Tag 3 der Weltgesundheitsversammlung: Themen von besonderem Interesse für die Europäische Region

  • Prof. Juhani Eskola, Generaldirektor des Staatlichen Instituts für Gesundheit und Soziales in Finnland, erklärte in einem bilateralen Gespräch mit Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, sein Land habe sich dem Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen" verschrieben. Er fügte hinzu, der Arbeitsmarkt habe insbesondere Auswirkungen auf die Gesundheit junger Männer, und wies auf die Notwendigkeit hin, Fragen der Gesundheit am Arbeitsplatz in Angriff zu nehmen und die Alkoholgesetze zu überarbeiten, um den Alkoholkonsum zu senken. Die Delegation hob die enge Zusammenarbeit der WHO mit der Europäischen Union lobend hervor.
  • Die Regionaldirektorin traf auch mit dem Gesundheitsminister der Republik Moldau, Dr. Mircea Buga, zusammen. Sie versprach, das Land bei einer Reihe von Gesundheitsthemen zu unterstützen, insbesondere im Hinblick auf das bevorstehende nationale Gesundheitsforum. Der Minister berichtete, dass mit der Arbeit an der Änderung der Vorschriften für Medikamente begonnen worden sei, um für die Bürger die Ausgaben aus eigener Tasche zu senken. 
  • Die Delegation Georgiens erläuterte während der Plenarsitzung die jüngsten Veränderungen im Gesundheitswesen des Landes und namentlich die Einführung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, ein Projekt zur Eliminierung der Hepatitis C und die Bemühungen um eine Verbesserung der Zugänglichkeit von Arzneimitteln. Sie wies auch darauf hin, dass die Kindersterblichkeitsraten in den vergangenen Jahren deutlich gesunken seien.
  • In der Plenarsitzung erklärte die Delegation Usbekistans, die Reformierung des Gesundheitssystems habe sich an der Charta von Tallinn: Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand sowie an der Erklärung von Alma-Ata orientiert, und die Umsetzung von „Gesundheit 2020" sei bereits im Gange. Zu den Erfolgen in jüngster Zeit gehörten eine Senkung der Kindersterblichkeit auf ein Drittel des vorigen Niveaus, ein neues Impfprogramm, die Stabilisierung der Mortalität aufgrund von Tuberkulose und nichtübertragbaren Krankheiten und die Senkung des Tabak- und Alkoholkonsums. An Plänen zur Inangriffnahme des Themenkomplexes Ernährung werde gearbeitet. 
  • Ein Vertreter des Heiligen Stuhls unterstrich, die Tragödie der Ebola-Krise verdeutliche einmal mehr die Notwendigkeit einer allgemeinen Gesundheitsversorgung sowie zügiger Gegenmaßnahmen bei Krankheitsausbrüchen. Er forderte eine Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und eine Verlagerung von der kurzfristigen Finanzierung von Programmen auf eine langfristige Stärkung der Gesundheitssysteme.
  • Ein Vertreter des Malteserordens erläuterte den historischen Auftrag der Organisation, das Leiden und die Anfälligkeit bedürftiger Menschen zu verringern, sowie seine gegenwärtigen Aktivitäten in Notstandsgebieten in aller Welt, u. a. in Nepal und bei der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in der Türkei. Die Organisation werbe dafür, gesundheitsbezogene Ziele in die Entwicklungsagenda nach 2015 aufzunehmen.
  • Vertreter mehrerer Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region nahmen während der Mittagspause an der Fachinformationssitzung zum Thema Klimawandel und Gesundheit teil. Die Teilnehmer unterstrichen die Bedeutung der menschlichen Gesundheit in der Debatte über den Klimawandel und hoben auch die Tatsache hervor, dass der bei Untätigkeit zu erwartende Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 4 oC katastrophale Folgen hätte. Eine neue allgemeine Übereinkunft über den Klimawandel werde für den im Dezember 2015 in Paris stattfindenden Klimagipfel ausgehandelt. Das Schlüsselziel sei eine Beschränkung des durch den Menschen verursachten Temperaturanstiegs auf 2 oC, doch die Erzielung eines Konsenses in dieser Frage erweise sich als schwierig.
  • Zahlreiche Mitgliedstaaten nahmen an den Diskussionen über den vorgeschlagenen globalen Impfaktionsplan teil, in dem eine jährliche Berichterstattung und eine Aufsichtsfunktion für den Strategischen Beirat der WHO für Immunisierungsfragen gefordert werden. Die Diskussionen würden zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen, um den Ländern mehr Zeit zur Beratung über die geplante Resolution zu gewähren.
  • In einer abendlichen Fachsitzung wurden die Erfolge und Herausforderungen bei der Umsetzung des Globalen Verhaltenskodexes der WHO für die grenzüberschreitende Anwerbung von Gesundheitspersonal erläutert. Dabei wurde davon gesprochen, dass die Europäische Region der WHO bei der Einführung des Kodex eine Führungsrolle übernommen habe und dass für die 65. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa ein Lagebericht zu dessen Umsetzung in der Europäischen Region seit seiner Annahme im Jahr 2010 vorbereitet werde.
  • Die Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region nahmen an der Debatte über die Umsetzung des Programmhaushalts 2014–2015 und über den Programmhaushaltsentwurf 2016–2017 teil. Eine Mehrzahl der Länder waren sich über die Notwendigkeit einig, den Haushalt für 2016–2017 um 8% zu erhöhen. Viele Länder forderten auch mehr Transparenz, weitere Informationen über die Prioritätensetzung und mehr Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz.