Regionalkomitee: Höhepunkte von Tag 4

WHO

Dr Gauden Galea presents the European Mental Health Action Plan which was adopted by the Regional Committee

Am letzten Tag der 63. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa nahmen die Mitgliedstaaten den Europäischen Aktionsplan für psychische Gesundheit an. Insgesamt wurden auf der diesjährigen Tagung elf Resolutionen angenommen und zwei Beschlüsse gefasst.

Europäischer Aktionsplan für psychische Gesundheit

Die Förderung psychischer Gesundheit und die Prävention und Therapie psychischer Störungen sind entscheidend für Lebensqualität und Wohlbefinden. Im Plenum erläuterte Dr. Gauden Galea, Direktor der Abteilung für Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung beim WHO-Regionalbüro für Europa, den Delegierten, dass fast 20% der in der Region aufgrund von Krankheit verlorenen Lebensjahre neuropsychiatrischen Erkrankungen zuzuschreiben seien. Die Wirtschaftskrise habe die Schwierigkeiten in der Bewältigung psychischer Erkrankungen und der Förderung des psychischen Wohlbefindens für die gesamte Europäische Region noch vergrößert. Außerdem sei belegt, dass in der Europäischen Region eine Behandlungslücke bei psychiatrischen Angeboten bestehe: 17,8% der Menschen mit Psychosen, 39,9% derjenigen mit bipolaren Störungen und 45,4% derjenigen mit schweren Depressionen erhielten keine Behandlung.

Dr. Galea erläuterte Einzelheiten aus den zweijährigen Konsultationen zum Aktionsplan für psychische Gesundheit in der Europäischen Region, der übrigens auch mit dem entsprechenden Globalen Aktionsplan abgestimmt worden sei, den die Weltgesundheitsversammlung früher im Jahr angenommen habe.

Der Aktionsplan verfolge sieben Ziele, damit:

  • gleiche Chancen auf psychisches Wohlbefinden im gesamten Leben bestünden,
  • die Menschenrechte für alle mit psychischen Gesundheitsproblemen gesichert seien,
  • zugängliche und erschwingliche Angebote vornehmlich gemeindenah zur Verfügung stünden,
  • die Behandlung respektvoll, sicher und wirksam erfolge,
  • die Gesundheitssysteme allen eine gute medizinische und psychiatrische Versorgung böten,
  • die Psychiatriesysteme gut mit anderen Systemen und Partnern abgestimmt würden,
  • die Steuerung und Erbringung der psychiatrischen Angebote auf der Grundlage solider Daten und Kenntnisse erfolgten.

Der Aktionsplan wurde von den Mitgliedstaaten wärmstens begrüßt und die WHO wurde für den kooperativen Entwicklungsprozess ebenso gelobt wie für seine zeitliche Planung angesichts der Wirtschaftskrise. Mehrere Länder betonten, wie wichtig die gemeindenahe Versorgung und der Fokus auf junge und alte Menschen seien (Demenz wurde mehrfach als Herausforderung genannt), dass sektorübergreifende Zusammenarbeit benötigt werde und dass die betroffenen Menschen immer mit Respekt behandelt werden müssten. Die Delegation des Vereinigten Königreichs beklagte das psychischen Erkrankungen immer noch anhaftende Stigma und äußerte den Wunsch, dass hier die gleiche Wertschätzung erreicht werde, wie sie bei physischen Erkrankungen üblich sei.

Die Mitgliedstaaten nahmen die Resolution zum Europäischen Aktionsplan für psychische Gesundheit (2014–2020).

Globale Koordinierung der Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten.

Für die Umsetzung des Globalen Aktionsplans zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2013-2020) und das Erreichen der darin enthalten neun freiwilligen Zielvorgaben plant die WHO einen Koordinationsmechanismus (CGM) zu schaffen, mit dem einzelne am Plan beteiligte Partner unterstützt werden können.

Im Namen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union drückt die litauische Delegation Anerkennung für die globale Führungsarbeit der WHO im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten aus. Die Delegation verlieh auch ihrer Hoffnung Ausdruck, dass der CGM eine organisatorisch leichte und zeitlich begrenzte Einrichtung sein werde und betonte die Notwendigkeit einer wirksamen Beteiligung nichtstaatlicher Organisationen sowie einer näheren Bestimmung der Arbeitsteilung. Weitere Anmerkungen bezogen sich darauf, dass der CGM dem Informationsaustausch dienen solle und dass er zur Sicherung seiner Glaubwürdigkeit imstande sein müsse, Interessenkonflikte zu bewältigen.

Entwicklungsagenda nach 2015

In der Erörterung der Millenniums-Entwicklungsziele (MZ) und der Gesundheitsthemen für die Entwicklungsagenda nach 2015 zeigte sich ein breiter Konsens darüber, dass Schwerpunkte in der Maximierung der Gesundheit in allen Lebensabschnitten, der Arbeit für eine allgemeine Gesundheitsversorgung und einer Ausweitung des Spektrums auf nichtübertragbare Krankheiten liegen sollten.

Die WHO werde auch weiterhin die Mitgliedstaaten hinsichtlich der MZ unterstützen, wobei die Anwendung von Gesundheitsindikatoren entscheidend für das Nachvollziehen der Fortschritte sei.

Internationale Gesundheitsvorschriften (2005)

Insgesamt haben 21 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO um eine Fristverlängerung zur Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) gebeten. Die WHO bat die Mitgliedstaaten, Kriterien für weitere Fristverlängerungen anzugeben, und machte zu deren Inhalt folgende Vorschläge:

  •  mindestens vier Monate vor Fristablauf die Vorlage einer förmlichen schriftlichen Bitte der jeweiligen Vertragspartei an die WHO-Generaldirektorin einschließlich eines eindeutigen Umsetzungsplans.

Der IGV-Prüfungsausschuss werde dann einberufen, um die Generaldirektorin hinsichtlich dieser Bitten Fristverlängerung zu beraten.

Das Auftreten von MERS-CoV (Middle East respiratory syndrome coronavirus) außerhalb wie innerhalb der Europäischen Region verdeutliche die Notwendigkeit der IGV und mehrere Mitgliedstaaten dankten der WHO für die Unterstützung in ihrer Umsetzung. Die französische Delegation bat darum, genauere Kriterien für eine Fristverlängerung der IGV-Umsetzung in einer schriftlichen Konsultation mit den Mitgliedstaaten zu entwickeln.


Strategie zur Vollendung der Polioausrottung

Der Globale Aktionsplan für Impfstoffe (2011–2020) sieht Schritte zum Auffinden des Polio-Virus und zur Unterbrechung der Übertragung bis 2014 vor und steckt Ziele für eine Stärkung der Impfsysteme, die Entfernung des Polio-Impfstoffs 2 aus der Schluckimpfung bis 2016 und eine endgültig zertifizierte Eindämmung des Polio-Virus bis 2018. Die Impfprogramme in der Region seien im Prinzip gut, doch gebe es auch Lücken.

Konkret hat sich das Regelimpfschema gegen Polio durch die Einführung mindestens einer Dosis des inaktivierten Polio-Impfstoff (IPV) und der Rücknahme der Typ-2-Komponente aus der Schluckimpfung (OPV2) geändert. Nur elf Mitgliedstaaten benutzten OPV. Das Regionalbüro werde den Mitgliedstaaten bei der Umstellung behilflich sein.

Kontrollrahmen und Rechenschaftsgerüst würden der 67. Weltgesundheitsversammlung vorgelegt.

Beratende Expertengruppe für Fragen von Forschung und Entwicklung sowie ihrer Finanzierung und Koordinierung

Die 66. Weltgesundheitsversammlung hatte eine Resolution angenommen, die sich für bessere Forschung und Entwicklung in Bezug auf Gesundheitsthemen einsetzt, welche in erster Linie Entwicklungsländer betreffen, sowie Ungleichgewichte in der aktuellen Forschungslandschaft ausgleichen will. Im Rahmen dieser Resolution will die WHO ein globales Gesundheitsobservatorium einrichten. Die Mitgliedstaaten wurden um Rückmeldungen zur Schaffung des neuen Observatoriums gebeten.

Offene Erörterung der Fortschrittsberichte zu multiresistenter Tuberkulose, den Internationalen Gesundheitsvorschriften von 2005, Antibiotikaresistenzen, Tabakbekämpfung, Nahrung und Ernährung, nichtübertragbaren Krankheiten sowie den Millenniums-Entwicklungszielen.

  • Viele Delegationen betonten, wie wichtig es, sei die multiresistente Tuberkulose (MDR-Tb) in den Griff zu bekommen, und dankten der Regionaldirektorin dafür, dass sie dieses Thema priorisiere. Die Länder betonten, wie wichtig es sei, die epidemiologische Überwachung der Krankheit zu verbessern und mit anderen Organisationen zu kooperieren, hierunter mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), sowie Patienten mit Alkohol- und Drogenproblemen besondere Aufmerksamkeit zu schenken und etwa eine gleichzeitige Methadon-Substitutionsbehandlung anzubieten. Die Notwendigkeit zur Beteiligung der betroffenen Gruppen wurde ebenfalls betont.
  • Die Mitgliedstaaten wurden darüber informiert, dass Eigenbehandlung und unbeschränkter Ladenverkauf diesmal zentrale Themen des diesjährigen Europäischen Antibiotikatags seien, der am 18. November stattfinde.  Die WHO werde weiter mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, der Weltorganisation für Tiergesundheit und anderen Partnern an der Bewältigung der Problematik mikrobieller Resistenzen und der Thematisierung der Schnittstelle zwischen Mensch, Umwelt und Tierwelt arbeiten.
  • Die deutsche Delegation nannte Beispiele für den Einsatz des Landes gegen das Rauchen unter jungen Menschen wie etwa die Anhebung des Mindestalters auf 18 Jahre und die Erhöhung der Tabaksteuern.  So sei die Zahl der Raucher in der Altersgruppe 12 bis 17 Jahre seit 2001 um 50% gesunken.
  • Die russische Delegation teilte mit, dass auf Ebene der Russischen Föderation Gesetze beschlossen worden seien, welche ganz im Sinne des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs den Tabakkonsum im Land um 30% zurückdrängen sollten.
  • Die französische Delegation forderte, den Elan für das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele (MZ) zu erhalten bzw. noch zu steigern, und betonte, welche Sorgen Frankreich die wachsenden Zahlen mit HIV infizierter Menschen insbesondere unter Drogenkonsumenten sowie die unscheinbare Bedrohung durch Hepatitis C bereiteten.  

Ort und Zeit der kommenden Tagungen des Regionalkomitees

Die Mitgliedstaaten vereinbarten, dass

  • die 64. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vom 15. bis 18. September 2014 in Kopenhagen (Dänemark),
  • die 65. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vom 14. bis 17. September 2015 in Wilna (Litauen) und
  • die 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vom 12. bis 15. September 2016 in Kopenhagen (Dänemark) stattfinden werden.

Erklärung nichtstaatlicher Organisationen

Das Vorstandsmitglied des Internationalen Hebammenverbands Mary Higgins gab im Namen ihrer Organisation und neun weiterer nichtstaatlicher Organisationen eine Erklärung ab. Frau Higgins dankte dem Regionalkomitee für dessen Bemühungen und sah einer ausgeweiteten Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro und den Mitgliedstaaten in der Entwicklung und Umsetzung von Programmen und in regelmäßigen Zusammenkünften erwartungsvoll entgegen.

Zweijährige Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet

Während der Tagung des Regionalkomitees wurden vier zweijährige Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet (zwischen dem Regionalbüro und Kroatien, Slowenien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Tadschikistan). Durch diese Vereinbarungen werden Prioritäten der gemeinsamen Arbeit im Zeitraum 2014-2015 festgelegt. 

Schließung der Tagung

Zum Abschluss der Tagung dankte die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab dem türkischen Gesundheitsministerium, den Mitgliedstaaten, den Partnern und Gruppen der Zivilgesellschaft für die erzielten Vereinbarungen und die Betonung ihrer Umsetzung während der Tagung. „Dieses Regionalkomitee wird wegen seiner Konsens stiftenden Atmosphäre und der harmonischen Zusammenarbeit in Erinnerung bleiben,“ sagte sie.