Tag 4 der Weltgesundheitsversammlung: Zwei neue Strategien für die Gesundheit von Frauen und Kindern sowie gesundes Altern

Am 26. Mai vereinbarte die Weltgesundheitsversammlung die Umsetzung zweier neuer Gesundheitsstrategien, die eng mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) verknüpft sind.

Die Globale Strategie für die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen (2016–2030) und ihr operativer Umsetzungsrahmen sollen bis 2030 sichern helfen, dass jede Frau, jedes Kind und jeder Jugendliche überall auf der Welt in allen Umfeldern überleben und gedeihen kann. Strategie und operativer Umsetzungsrahmen betonen beide stark die Führungsrolle der Länder.

Die Delegierten verabschiedeten auch eine Resolution zu Strategie und Aktionsplan für Altern und Gesundheit (2016–2020). Der Anteil der Menschen im Alter von 60 Jahren und darüber an der Weltbevölkerung wird sich nach Prognosen im Jahr 2050 gegenüber dem Jahr 2000 verdoppelt haben und 22% betragen. Durch die Strategie soll jedes Land zu Maßnahmen für Altern in Gesundheit verpflichtet werden. Sie ruft zum Aufbau altersgerechter Umfelder und zur Anpassung der Gesundheitssysteme an die Bedürfnisse älterer Mitbürger auf.

Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005)

Aus der Europäischen Region beteiligten sich neben anderen Ländern die Russische Föderation, die Türkei und das Vereinigte Königreich aktiv an den Erörterungen eines Ausschusses zur Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) (IGV). Viele Länder riefen die WHO dazu auf, in der Umsetzung der IGV und bei Notfallmaßnahmen Führungsstärke zu zeigen, und die Russische Föderation unterstrich die Notwendigkeit, nationale Kapazitäten und Ressourcen weise einzusetzen.

Thematisierung zentraler Fragen aus Verwaltung und Personalabteilung

Am 4. Tag der Weltgesundheitsversammlung wurden Fragen zu Personalpolitik und Verwaltung gestellt, hierunter die Finanzierung der WHO und die Berichterstattung hierüber, unausgewogene Berücksichtigung der Geschlechter in der Besetzung von Stellen, Mobilität der Mitarbeiter, verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Vereinten Nationen und insbesondere in den Länderteams sowie mehr Transparenz auch im Hinblick auf die bevorstehende Wahl zum Amt des Generaldirektors.

Zur Erhöhung der Transparenz schlug die Generaldirektorin vor, alle Kandidaturen gleich nach Erhalt zu veröffentlichen und nicht erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist, wie es derzeit Praxis ist. Als weiteres Mittel zur Erhöhung der Transparenz regte sie an, das Forum der Kandidaten im November und die abschließenden Stellungnahmen der Kandidaten auf der kommenden Weltgesundheitsversammlung live im Internet zu übertragen. Diese Vorschläge fanden die Zustimmung der Delegierten. Aus der Europäischen Region meldeten sich Delegierte aus Deutschland, Frankreich, Schweden und dem Vereinigten Königreich in der Diskussion zu Wort.

Fortschritte mit einer Resolution zur Beratenden Expertengruppe Forschung und Entwicklung: Finanzierung und Koordination

Am vierten Tag kam eine Redaktionsgruppe für den Entwurf einer Resolution der Weltgesundheitsversammlung zusammen, die sich mit der Beratenden Expertengruppe Forschung und Entwicklung: Finanzierung und Koordination befassen sollte. Die Europäische Union, die Russische Föderation und die Schweiz beteiligten sich aktiv an dieser Gruppe und trugen zur Einigung auf folgende Punkte bei:

  • konzertierte, solide finanzierte Anstrengungen zur vollständigen Umsetzung des von der 66. Weltgesundheitsversammlung beschlossenen strategischen Arbeitsplans,
  • Schaffung, Unterhaltung und Förderung nationaler Observatorien und Institute zur Erforschung von Gesundheit und Entwicklung, die das Geschehen vor Ort verfolgen und beobachten und das Globale Observatorium mit relevanten Daten füttern und so den Mitgliedstaaten den Zugang zu gesundheitsbezogenen Statistiken ermöglichen,
  • Einsatz für volle Umsetzung des strategischen Arbeitsplans CEWG,
  • Einsatz für den Ausbau zu einem voll funktionsfähigem Globalen Observatorium.

Nebenveranstaltungen zur Gesundheit von Jugendlichen und Zusammenarbeit der WHO mit Parlamenten

Die Interparlamentarische Union (IPU) begrüßte 40 Parlamentarier und weitere Teilnehmer zu einer Nebenveranstaltung mit dem Thema: Parlamente als Schlüssel für einen Zugang zu Gesundheit für alle. Dies war die erste Zusammenkunft dieser Art während einer Weltgesundheitsversammlung. Der Ausbau der Partnerschaft zwischen WHO und IPU ist auch deswegen wichtig, weil die IPU stark an der Ausarbeitung der Agenda 2030 und auch der Globalen Strategie beteiligt war. Der Arbeitsplan der IPU für die kommenden fünf Jahre wird im Kontext der SDG und einer allgemeinen Gesundheitsversorgung stehen.

Parlamentarier aus mehreren Ländern, hierunter Italien, erwähnten, wie die Parlamente ihre Regierungen darin unterstützt hätten, die Gesundheit von Müttern, Kindern und Jugendlichen zu fördern. Eine italienische Podiumsteilnehmerin erklärte, das Recht auf Gesundheit sei in der italienischen Verfassung verankert. Sie sei stolz darauf, dass Italien nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern auch Ausländern mit Wohnsitz in Italien sowie auch irregulären Migranten Zugang zur Gesundheitsversorgung gewähre. In Italien ist nach ihren Worten die allgemeine Gesundheitsversorgung eine Realität.

Eine weitere Nebenveranstaltung über die Zusammenarbeit in der weltweiten Förderung der Gesundheit von Jugendlichen im Kontext der SDG fand am 25. Mai unter Leitung der Länder Kanada, Mozambique, Niederlande, Norwegen, Schweden und Vereinigtes Königreich sowie des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) statt. Die Zusammenkunft wurde von Generaldirektorin Margaret Chan mit einem Hinweis auf die Bedeutung der Gesundheit von Jugendlichen und insbesondere Mädchen eröffnet. Flavia Bustreo, Beigeordnete Generaldirektorin für die Gesundheit von Familie, Frauen und Kindern, hob in ihrem Beitrag auf die Umsetzung der Globalen Strategie für die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen ab. Sie kündigten für die kommende Weltgesundheitsversammlung einen Vortrag zum Thema beschleunigte Gesundheitsfürsorge für Jugendliche an, was Gegenstand einer neuen Initiative der WHO sei.

Norwegen betonte die Bedeutung besserer Angebote für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Aufklärung. Die Ausbildung und umfassende Sexualerziehung von Mädchen seien hervorragende Investitionen. Jugendvertreter, die an der Veranstaltung beteiligt waren, erklärten ihre Bereitschaft zum Handeln.

Gespräche mit Vertretern Dänemarks und des Vereinigten Königreichs

Am 25. Mai kam die Regionaldirektorin mit der Leitenden Medizinalbeamtin des Vereinigten Königreichs, Dame Sally Svies, zusammen. Die Regionaldirektorin gratulierte dem Vereinigten Königreich zu jüngsten Erfolgen in der Einführung neutraler Tabakverpackungen und für die Auszeichnung der Generaldirektorin aus Anlass des Weltnichtrauchertags. Zu den Gesprächsthemen zählten auch das starke Engagement des Vereinigten Königreichs für die SDG und Bereiche der künftigen Zusammenarbeit wie die Stärkung der Gesundheitssysteme und der allgemeinen Gesundheitsversorgung.

In einer Zusammenkunft mit dem Leitenden Medizinalbeamten Dänemarks, Søren Brostrøm, erörterte die Regionaldirektorin die Umsetzung der IGV. Herr Brostrøm verwies auf die guten Fortschritte Dänemarks in diesem Bereich und die Regionaldirektorin schlug vor, dass Dänemark der Region als Modell für die Umsetzung der IGV dienen könne. Ferner wurde die bevorstehende Tagung des Regionalkomitees in Dänemark erörtert und weitere Gespräche zu den SDG sowie eine mögliche Länder-Kooperationsstrategie wurden besprochen.