Höhepunkte von Tag 3: Annahme der Strategie zur Bewegungsförderung und des Fahrplans zur Eindämmung des Tabakgebrauchs

Die Strategie und der Fahrplan für die Europäische Region, deren Annahme auf der 65. Tagung des Regionalkomitees (RC65) erfolgte, werden zur Verwirklichung des globalen Ziels einer Reduzierung der vorzeitigen Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um 25% bis zum Jahr 2025 beitragen.

Strategie der Europäischen Region der WHO zur Bewegungsförderung (2016–2025) 

Nach Schätzungen der WHO betätigen sich über ein Drittel der Erwachsenen und über zwei Drittel der Jugendlichen in der Europäischen Region zu wenig körperlich. Dr. João Breda, Leiter des Programms für Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro für Europa, stellte die Strategie vor. Sie solle die Regierungen und maßgeblichen Akteure dazu anregen, auf ein höheres Maß an körperlicher Betätigung hinzuwirken, und enthalte zahlreiche praxiserprobte Beispiele aus den Ländern. Sie befasse sich ausschließlich mit Politikkonzepten und Maßnahmen für eine gesundheitszuträgliche Bewegungsförderung. 

Das RC65 billigte die Strategie zur Bewegungsförderung einstimmig. Die Mitgliedstaaten bezeichneten die Strategie als hervorragenden Rahmen für die Weiterentwicklung der nationalen Politik und schilderten die von ihnen eingeleiteten Initiativen. Sie betonten, dass entsprechende Maßnahmen bereits in jungen Jahren einsetzen müssten, um allen optimale Startbedingungen zu bieten und ein gesundes Altern zu fördern, und riefen zu einem ressortübergreifenden Ansatz auf, der die Schule, die Bereiche Bildung, Stadtplanung und Verkehr sowie Gesundheitsfachkräfte einbinde.
Fahrplan zur Beendigung des Tabakkonsums

50 Länder in der Europäischen Region sind Vertragsparteien des Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC), eines vor zehn Jahren in Kraft getretenen internationalen Vertragswerks im Bereich der öffentlichen Gesundheit, das dazu dient, der weltweiten Ausbreitung der Tabakepidemie Einhalt zu gebieten. Trotz der führenden Rolle einiger Länder der Europäischen Region bei der Eindämmung des Tabakgebrauchs sei insgesamt der Grad der Umsetzung des Rahmenübereinkommens bisher noch relativ gering. Auch wenn die Prävalenz des Rauchens bei Männern und Frauen in der Europäischen Region seit 2000 zurückgehe, sei der Tabakkonsum bei Frauen hier höher als in allen anderen WHO-Regionen.

Kristina Mauer-Stender, Leiterin des Programms Tabakbekämpfung beim WHO-Regionalbüro für Europa, legte die Grundzüge eines neuen Fahrplans für eine wirksamere Umsetzung des FCTC in der Region dar, der durch Fach- und Expertenkonsultationen mit den Mitgliedstaaten entwickelt worden sei. Ziel des Fahrplans sei eine relative Reduzierung der heutigen Prävalenz des Tabakkonsums in der Altersgruppe der über 15-Jährigen um mindestens 30% bis zum Jahr 2025. Mit Maßnahmen zur „Entnormalisierung" des Rauchens – wie der Durchsetzung von gesetzlichen Rauchverboten, insbesondere in der Umgebung von Kindern, der Durchsetzung eines umfassenden Verbots der Werbung, der Verkaufsförderung und des Sponsorings und einer verstärkten Sensibilisierung der Öffentlichkeit zur Verhinderung des Einstiegs ins Rauchen bei Jugendlichen – könne dieses Ziel erreicht werden. 

Dr. Vera Luiza da Costa e Silva, Leiterin des FCTC-Sekretariats, beschrieb die Bemühungen um die Beendigung des Rauchens als Kampf gegen einen „mächtigen und gefährlichen Feind" und warnte vor Selbstzufriedenheit und Untätigkeit: „Wir gewinnen die Debatte, verlieren jedoch den Kampf". Sie forderte alle Akteure – Parlamentarier, Minister, die Zivilgesellschaft, Journalisten – auf, ihrer Pflicht gegenüber der Öffentlichkeit nachzukommen und die im Fahrplan dargelegten wirksamen Maßnahmen durchzuführen.

Das RC65 nahm den Fahrplan an. Ein Delegierter Frankreichs bekundete die Verpflichtung mehrerer Länder, eine Standardverpackung für Tabakerzeugnisse einzuführen und beim Schutz der Gesetze vor gerichtlichen Klagen der Tabakindustrie zusammenzuarbeiten. Andere Redner

  • stellten fest, dass der Fahrplan zur Verwirklichung des globalen Ziels einer Reduzierung der vorzeitigen Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um 25% bis zum Jahr 2025 beitragen werde, 
  • forderten die verbleibenden drei Mitgliedstaaten in der Region zur Billigung des FCTC und weitere Länder zur Ratifizierung des Protokolls zur Unterbindung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnisse auf, 
  • wiesen darauf hin, wie wichtig es sei, Kinder vom Einstieg in das Rauchen abzuhalten, und 
  • erklärten, dass die Einbeziehung der Zivilgesellschaft in die Verhängung von Rauchverboten maßgeblich dazu beitragen könne, die öffentliche Wahrnehmung gesundheitspolitischer Maßnahmen zu verändern.

Stärkung der Gesundheitssysteme zugunsten von mehr Bürgernähe 

Dr. Hans Kluge, der Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit am WHO-Regionalbüro für Europa, legte eine Vision dar, mit der sichergestellt werden solle, dass die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region den Anforderungen der Bürger gerecht werden und ihren Werten entsprechen. Vorrangige Aufgaben bei der Stärkung der Gesundheitssysteme bestünden unter anderem im Übergang von einer fragmentierten Krankheitsbekämpfung zu einer leistungsfähigen primären Gesundheitsversorgung, die auch grundlegende gesundheitspolitische Maßnahmen umfasst, und in der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in der gesamten Region. Zu den Möglichkeiten für die Schaffung eines europäischen Gesundheitssystems, das sich durch mehr Bürgernähe auszeichnet, zählten die Einleitung von Transformationsprozessen, technologische Innovationen im Bereich nichtübertragbare Krankheiten, die Erörterung und Analyse des Personalangebots im Gesundheitswesen, der Aufbau von Kapazitäten und die Arbeit über eine internationale Plattform und Partnerschaften. Ein Mitglied des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (SCRC) aus Estland erklärte, dass der SCRC die von Dr. Kluge angesprochenen Werte Solidarität, Chancengleichheit und Teilhabe mittrage.

Das RC65 schloss sich der Vision einstimmig an und nannte mehrere Bereiche, die eine Schwerpunktvertiefung erforderten, etwa die Außen- wie Binnenmigration – wo in einigen Ländern die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und in anderen der Ressourcenabbau verhindert werden solle; die Alterung der Bevölkerung und die damit verbundenen Herausforderungen; nichtübertragbare Krankheiten; die Verfügbarkeit von Arzneimitteln; der Transparenzbedarf; die effiziente Nutzung von Ressourcen; Gesundheitserziehung und -kompetenz; und das Thema des RC65, nämlich die Notwendigkeit einer ressortübergreifenden und zwischenstaatlichen Zusammenarbeit. 

Mehrere nichtstaatliche Organisationen schilderten ihre Prioritäten und ihre Bereitschaft, die WHO und die Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung einer bürgernahen Versorgung zu unterstützen und mit ihnen in dieser Hinsicht zusammenzuarbeiten.

Fachinformationssitzung zur evidenzgeleiteten Politikgestaltung in der Europäischen Region der WHO 

Auf der Informationssitzung, die unter dem Vorsitz von Dr. Vesna Kerstin Petric vom Gesundheitsministerium Sloweniens stand, wurde über die Fortschritte im Bereich der evidenzgeleiteten Politikgestaltung (EIP) Bericht erstattet und auf die Erwartungen hinsichtlich der künftigen Unterstützung sowie auf Vorschläge zum weiteren Vorgehen bei der Stärkung dieses Konzepts in der Europäischen Region eingegangen. Als Fortschritte seien unter anderem die Ausarbeitung eines Fahrplans für ein beschleunigtes Vorgehen zur Ausweitung der evidenzgeleiteten Politikgestaltung und die Unterstützung von drei Ländern bei der Einführung dieses Konzepts über das Evidence Informed Policy Network (EVIPNet) zu nennen. 

Zweijährige Kooperationsvereinbarung zwischen Kroatien und dem WHO-Regionalbüro für Europa

Das Gesundheitsministerium Kroatiens und das Regionalbüro unterzeichneten eine zweijährige Kooperationsvereinbarung, in der die Prioritäten für ihre gemeinsame Arbeit im Zeitraum 2016–2017 festgelegt sind.

Höhepunkte für Donnerstag

  • Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts 2016–2017 in der Europäischen Region
  • Ansprache von Dr. Vytenis Andriukaitis, Europäischer Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • Fortschrittsberichte zu den Themen:
    • multiresistente und extensiv resistente Tuberkulose in der Europäischen Region der WHO
    • die Millenniums-Entwicklungsziele in der Europäischen Region
    • die Zukunft des Prozesses Umwelt und Gesundheit in Europa
    • Verhaltensänderungsstrategien und Gesundheit: die Rolle der Gesundheitssysteme
    • Steuerung und Führung von Gesundheitssystemen 
    • Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) in der Europäischen Region der WHO