Tag 2 der Weltgesundheitsversammlung: Themen von besonderem Interesse für die Europäische Region

Christiana Figueres, Exekutivsekretärin des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, hielt am 24. Mai 2016 eine Rede vor der Weltgesundheitsversammlung. Darin hob sie die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit hervor und nannte dabei u. a. die Ausbreitung von Vektorkrankheiten. Im Anschluss an ihre Rede fand eine Fachinformationsveranstaltung statt, in der die Notwendigkeit ressortübergreifenden Handelns zur Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) sowie der Verabschiedung einer neuen Resolution zur Erreichung dieser Ziele unterstrichen wurde.

Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die Delegierten waren sich darüber einig, dass für Fortschritte hin zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, einem wesentlichen Schlüssel für die Verwirklichung der gesundheitsbezogenen SDG, die nationalen Gesundheitssysteme gestärkt werden müssen.

In der Resolution wird die Stärkung einer Reihe grundlegender gesundheitspolitischer Maßnahmen empfohlen. Dazu gehören: die Investition ausreichender und nachhaltiger Ressourcen in die Stärkung der Gesundheitssysteme; die Erweiterung der Ausbildung, Anwerbung und Bindung von Gesundheitspersonal; ein konsequentes Ansetzen an den sozialen, umweltbedingten und ökonomischen Determinanten von Gesundheit; und die Verbesserung der Beobachtung und Analyse gesundheitlicher Resultate.

In der Diskussion im Plenum über die Rolle von Gesundheit in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ergriffen zahlreiche Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region das Wort. Unter Hinweis auf die bestehenden Herausforderungen brachten die Länder ihr Engagement für die SDG zum Ausdruck und unterstrichen die zentrale Rolle der Gesundheit bei der Verwirklichung all dieser Ziele. Die Delegation Schwedens erklärte: „Dies ist eine Blaupause für die Zukunft der Menschheit, in der die Gesundheit eine zentralere Rolle spielt als alles andere." 

Mehrere Länder vertraten die Ansicht, dass die Ausarbeitung nationaler Gesundheitspläne nach dem Vorbild des Europäischen Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020" die Länder in die Lage versetze, die SDG wirksam umzusetzen. Sowohl „Gesundheit 2020" als auch die Agenda für nachhaltige Entwicklung enthielten neue Denkansätze, die ressortübergreifend ausgerichtet seien, die Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften anstrebten, Ungleichheiten bekämpften und darauf hinarbeiteten, dass niemand auf der Strecke bleibt. Zahlreiche Delegierte unterstrichen die einzigartige globale Führungsrolle der WHO und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen all jenen Politikbereichen, die die sozialen Determinanten von Gesundheit im Sinne einer Verwirklichung der SDG beeinflussen können.

Andere Schwerpunkte aus Sicht der Europäischen Region

Zu den gemeinsamen Themen, die von den Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region im Plenum angesprochen wurden, zählten die Herausforderungen und die gesundheitlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten, eine neue Schwerpunktlegung auf die weltweit epidemieartige Ausbreitung der nichtübertragbaren Krankheiten, die Bedeutung der Reform der Notfallhilfe in der WHO – die der Verbesserung ihrer Handlungsfähigkeit in Bezug auf Bedrohungen für die Gesundheit dient –, die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, die Fortsetzung der Stärkung der Gesundheitssysteme – einschließlich des Zugangs zu Gesundheitsleistungen und Medikamenten – sowie eine neue Ausrichtung auf Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. 

Im Plenum meldeten sich Vertreter folgender Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region zu Wort: Belgien, Dänemark, Island, Italien, Lettland, Litauen, Monaco, Norwegen, Polen, Schweden, Slowenien, Türkei, Ungarn und Zypern. 

Umsetzung der Globalen Strategie für die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen

Auch während der Diskussionen über die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen ergriffen die Delegierten mehrerer Länder der Europäischen Region das Wort. Sie wiesen auf die Bedeutung des Zugangs zu Angeboten im Bereich der Sexual- und Reproduktionsgesundheit hin, durch den Frauen zu selbstbestimmtem Handeln befähigt würden und in Mädchen und Frauen als Katalysatoren für die Entwicklung investiert werde. Der operative Plan zur Umsetzung der Strategie fand breite Unterstützung.

Forcierung der Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten

Zusammen mit der Delegation der Russischen Föderation wurde eine Abendveranstaltung organisiert, deren Thema die Unterstützung der Länder bei der Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten durch die Interinstitutionelle Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen war. Dabei wurden die Fortschritte bei der Koordinierung der globalen Zielvorgaben, eines Beobachtungssystems und eines Aktionsplans gegen nichtübertragbare Krankheiten anerkannt und die Führungsrolle der Arbeitsgruppe bei der Überwachung der nichtübertragbaren Krankheiten sowie ihre Bereitschaft zur Unterstützung der anderen Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung der globalen Epidemie nichtübertragbarer Krankheiten unterstrichen. 

Informations- und Kommunikationstechnologien für eine allgemeine Gesundheitsversorgung

Auf einer abendlichen Nebenveranstaltung, die der Erörterung der strategischen Möglichkeiten der IKT für das Gesundheitswesen sowie der Ermittlung von Chancen für eine Verbesserung der Abstimmung zwischen den Ländern diente, stellte das WHO-Regionalbüro für Europa den Europäischen Bericht über e-Gesundheit vor. Zu den Ergebnissen des Berichts gehört auch die Tatsache, dass der Erfolg der Arbeit im Bereich e-Gesundheit mehr als nur Technologien erfordert, sondern auch vom Vorhandensein geeigneter Strukturen, Prozesse und Gesetze abhängig ist. Nationale Strategien im Bereich e-Gesundheit und ausreichende Finanzmittel sind von entscheidender Bedeutung, und e-Lernen sollte institutionalisiert werden.

Bilaterale Gespräche mit der Republik Moldau

In einem Gespräch mit Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, berichtete die Gesundheitsministerin der Republik Moldau, Dr. Ruxanda Glavan, sie werde in Kürze je einen neuen nationalen Aktionsplan gegen Tuberkulose und Diabetes vorlegen. Sie fügte hinzu, dass in ihre Ausarbeitung die Inhalte des Flaggschiffkurses der WHO zur Stärkung von Gesundheitssystemen eingeflossen seien.