Weltgesundheitsversammlung, Tag 2: Gesundheit von Neugeborenen und geschlechtsspezifische Gewalt als Schwerpunkte der Tagesordnung

(From left) Zsuzsanna Jakab, WHO Regional Director for Europe, and Salidat Kairbekova, Minister of Health, Kazakhstan, hold the signed agreement to establish a WHO office on Primary Health Care in Almaty, 21 May 2014.

Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt

Dr. Christine Kaseba-Sata, First Lady von Sambia  und Botschafterin des guten Willens der WHO für die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, und Melinda Gates, Ko-Vorsitzende der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, sprachen in der Nachmittagssitzung zu den Delegierten der Weltgesundheitsversammlung.

Dr. Kaseba-Sata beklagte die weite Verbreitung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und den Umfang, in dem solche Fälle von Gewalt versteckt und unerkannt blieben. Die ehemalige Gynäkologin wies auf die bleibenden psychischen und körperlichen Schäden hin, die solche Gewalt hinterlassen könne: „Fast alle Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt landen im Gesundheitswesen.“

Sie unterstrich, dass es die Aufgabe des Gesundheitswesens sei, sich mit den Ursachen und Folgen von Gewalt auseinanderzusetzen. Deshalb appellierte sie an die Delegierten, entschlossen dafür einzutreten, dass alle Opfer von Gewalt auf schnelle, wirksame und bezahlbare Weise Zugang zu allen benötigten Gesundheitsangeboten erhielten und dabei keinerlei Anfeindung, Missachtung oder Diskriminierung ausgesetzt seien.

Verbesserung der Gesundheit von Neugeborenen

Im Anschluss erläuterte Frau Gates Wege zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Neugeborenen und hob hervor, wie wichtig die Verknüpfung der Anstrengungen zur Verbesserung der reproduktiven Gesundheit mit der Gesundheitsversorgung von Müttern, Neugeborenen und Kindern sei –  das sog. „Kontinuum der Versorgung“.

Themen von besonderem Interesse für die Europäische Region

  • In einer Rede vor dem Plenum unterstrich die Delegation Norwegens die Notwendigkeit eines grenzüberschreitenden Engagements für die Reinhaltung der Luft. Norwegen habe einen Aktionsplan für nichtübertragbare Krankheiten angenommen, und die Delegation rief alle Länder dazu auf, zur Kenntnis zu nehmen, dass viele Menschen die letzten Jahre ihres Lebens mit chronischen Erkrankungen verbrächten. Abschließend forderte die Delegation die Ausarbeitung eines ehrgeizigen Plans zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen.
  • Die Delegation Maltas brachte vor den Delegierten die Thematik der Entwicklungsagenda nach 2015 und die Notwendigkeit eines hohen Stellenwerts der Gesundheit in dieser Agenda zur Sprache. Sie unterstützte im Hinblick auf die Agenda nach 2015 den Grundsatz einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, die sich an dem Recht auf Leben, Gesundheit und Behandlung orientiere und durch Chancengleichheit und Solidarität gestützt werde.
  • Zu den von der portugiesischen Delegation angesprochenen Themen gehörten die Herausforderungen bei der Reformierung des Gesundheitswesens (einschließlich der Arzneimittelpolitik) und bei der Stärkung der Surveillance, deren Bedeutung durch den jüngsten Ausbruch des Dengue-Fiebers in Madeira unterstrichen worden sei.
  • Die Delegation der Ukraine unterstrich die Bedeutung des Schutzes des Gesundheitspersonals in Konfliktzeiten und erläuterte, wie dieses trotz eines Zusammenbruchs des Gesundheitssystems in den vergangenen Monaten die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung aufrechterhalten habe.
  • Der inhaltliche Schwerpunkt der Erklärung Polens im Plenum lag in der Feststellung, dass die Gesundheitssysteme sich aktiv auf die Bewältigung der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorbereiten müssten. Die Delegation nannte Beispiele für die negativen Folgen des Klimawandels, wie die Ausbreitung von durch Vektoren oder Luft übertragenen Krankheiten sowie eine Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen infolge von Hitzeperioden und erhöhter Luftfeuchtigkeit.
  • Die schwedische Delegation sprach von der Notwendigkeit einer nachhaltigen ressortübergreifenden Zusammenarbeit zur Bewältigung der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und der antimikrobiellen Resistenzen. Das Fazit der Delegation lautete, dass die ressortübergreifende Zusammenarbeit auch im Hinblick auf eine neue nachhaltige Entwicklungsagenda nach 2015 von entscheidender Bedeutung sei.
  • Die Delegation Luxemburgs brachte eine Reihe von Gesundheitsthemen zur Sprache: die verheerenden Folgen des Klimawandels für marginalisierte Bevölkerungsgruppen; die Notwendigkeit einer Verstärkung der Anstrengungen, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten; und das Erfordernis klarer, kohärenter und messbarer Ziele auf der Entwicklungsagenda nach 2015.
  • Bei einem bilateralen Treffen mit der Delegation der Ukraine lag der inhaltliche Schwerpunkt auf der Erhöhung des Durchimpfungsgrades der Bevölkerung gegen Poliomyelitis, Masern und Röteln. Neben der obersten Priorität, dem Impfwesen, ging die Delegation auch auf die anderen vorrangigen Bereiche im Gesundheitswesen des Landes ein. Dazu gehörten der Aufbau eines neuen Gesundheitssystems, die Stärkung der primären Gesundheitsversorgung unter Schwerpunktlegung auf Präventionsmaßnahmen, die Stärkung der Rehabilitations-, Palliativ- und Hospizversorgung, die Unterstützung der Prä- und Postgraduiertenausbildung in den Gesundheitsberufen, die Behandlung von Fragen der Gesundheit von Müttern und Kindern, HIV/Aids und Tuberkulose und die Umstellung auf gemeindenahe psychosoziale Dienste.
  • Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, erörterte in einem bilateralen Gespräch mit der kasachischen Gesundheitsministerin Dr. Salidat Kairbekova den Stand der Dinge bei der Einrichtung eines neuen ausgelagerten Fachzentrums der WHO für primäre Gesundheitsversorgung in Almaty durch die kasachische Regierung.
  • In einem Gespräch mit dem turkmenischen Gesundheitsminister Nurmuhammet Amannepesov würdigte die Regionaldirektorin die großen Erfolge des Landes bei der Bekämpfung des Tabakkonsums. Ferner bedankte sie sich bei dem Minister für die Ausrichtung der Ministerkonferenz zum Thema nichtübertragbare Krankheiten im Dezember 2013 und für den anhaltenden Einsatz seines Landes bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und ihrer Risikofaktoren.
  • Susanna Huovinen, die finnische Ministerin für Gesundheit und Soziales, nannte in ihrem Gespräch mit Zsuzsanna Jakab nichtübertragbare Krankheiten, Gesundheitsförderung, Gesundheit in allen Politikbereichen sowie sexuelle und reproduktive Gesundheit als künftige Prioritäten der Arbeit ihres Ministeriums. Die Regionaldirektorin bedankte sich für die anhaltende Unterstützung Finnlands und erwähnte die Tatsache, dass das Ministerium im Juni zu einem Nordisch-baltischen Grundsatzdialog über die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ einladen wird.
  • Die Delegation der Republik Moldau sprach im Plenum von den Maßnahmen, die das Land zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels ergreife, die bereits deutlich zu erkennen seien. Zu diesen Initiativen gehörten eine Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Extremwetter und Mortalität und die Förderung der Nutzung alternativer Energien im Gesundheitswesen.
  • In einer Rede im Plenum wies Dr. Salidat Kairbekova, Gesundheitsministerin von Kasachstan, auf die Ausweitung der primären Gesundheitsversorgung und auf Verbesserungen hinsichtlich der Gesundheitsindikatoren in ihrem Land hin. Sie unterstrich auch die Fortschritte, die bei der Sensibilisierung für die Risiken des Tabak- und Alkoholkonsums sowie bei der Bekämpfung der Tuberkulose durch einen nationalen Aktionsplan mit Laufzeit bis 2020 erzielt worden seien.
  • Die Delegation Islands sprach von den Folgen des Klimawandels in ihrem Land, namentlich dem Rückzug der Gletscher und der Verschmutzung der Luft, etwa durch Vulkanasche. Sie erklärte, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit seien noch nicht vollständig erforscht und die ökologische Nachhaltigkeit sei ein vorrangiges Anliegen.
  • In ihrer Rede an die Delegierten gratulierte die israelische Delegation der WHO zur Einleitung des Reformprozesses und dankte ihr für die Unterstützung bei der Erkennung und Surveillance von Polio sowie den nachfolgenden Impfmaßnahmen in den vergangenen Monaten.
  • Die Delegationen Italiens und Rumäniens organisierten eine Nebenveranstaltung über Autismus-Spektrum-Störungen, die sich mit der Befähigung von Menschen mit solchen Störungen (nach Schätzungen 1% bis 2% der Bevölkerung) befasste, um die gesellschaftliche Stigmatisierung zu verringern und die Forschung auf diesem Gebiet zu verbessern.
  • Die Delegationen des Vereinigten Königreichs, der Niederlande und der Türkei organisierten eine Nebenveranstaltung zum Thema antimikrobielle Resistenz, deren Tenor auf der Notwendigkeit lag, die Öffentlichkeit wirksamer für die Thematik zu sensibilisieren, die Entwicklung neuer Antibiotika zu fördern und die Surveillance des Antibiotikagebrauchs zu stärken.
  • Die lettische Delegation sprach im Plenum von den Verbindungen zwischen dem Klimawandel und der Ausbreitung von Vektorkrankheiten und wies darauf hin, dass es nach einem milden Winter Anzeichen für eine Zunahme der Zahl der Fälle von Lyme-Krankheit und durch Zecken übertragener Enzephalitis gebe.
  • In einer Rede an das Plenum sprach die Delegation Albaniens davon, wie sich ihr System der primären Gesundheitsversorgung mit Krebserkrankungen, nichtübertragbaren Krankheiten und psychischen Störungen befasse.
  • In einem bilateralen Gespräch zwischen dem albanischen Gesundheitsminister und der Regionaldirektorin erklärte der Minister, die vorrangigen Ziele des Gesundheitssystems seines Landes lägen in der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, der Entwicklung eines Gesundheitsinformationssystems sowie den Bereichen Kinderheilkunde, Krebsversorgung und Telemedizin.