Schlussbemerkungen stellte der Minister fest, dass „nichts im Leben wertvoller als das Recht auf Gesundheit“ sei, und äußerte die Erwartung, dass auf dieser Tagung des Regionalkomitees für Europa Beschlüsse gefasst werden, die einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Menschen in der Europäischen Region leisten würden.

Ansprache von Dr. Anarfi Asamoa-Baah, Stellvertretender Generaldirektor der WHO

In seiner Darstellung der Gesundheitsentwicklung in der Europäischen Region der WHO aus einer globalen Perspektive würdigte der Stellvertretende Generaldirektor der WHO, Dr. Anarfi Asamoa-Baah, die Mitgliedstaaten und das Regionalbüro für ihr vorausschauendes Bestreben, mindestens zwei Jahrzehnte früher als die übrige Welt Veränderungen der Lebensweise zu thematisieren, die sich auf nichtübertragbare Krankheiten auswirken. Ferner stellte er fest, dass diese Region sich lange, bevor die flächendeckende Gesundheitsversorgung zu einem beliebten Mantra wurde, dafür eingesetzt habe.

Unter Verweis auf die Tagesordnung der diesjährigen Tagung des Regionalkomitees hob Dr. Asamoa-Baah die Bedeutung des Aktionsplans zur psychischen Gesundheit wie folgt hervor: „Dieser Plan stellt sich der Herausforderung, das psychische Wohlbefinden in einer Zeit der Wirtschaftskrise zu fördern, achtet die Menschenwürde und gibt Hoffnung und verdient daher Unterstützung auf höchster Ebene.“ Darüber hinaus riet er der Europäischen Region, sich nicht als von anderen Regionen der Welt losgelöste „Insel“ zu betrachten, wobei er einen demografischen Wandel bei übertragbaren Krankheiten anführte, der durch eine zunehmende Bedrohung durch Vektorkrankheiten und anhaltende Ausbrüche von Masern und Röteln geprägt sei.

Abschließend sprach der Stellvertretende Generaldirektor der Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, im Namen des Generaldirektors seine Wertschätzung für ihre Führungsarbeit und ihren Weitblick aus.

Eröffnungsansprache von Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, zur Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa

Zsuzsanna Jakab gab einen Überblick über Fortschritte bei der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region der WHO ebenso wie diesbezügliche Herausforderungen und beschrieb im Einzelnen die Arbeit des Regionalbüros im vergangenen Jahr, wobei sie unterstrich, wie wichtig es sei, sich nach der Verabschiedung von „Gesundheit 2020“, dem Europäischen Rahmenkonzept für Gesundheit und Wohlbefinden, im letzten Jahr nun der Umsetzung und Rechenschaftslegung zuzuwenden. 

„Mit der Umsetzung von ‚Gesundheit 2020‘ stellen alle unsere Mitgliedstaaten ihr Engagement für eine bessere Gesundheit der Bevölkerung der Europäischen Region und kommender Generationen unter Beweis. Damit wird gezeigt, wie Maßnahmen zum gesamten Spektrum von Gesundheitsdeterminanten einen größeren Nutzen für die Gesellschaft, darunter einen sozialen, gemeinschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen, erbringen. Ich bin fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass das Regionalbüro alle seine Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von ‚Gesundheit 2020‘ unter Berücksichtigung der nationalen Gegebenheiten und Bedürfnisse unterstützt, und davon überzeugt, dass wir tatsächlich etwas bewirken können“, so Zsuzsanna Jakab.

Frau Jakab ging auf zahlreiche Gesundheitserfolge der jüngsten Zeit und weiterhin bestehende Herausforderungen in der gesamten Europäischen Region ein.

  • Mit einem Rückgang der Müttersterblichkeitsrate um 54% seit 1990 verzeichnet die Europäische Region nun die weltweit niedrigste Müttersterblichkeit. Allerdings variiert das Risiko von Frauen, an Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt zu sterben, regionsweit je nachdem, wo sie leben und gesundheitlich versorgt werden, um einen Faktor von 40. Das Regionalbüro unterstützt die Länder bei der Verringerung dieses Gefälles, und dank des nachdrücklichen Engagements der Gesundheitsministerien und der gewonnenen Erfahrungen lassen sich Verbesserungen in der Versorgung der Mütter beobachten.
  • Der Pro-Kopf-Alkoholkonsum von Erwachsenen in der Europäischen Region ist in den vergangenen 20 Jahren erheblich gesunken, doch ist trotz dieses allgemeinen Rückgangs, der am deutlichsten in Südeuropa ausfiel, im Osten ein Aufwärtstrend zu erkennen. Der Europäische Aktionsplan zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums bietet einen Rahmen für wirksame Grundsatzoptionen. Bislang verfügen 37 Länder über eine nationale oder subnationale Alkoholpolitik; 10 weitere arbeiten derzeit an einer nationalen Politik.
  • Mit der großflächigen Einführung eines neuen molekularen Diagnoseverfahrens wird nun schätzungsweise mehr als die Hälfte der Fälle von multiresistenter Tuberkulose nachgewiesen, während der Anteil der Fälle, in denen eine Behandlung aufgenommen wurde, 2012 auf 96% stieg. Die Therapieerfolgsrate fällt jedoch je nach den Rahmenbedingungen unterschiedlich aus und reicht von 18% bis 80%. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria geht das Regionalbüro gegen diese Ungleichheiten vor.
  • In der gesamten Region sind die Länder von den fortwährenden und langfristigen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesundheit betroffen. Die Teilnehmer der im April in Oslo abgehaltenen hochrangigen Tagung, die Vertreter des Gesundheits- und des Finanzsektors an einen Tisch brachte, unterstrichen jedoch, dass die Regierungen und Gesundheitsminister selbst bei Sparzwängen über eine gewisse Wahlfreiheit verfügten und sich besonders auf Bereiche und Leistungen konzentrieren könnten, die Wirtschaftswachstum und Chancengleichheit begünstigen.
  • Eine von der WHO koordinierte interinstitutionelle Mission der Vereinten Nationen, die den Auftrag hatte, die gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen in den Flüchtlingslagern in der südlichen Türkei zu bewerten, ergab, dass die unter dem zeitweiligen Schutz der Türkei stehenden syrischen Flüchtlinge derzeit hochwertige Gesundheitsleistungen erhielten. In enger Abstimmung mit den türkischen Behörden erhöht das Regionalbüro gegenwärtig seine Handlungsfähigkeit durch den Aufbau einer verstärkten Präsenz in der südlichen Türkei.

Zsuzsanna Jakab schloss mit dem an alle Seiten – Regierungschefs, die Zivilgesellschaft und die Bürger – gerichteten Aufruf, einen Beitrag zur Umsetzung von Gesundheit 2020 zu leisten: „Unsere Europäische Region ist vielgestaltig und attraktiv und bietet 900 Millionen Menschen auf der Welt eine Heimat ... Ihre Diversität verschafft uns eine einzigartige Gelegenheit, ein unglaublich breites Spektrum an Sachverstand und Erfahrung abzurufen.“

Plenumsdiskussionen zur Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa

In Reaktion auf die Präsentation der Regionaldirektorin gab es überwältigende Unterstützung für die Umsetzung von „Gesundheit 2020“. Viele Delegierte erläuterten, wie sie bestehende nationale Gesundheitskonzepte an den Zielen und Zielsetzungen von „Gesundheit 2020“ ausrichten oder neue nationale Konzepte auf der Grundlage des Rahmens erarbeiten. Mehrere Delegierte verknüpften die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ ferner mit der Festlegung der Entwicklungsagenda nach 2015 her und der Bedeutung, die der Förderung der allgemeinen Gesundheitsversorgung zukommt. Darüber hinaus wird auf subregionaler Ebene, namentlich im Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerk, darauf hingearbeitet, die Anstrengungen zur Einführung von „Gesundheit 2020“ zu koordinieren.

Die Delegation aus Litauen bekundete im Namen aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihre Entschlossenheit zur Umsetzung von „Gesundheit 2020“ und unterstrich außerdem, dass die nationalen Zielwerte dem unterschiedlichen Entwicklungsstand der Länder Rechnung tragen müssten. Zudem gab sie zu bedenken, dass die Mitgliedstaaten berücksichtigen müssten, welche finanziellen und administrativen Ressourcen für die Verwirklichung bestehender Initiativen nötig sind, bevor sie neue Initiativen auf den Weg brächten. Die Besorgnis darüber, dass die Ressourcen nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden könnten, wurde auch von der norwegischen Delegation geteilt.

Deutschland und Österreich machten deutlich, dass es erforderlich sei, die multiresistente Tuberkulose mit fortgesetztem Engagement zu bekämpfen und das Problem eingeschleppter Fälle anzuerkennen. Die Delegationen Deutschlands und des Vereinigten Königreichs forderten ferner eine stärkere Sensibilisierung für die von antimikrobieller Resistenz ausgehenden Risiken. Die Republik Moldau verwies auf die anhaltenden Herausforderungen für die Gesundheit durch andere übertragbare Krankheiten, darunter Masern und Röteln.

Die Delegation der Russischen Föderation hob das langfristige Bekenntnis des Landes zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten hervor, und die Türkei unterstrich, wie wichtig es sei, Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs zu ergreifen und gegen den illegalen Tabakhandel vorzugehen.

Breite Unterstützung wurde auch für den Prozess zur Reform der WHO geäußert.

Unter Hinweis auf die in den Beiträgen der Mitgliedstaaten genannten Schwerpunktbereiche und Besorgnisse erklärte Zsuzsanna Jakab, dass das gegenwärtige Regionalkomitee sich auf die Rechenschaftslegung und Berichterstattung konzentrieren werde. In Reaktion auf das Problem zunehmender Resolutionen und Verpflichtungen und begrenzter Ressourcen fügte die Regionaldirektorin an, die Tagung werde die derzeit geltenden Resolutionen der letzten zehn Jahre durchsehen, die nicht länger relevanten Resolutionen befristen und ein System für die Erarbeitung neuer Resolutionen einführen. Sie dankte den Mitgliedstaaten für die bemerkenswerte Gesundheitsentwicklung in ihren Ländern und für die nachdrückliche Entschlossenheit zur Umsetzung von „Gesundheit 2020“.

Pressekonferenz

Auf einer kurzen Pressekonferenz sprachen Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin der WHO für Europa, und Dr. Mehmet Müezzinoğlu, Gesundheitsminister der Türkei, mit über 20 türkischen Journalisten und Medienvertretern.

Frau Jakab bedankte sich für die sehr positive Zusammenarbeit zwischen der WHO und der Türkei und würdigte die Erfolge des Landes bei der Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit und bei der Einführung von Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs sowie beim Übergang zu einer gemeindenahen Versorgung im Bereich psychische Gesundheit. Außerdem umriss sie zwei zentrale Punkte, die in dieser Woche auf der Tagesordnung stehen: einen Europäischen Aktionsplan für psychische Gesundheit und einen Europäischen Rahmen für die epidemiologische Überwachung und Bekämpfung invasiver Stechmückenarten und wieder auftretender Vektorkrankheiten.

Dr. Müezzinoğlu bekundete seine Unterstützung für die auf der Tagesordnung der 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa stehenden Fragen und seine volle Zuversicht, dass die Tagung zur Verbesserung der Aktivitäten im Gesundheitsbereich beitragen werde.

Mittagessen der Minister zu den sozialen Determinanten von Gesundheit und der Führung der Gesundheitssysteme

Prof. Sir Michael Marmot, der bei der Ausarbeitung des Berichts über soziale Determinanten von Gesundheit und das Gesundheitsgefälle in der Europäischen Region der WHO federführend war, erläuterte den Ministern und Delegationsleitern die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht. Er stellte fest, dass in der gesamten Europäischen Region erhebliche und sich hartnäckig haltende gesundheitliche Ungleichgewichte bestünden. Obwohl die Region Länder umfasse, deren Gesundheitsniveau mit zu den höchsten gehört, verzeichneten selbst diese wohlhabenderen Länder zunehmend Ungleichgewichte in Bezug auf die Lebensumstände der Menschen und ein Nachlassen der sozialen Mobilität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Diese Veränderungen haben wahrscheinlich zur Folge, dass die Ungleichgewichte im Gesundheitsbereich in vielen Ländern eher zu- als abnehmen. Die seit 2008 anhaltende Wirtschaftskrise hat diesen Trend verschärft und gravierende soziale und wirtschaftliche Ungleichgewichte innerhalb von und zwischen Ländern offengedeckt.

Prof. Marmot wies darauf hin, dass die Länder zwei klare Ziele verfolgen sollten: das durchschnittliche Gesundheitsniveau anzuheben und gesundheitliche Benachteiligungen abzubauen, damit Angehörige weniger privilegierter Gruppen mit denen, die das höchste Gesundheitsniveau aufweisen, gleichziehen können.

Als Beitrag zu den Diskussionen merkte Prof. Ilona Kickbusch, Koordinatorin eines Berichts über Führung und Gesundheit, der auch in die Erarbeitung von „Gesundheit 2020“ einfloss, an, dass eine gute Gesundheit und geringe gesundheitliche Ungleichheiten auf gute Führung zurückzuführen seien. Sie hob die Notwendigkeit hervor, über Gesundheit in allen Politikbereichen hinauszugehen und durch sektorübergreifendes Handeln Synergieeffekte und Nebengewinne anzustreben.

Fachinformationssitzung zu Finanzfragen

Gegenstand einer während der Mittagspause abgehaltenen Fachinformationssitzung war die Reform des Programmhaushalts der WHO. Mit dieser Reform, die sich in den allgemeineren Prozess der WHO-Reform einfügt, soll eine verstärkte Rechenschaftslegung sichergestellt und der Haushaltsbedarf an den verfügbaren Ressourcen ausgerichtet werden. Eine bedeutende Entwicklung in diesem Prozess ist die Einleitung eines Finanzierungsdialogs, der Geber und Mitgliedstaaten zusammenbringt, um die Finanzierung zu erörtern und sie somit berechenbarer, flexibler und transparenter zu machen.

Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees

Dr. Ray Busuttil, Leiter der staatlichen Gesundheitsbehörde Maltas und Amtierender Vorsitzender des 20. Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (SCRC), erstattete Bericht über die Arbeit des Ausschusses im Zeitraum 2012–2013. Im Auftrag des Regionalkomitees und als dessen Vertreter und Berater sah der SCRC die Tagesordnung für die diesjährige Tagung durch und kam darin überein, dass das Regionalkomitee die auf früheren Tagungen angenommenen Grundsätze, Strategien und Programme überprüfen solle, statt neue zu verabschieden. Dennoch werde sich die Tagung auch mit zwei neuen Initiativen befassen: ein Europäischer Aktionsplan für psychische Gesundheit und ein Europäischer Rahmen für die epidemiologische Überwachung und Bekämpfung invasiver Stechmückenarten und wieder auftretender Vektorkrankheiten. Dr. Busuttil wies darauf hin, dass bei der Tagung darauf geachtet werden solle, die den Ländern durch die Bewertung der Umsetzung von „Gesundheit 2020“ und die Fertigstellung des Überwachungsrahmens entstehende Belastung möglichst gering zu halten.

Der SCRC setzte zwei Untergruppen ein, eine zur internen Führung im Rahmen der WHO-Reform und eine weitere zur Ressourcenzuweisung, die ihre Arbeit im Anschluss an die laufende Tagung aufnehmen sollen. Zusätzlich widmete der SCRC sich besonders den Außenstellen des Regionalbüros, indem er einen ersten Entwurf und das geplante Verfahren zur Ausarbeitung von Geschäftsmodellen für neue Außenstellen bewertete. Insbesondere empfahl er die Einrichtung von zwei neuen Außenstellen, eine für die primäre Gesundheitsversorgung mit Standort in Kasachstan und eine weitere für die Bereitschaftsplanung für humanitäre und gesundheitliche Notlagen mit Sitz in der Türkei, und überprüfte die Arbeit der Außenstellen in Barcelona, Bonn und Venedig. Ferner initiierte er eine Prüfung des Standes der seit 2002 verabschiedeten Resolutionen unter dem Gesichtspunkt ihrer fortgesetzten Relevanz und ihrer Abstimmung mit „Gesundheit 2020“.

Reform der WHO

Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, berichtete über die erheblichen Fortschritte bei der WHO-Reform im vergangenen Jahr, die zu großen Teilen auf das beispiellose Engagement und die aktive Beteiligung der Mitgliedstaaten zurückzuführen seien. Sie beschrieb die Folgen für das Regionalbüro und für die Region und betonte die wichtigen Beiträge der Region zur globalen Debatte.

Im Rahmen der Programmreform wurde das Zwölfte Allgemeine Arbeitsprogramm von der Weltgesundheitsversammlung in seiner Gesamtheit und mit voller Unterstützung aller WHO-Regionen gebilligt. Es wurde als spürbare Verbesserung gegenüber früheren Ausgaben angesehen und bildet die Grundlage für den ersten Programmhaushalt für 2014–2015. Die Europäische Region weist von allen Regionen die meisten Länder und Länderbüros auf, weshalb das Regionalbüro seine fachlichen Ressourcen in Kopenhagen in erster Linie mittels eines Modells der Leistungserbringung optimieren muss, das die Vielzahl der Länder einbezieht und länderübergreifend wirkt. Ferner sollen künftig alle Konzepte, Strategien und Programme aus der Perspektive von „Gesundheit 2020“ erarbeitet werden, das komplett auf die globale Politik abgestimmt ist. Ein neues, von der Basis ausgehendes Planungsverfahren soll bis 2016–2017 voll funktionsfähig sein.

Die Reform der Führungsstrukturen berührt sowohl die interne Führung der WHO als auch die Rolle der WHO in der globalen Gesundheitsarena, wobei sich die WHO aufgrund der wachsenden Zahl im internationalen Gesundheitsbereich tätiger Organisationen klarer in Bezug auf ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten abgrenzen muss. Das Regionalbüro ist zunehmend an den bei der WHO angesiedelten Partnerschaften beteiligt und vertieft seine Zusammenarbeit mit den wichtigsten internationalen Akteuren. Die Fragen der internen Führung betreffen vor allem die Abstimmung der Arbeitsmethoden und der Rolle des Regionalkomitees und des Ständigen Ausschusses mit denen der globalen leitenden Organe.

Durch die Reform der Leitungsebene soll die Berechenbarkeit, Transparenz und Flexibilität der künftigen Finanzierung der WHO sichergestellt werden. Im vergangenen Jahr hielten die Mitgliedstaaten eine erste globale Tagung im Rahmen des Finanzierungsdialogs ab, deren Ergebnisse nun in jeder Region zur Diskussion stehen. Trotz dieser nach wie vor enormen Herausforderung war Frau Jakab zuversichtlich, dass im Ergebnis einer zweiten Tagung des Finanzierungsdialogs im November die volle und flexible Finanzierung für 2014–2015 gewährleistet würde.

Imre Hollo, Direktor der Abteilung Verwaltung und Finanzen, beschrieb die laufende operative Planung für 2014–2015 und führte aus, inwieweit sie den auf der letztjährigen Tagung des Regionalkomitees gestellten Anforderungen gerecht wird. Die geplanten Personalkosten sind auf nur 56% der Gesamtkosten gesunken, und für fünf der sechs Arbeitskategorien sind Mittel innerhalb der vorgesehenen Höhe veranschlagt. Nur Kategorie 5 geht über den veranschlagten Rahmen hinaus, und zwar aus dem außergewöhnlichen Grund, dass sowohl der antimikrobiellen Resistenz als auch den Erfordernissen der Internationalen Gesundheitsvorschriften in Bezug auf die Gesundheitssicherheit eine überaus hohe Priorität zukommt. Nach Angaben Herrn Hollos würden sich weitere Kürzungen in anderen Bereichen ohne eine Umverteilung der Prioritäten durch die Mitgliedstaaten über ihre zweijährigen Kooperationsvereinbarungen mit der WHO, ihre Strategien für Länderkooperation und die mehrere Länder umfassende und länderübergreifende Zusammenarbeit als schwierig erweisen.

Die Delegierten begrüßten generell die abgegebenen Präsentationen und würdigten das Regionalbüro für seine Vorreiterrolle im Prozess der Finanzreform der WHO, seinen Vorschlag zur Einrichtung eines Finanzierungs-Onlineportals, zum „Polarstern“ von „Gesundheit 2020“, der nun den Kurs für seine Arbeit vorgibt, und zu einer von der Basis ausgehenden Planung, und ein Delegierter forderte die anderen Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, zum fortlaufenden Dialog über Finanzreform beizutragen.

Zsuzsanna Jakab äußerte die Ansicht, dass dank der kombinierten Anstrengungen des Generaldirektors und aller Regionen viel erreicht worden sei. Zwar stünden im Zeitraum 2014–2015 Herausforderungen an, doch gehe sie davon aus, dass diese bis 2016–2017 bewältigt seien, und obwohl künftig kein Weg am Bottom-up-Ansatz vorbeiführe, dürfe eine umgekehrte Vorgehensweise nicht ausgeschlossen werden.

Höhepunkte für Dienstag

  • Vorstellung des Berichts über die sozialen Determinanten von Gesundheit und das Gesundheitsgefälle in der Europäischen Region der WHO
  • Fachinformationssitzung zur Prävention von Kindesmisshandlung und anderen schädlichen Ereignissen im Kindesalter
  • Ergebnisse der jüngsten Konferenzen über Gesundheitsförderung, Ernährung und nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitssysteme in Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise
  • Sachstandsbericht über den Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa
  • Einführung in den Europäischen Handlungsrahmen für die epidemiologische Überwachung und Bekämpfung invasiver Stechmückenarten und wieder auftretender Vektorkrankheiten