Eröffnungstag der Weltgesundheitsversammlung: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt

WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan eröffnete die 69. Weltgesundheitsversammlung mit Worten der Freude, der Warnung und der Hoffnung.

Sie zeigte sich erfreut über die jüngsten Fortschritte in der globalen Gesundheitspolitik, insbesondere bei der Bekämpfung von HIV, Tuberkulose, Malaria und Polio sowie bei der Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern. Andererseits wies sie warnend darauf hin, dass die in jüngster Zeit aufgetretenen Ausbrüche des Ebola-Fiebers, des MERS-Coronavirus, der Zika-Viruskrankheit und des städtischen Gelbfiebers von einem „dramatischen Wiederaufleben der Bedrohung durch neu auftretende und wiederkehrende Infektionskrankheiten" zeugten. 

Dr. Chan hob auch die Bedeutung des Klimawandels, der antimikrobiellen Resistenz und der Ausbreitung chronischer nichtübertragbarer Krankheiten (Krebs, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes) hervor, die sie als „Zeitlupen-Katastrophen" bezeichnete. „Wenn diese Zeitlupen-Katastrophen nicht bekämpft werden, erreichen sie irgendwann einen Kipppunkt, ab dem die verursachten Schäden irreversibel sind." Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ziele darauf ab, eben solche Katastrophen zu vermeiden, und gebe Anlass zu Optimismus und Hoffnung. Dr. Chan unterstrich die zentrale Rolle der Gesundheit in der neuen Agenda und erklärte, eine allgemeine Gesundheitsversorgung sei eine Voraussetzung für die Erfüllung der gesundheitsbezogenen Zielvorgaben.

Themen von besonderem Interesse für die Europäische Region

  • Der Dreiundzwanzigste Ständige Ausschuss des Regionalkomitees (SCRC) erörterte auf seiner Tagung am 21. und 22. Mai Tagesordnung und Programm für die im September stattfindende 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa. Der SCRC begrüßte die Arbeit des Sekretariats der WHO zur Erstellung der dem Regionalkomitee vorzulegenden Halbzeitberichte, Aktionspläne und Strategien und präsentierte Vorschläge für die weitere Ausgestaltung dieser Dokumente.
  • In einem bilateralen Gespräch am 21. Mai gratulierte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, dem Stellvertretenden Minister für Gesundheit und pharmazeutische Industrie Turkmenistans, Dr. Nurmuhammet Amannepesov, zu den Fortschritten seines Landes bei der Eliminierung der Masern und Röteln. Die Regionaldirektorin hob auch die Unterstützung des Regionalbüros bei den Vorbereitungen auf die Fünften Asiatischen Hallen- und Kampfsportspiele hervor, die 2017 in Turkmenistan stattfinden werden. Gegenstand der Gespräche waren ferner die Internationalen Gesundheitsvorschriften und die führende Rolle Turkmenistans bei der Eliminierung der Malaria in der Europäischen Region der WHO.
  • Zentrales Thema bei dem Zusammentreffen der Regionaldirektorin mit Dr. Alexy Tsoy, dem Stellvertretenden Minister für Gesundheit und Soziales der Republik Kasachstan, war der Stand der Dinge hinsichtlich der Einrichtung des Kompetenzzentrums der WHO für primäre Gesundheitsversorgung, das in naher Zukunft in Almaty eröffnet werden soll. 
  • Am Montagmorgen traf die Regionaldirektorin mit dem litauischen Gesundheitsminister Juras Pozela zusammen. Dr. Jakab gratulierte dem Minister zu dem Erfolg des Regionalkomitees in Vilnius im vergangenen Jahr und lobte die Delegation für ihren ressortübergreifenden Ansatz in Gesundheitsfragen. Dieser werde entscheidend zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beitragen. Der Minister bat die WHO um Hilfe auf der politischen Ebene bei einer Bestandsaufnahme der Maßnahmen im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung, namentlich in Bezug auf Depressionen und Suizid. 
  • Zu den zentralen Themen in einem bilateralen Zusammentreffen mit der österreichischen Gesundheitsministerin, Dr. Sabine Oberhauser, gehörte die Ausarbeitung einer Europäischen Strategie zur Förderung der Gesundheit von Frauen. Die Ministerin erklärte, viele der Zielvorgaben aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) seien in ihrem Land bereits erfüllt. Zu den Schwerpunkten der Arbeit des Ministeriums gehöre derzeit die psychosoziale Unterstützung von Flüchtlingskindern. Die Ministerin wies darauf hin, dass Österreich den Flüchtlingen einen uneingeschränkten Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen gewähre und dass die Durchimpfung der Flüchtlinge bei 95% liege. 
  • In einem Zusammentreffen mit der Delegation Israels erkannte Dr. Jakab die Arbeit zum Ausbau der Gesundheitsinformationssysteme an. Der israelische Gesundheitsminister Yaakov Litzman erläuterte das Ziel, alle Bürger mit einer Gesundheitskarte auszustatten, die ihnen einen uneingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung verschafft, und nannte als eine weitere Priorität gesundes Altern.
  • Am Montagnachmittag traf die Regionaldirektorin mit dem albanischen Gesundheitsminister Ilir Beqaj zusammen. In dem Gespräch nannte der Minister als vorrangige Aufgaben die Bekämpfung ruinöser Gesundheitsausgaben, gesundes Altern und den Themenkomplex Gesundheitspersonal. Ferner wurde auch die Einrichtung einer Informationsplattform für das Südosteuropäische Gesundheitsnetzwerk erörtert.
  • Im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen der Regionaldirektorin und dem maltesischen Gesundheitsminister Christopher Fearne standen die Vorbereitungen Maltas auf seine Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union im Jahr 2017. Als Prioritäten für die Präsidentschaft nannte Herr Fearne die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Bekämpfung der Adipositas und den Zugang zu Medikamenten. Gegen Ende der Zusammenkunft unterzeichnete die Delegation eine Länder-Kooperationsstrategie und eine zweijährige Kooperationsvereinbarung, in denen die Prioritäten für die Zusammenarbeit zwischen der WHO und der Regierung Maltas festgelegt werden.
  • Dr. Jakab traf auch mit Dr. Saida Umarzod, der Ersten Stellvertretenden Ministerin für Gesundheit und Soziales Tadschikistans, zusammen, die erklärte, dass die Gesundheit von Müttern und Kindern sowie Tuberkulose die derzeitigen gesundheitspolitischen Prioritäten des Ministeriums seien. Die Regionaldirektorin erläuterte auch die Schwerpunktlegung auf die Reform der Notfallhilfe und die Umstellung auf eine externe Evaluation der IGV-Kapazitäten der Länder auf der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung.
  • Die Schweiz führte den Vorsitz in einem Ministerpodium zum Thema Demenzerkrankungen, das zur Mittagszeit stattfand. Die Delegierten erkannten die Notwendigkeit an, nationale Aktionspläne auszuarbeiten und das mit der Krankheit verbundene Stigma zu überwinden, da diese „stille nichtübertragbare Krankheit" auf dem Vormarsch sei.
  • Mehrere Delegationen aus der Europäischen Region ergriffen im Plenum das Wort, darunter die Delegationen aus Belarus, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Israel, Kasachstan, Malta, Monaco, Montenegro, Portugal, der Russischen Föderation, der Türkei und dem Vereinigten Königreich. Zahlreiche Länder nahmen auf die SDG Bezug, hoben Gesundheit als ein Menschenrecht hervor und bekannten sich zu der Maxime, niemanden zurückzulassen. Sie unterstrichen auch die Bedeutung des WHO-Reformprozesses, durch den die Organisation in die Lage versetzt werde, bei der Umsetzung der SDG ihre globale gesundheitspolitische Führungsrolle wirksam wahrzunehmen. Mehrere Mitgliedstaaten sprachen von der Stärkung der Gesundheitssysteme und der Reform der Notfallhilfe in der WHO, die nun angesichts der globalen Gesundheitsgefahren mehr denn je erforderlich seien.