Abschluss der Weltgesundheitsversammlung: Rahmen für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren angenommen

Die Weltgesundheitsversammlung nahm gestern den in mehr als zwei Jahren ausgehandelten Rahmen für die Zusammenarbeit der WHO mit nichtstaatlichen Akteuren an.

Dieser Rahmen bedeutet einen wichtigen Schritt vorwärts in der Reform der Führungsstrukturen der WHO. Er gibt der Organisation umfassende Konzepte und Verfahren für die Zusammenarbeit mit Organisationen an die Hand, gleich ob sie nichtstaatlich, privatwirtschaftlich, philantropisch oder akademisch sind.

Der Rahmen soll einerseits die Zusammenarbeit fördern, doch andererseits die WHO vor Interessenkonflikten und unangemessener Einflussnahme externer Akteure schützen, indem er standardisierte Verfahren in Bezug auf angemessene Sorgfalt und Risikobewertung schafft. Er fördert auch Transparenz und Rechenschaft in der Zusammenarbeit der WHO mit nichtstaatlichen Akteuren und macht Einzelheiten zu dieser Zusammenarbeit in einer Liste der mit der WHO kooperierenden nichtstaatlichen Akteure für die Öffentlichkeit online zugänglich.

Viele Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region ergriffen zu diesem Thema das Wort, würdigten die Bedeutung des Rahmens und bekannten sich zu dessen Umsetzung. Die Länder zeigten sich zuversichtlich, dass er die Zusammenarbeit mit allen Akteuren im Gesundheitsbereich erleichtern und verbessern und somit eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung der Agenda für nachhaltige Entwicklung schaffen werde. 

Weitere Resolutionen und Beschlüsse

Die Weltgesundheitsversammlung verabschiedete ferner Resolutionen und Beschlüsse zu den Themen Luftverschmutzung, Chemikalien, Gesundheitspersonal, Adipositas im Kindesalter, Gewalt, nichtübertragbare Krankheiten, Wahl des Generaldirektors, Ziele für nachhaltige Entwicklung, Internationale Gesundheitsvorschriften, Eindämmung des Tabakgebrauchs, tödliche Verkehrsunfälle und Verletzungen, Ernährung, HIV, Hepatitis und sexuell übertragene Infektionen, Myzetome, Forschung und Entwicklung, Zugang zu Arzneimitteln und integrierten Gesundheitsangeboten.

Luftverschmutzung

Die Delegierten begrüßten den neuen Fahrplan für Maßnahmen gegen gesundheitsschädliche Auswirkung der Luftverschmutzung. Neun Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region gaben Erklärungen ab und drückten deutlich ihre Unterstützung für den Fahrplan aus. Viele dankten außerdem Norwegen für seine Führungsrolle in diesem Bereich. Norwegen selbst forderte eine Ausweitung der Kapazitäten der WHO auf allen Ebenen, damit die Einhaltung der Zusagen aus dem Fahrplan beobachtet werden könne.

Gesundheitspersonal

Die globale Strategie Gesundheitspersonal 2030 wurde angenommen. Viele Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region äußerten sich zu diesem Thema und führten aus, dass Bedarf und Angebot an Gesundheitspersonal in Einklang gebracht werden müssten. Sie betonten auch ganz im Sinne der Agenda für nachhaltige Entwicklung, dass hinreichend viele und angemessen verteilte personelle Ressourcen die wirtschaftliche Entwicklung befördern würden.

Adipositas im Kindesalter beenden

Die Mitgliedstaaten billigten sechs Empfehlungen aus dem Bericht des Ausschusses für die Beendigung von Adipositas im Kindesalter, der Herangehensweisen und kombinierte Interventionen darlegt, mit denen unter den unterschiedlichen Bedingungen in der Welt am wirksamsten gegen Adipositas in Kindheit und Jugend vorgegangen werden kann. Aus der Russischen Föderation erfolgte eine Wortmeldung, in der die Bedeutung des Berichts sowie die Notwendigkeit multidisziplinärer Ansätze unterstrichen und darauf hingewiesen wurde, dass ohne Bewältigung der Adipositas im Kindesalter nichtübertragbare Krankheiten ebenfalls nicht erfolgreich bekämpft werden könnten. 

Globaler Aktionsplan gegen Gewalt

Die Delegierten nahmen den globalen Aktionsplan der WHO gegen Gewalt per Resolution an. Dieser Plan ist darauf angelegt, die Länder in ihren Maßnahmen gegen zwischenmenschliche Gewalt zu unterstützen, insbesondere gilt dies für Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Kinder. Mehrere Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region, hierunter Deutschland, Island, Monaco, die Russische Föderation, Schweden, die Schweiz, die Türkei und das Vereinigte Königreich, ergriffen das Wort und begrüßten den Plan. In einer Wortmeldung für Deutschland wurden die Leitlinien gelobt, weil sie auch Gewalt unter Partnern thematisieren und ein entscheidender Beitrag zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung seien.

Bekämpfung des Tabakkonsums

Zur weiteren Stärkung der Maßnahmen gegen Tabak beschlossen die Delegierten die Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens einzuladen, um während einer künftigen Weltgesundheitsversammlung weitere Informationen über die Ergebnisse ihrer zweijährlichen Zusammenkunft erhalten zu können. Mit dieser Einladung wurde einer Anregung Norwegens Folge geleistet. Frankreich, die Niederlande, die Russische Föderation, die Türkei und das Vereinigte Königreich beteiligten sich mit Wortmeldungen an der Diskussion.

Gesundheitspolitische Dimension des globalen Drogenproblems

Die Delegationen waren sich darin einig, dass die Drogenproblematik dringend gelöst werden müsse, weil öffentliche Gesundheit und Menschenrechte in Gefahr seien, und dass die WHO hier weiter arbeiten solle. Viele Delegationen aus der Europäischen Region unterstützten eine von den Niederlanden abgegebene Erklärung, dass Enttäuschung über das Fehlen eines entsprechenden Beschlusses der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung zum Ausdruck brachte. Das Thema wird auf der 140. Tagung des Exekutivrats im Januar 2017 weiter behandelt werden. 

Zugang zu Arzneimitteln und Impfstoffen

Die Delegationen einigten sich auf eine Reihe von Maßnahmen gegen Engpässe in Bezug auf Arzneimittel und Impfstoffe, insbesondere für Kinder. Aus der Europäischen Region meldeten sich Finnland, Italien, Norwegen und das Vereinigte Königreich zu Wort und erkannten, dass dieses Problem Länder mit niedrigem wie hohem Volkseinkommen gleichermaßen betreffe. Sie forderten, dass auf die Liste unentbehrlicher Arzneimittel auch solche gesetzt werden sollten, die für Kinder verwendet würden, und betonten, dass ein globales System zur Früherkennung von Engpässen erforderlich sei. 

Ernährung von Müttern, Säuglingen und Kleinkindern

Die Delegierten nahmen zwei Resolutionen zum Thema Ernährung an. Die erste bezog sich auf die neulich begonnene Aktionsdekade der Vereinten Nationen für Ernährung (2016–2025) und forderte die Länder eindringlich dazu auf, konkrete konzeptionelle und finanzielle Zusagen zu machen, um die Ernährung der Bevölkerung zu verbessern, und regelmäßig hierüber Bericht zu erstatten. Die zweite unterstützte die Empfehlung der WHO zur Beendigung der unangemessenen Vermarktung von Lebensmitteln für Neugeborene und Kleinkinder. Frankreich, Norwegen, die Russische Föderation und die Schweiz meldeten sich zu Wort und die Schweiz verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass hiermit die Vermarktung von Zusatznahrung beendet und eine gesundheitsförderliche Umwelt für Kinder geschaffen wird.

Fachinformationssitzung zum Thema Migration und Gesundheit

Die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab gab einen Überblick zum Thema Migration und Gesundheit in der Europäischen Region und anderen Regionen, wobei sie betonte, dass die WHO und ihre Partner mit den Mitgliedstaaten gemeinsam dafür arbeiten müssten, die Gesundheitsrechte von Flüchtlingen und Migranten zu wahren. Sie erläuterte, dass es Ziel des PHAME-Projekts zu den gesundheitsschutzbezogenen Aspekten der Migration sei, die Länder fachlich zu unterstützen, Gesundheitsdaten zu erheben, die konzeptionelle Entwicklung zu fördern und Überzeugungs- und Öffntlichkeitsarbeit zu leisten. Die Regionaldirektorin skizzierte ferner Fortschritte in Richtung einer Strategie und eines Aktionsplans der Europäischen Region für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten.