Höhepunkte von Tag 2: RC66 nimmt Strategie und Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region an

WHO

Am zweiten Tag der 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa (RC66) nahmen die Mitgliedstaaten und ihre Partner die Entwicklung eines regionalen Fahrplans als Orientierungshilfe bei der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie einer Strategie und eines Aktionsplans für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region der WHO positiv auf.

Die Rolle von Gesundheit in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und deren Bezug zu Gesundheit 2020

Als Einführung in die Thematik des zweiten Tags des RC66 schilderte Dr. Zsuzsanna Jakab, die WHO-Regionaldirektorin für Europa, inwieweit „Gesundheit 2020“ einen „Ansatzpunkt“ für die Integration der Agenda für nachhaltige Entwicklung in die einzelstaatlichen Visionen, Strategien sowie Rahmen- und Fahrpläne biete. Zur Bedeutung von Gesundheit in der neuen Agenda äußerte sich Dr. Jakab wie folgt „Gesundheit und Wohlbefinden für alle Bürger und Altersgruppen stehen im Zentrum der Entwicklung: Sie sind eine Determinante der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG), Voraussetzung für ihre Verwirklichung und zugleich ihr Ergebnis.“

Die Regionaldirektorin beschrieb die Einrichtung einer themenbezogenen Koalition für Gesundheit unter dem Dach der Vereinten Nationen, die unter der Federführung der WHO stehe und die Verwirklichung des eigentlichen Gesundheitsziels (SDG 3) sowie der gesundheitsbezogenen Zielvorgaben in der Region in Zusammenarbeit mit den Partnern erleichtern und fördern solle. Zudem bekundete sie ihre Absicht, einen regionalen Fahrplan als Richtschnur für die Umsetzung zu erarbeiten. Dieser Fahrplan, der dem WHO-Regionalkomitee für Europa 2017 vorgelegt werden solle, baue auf bestehenden Initiativen auf und werde stärker auf Bereiche wie Partnerschaften, ressortübergreifendes Handeln, Chancengleichheit und Mittel zur Umsetzung ausgerichtet sein.

Halbzeitbericht über die Umsetzung von Gesundheit 2020

Dr. Piroska Östlin, Leiterin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden, erstattete Bericht über die Umsetzung von „Gesundheit 2020“. Seit 2012 habe das Regionalbüro 25 Mitgliedstaaten bei der Weiterentwicklung ihrer nationalen Gesundheitspolitik unterstützt und umfassende Hilfe auf subnationaler Ebene geleistet.

Obwohl die Mitgliedstaaten Fortschritte meldeten und bei vielen der Zielvorgaben und Indikatoren von „Gesundheit 2020“ auf Kurs lägen, sei der Abbau gesundheitlicher Benachteiligungen nach wie vor die größte Herausforderung, gab Dr. Östlin zu bedenken.

Überblick über die Fortschritte im Rahmen des EAP-PHS

Der Europäische Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit (EAP-PHS) sieht zehn Handlungsbereiche vor, die den zehn grundlegenden gesundheitspolitischen Maßnahmen entsprechen. Dr. Hans Kluge, Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit, ging auf die bislang erzielten Fortschritte ein und stellte dabei fest, dass das Potenzial des EAP-PHS trotz der Verbesserungen und Weiterentwicklungen bisher weitgehend ungenutzt bleibe. Er hob die Diskrepanz zwischen dem bekundeten politischen Engagement für die Umsetzung und den zur Stärkung der öffentlichen Gesundheitsdienste tatsächlich zugewiesenen Ressourcen hervor und erklärte, dass die nachweislich hohe Kosteneffizienz spezifischer Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit noch immer nicht allgemein bekannt sei.

Plenardiskussion

Frau Eva Falcão (Portugal) ergriff im Namen des Ständigen Ausschusses des Regionalkomitees (SCRC) das Wort und unterstrich, dass die Fortschritte im Rahmen von „Gesundheit 2020“ eine gute Grundlage für die Umsetzung der Agenda für nachhaltige Entwicklung bildeten.

Viele Länder schilderten im Detail ihre nationalen Pläne zur Umsetzung der Agenda für nachhaltige Entwicklung und bekundeten ihre Unterstützung für die von der Regionaldirektorin dargelegte Entwicklung eines Fahrplans zur Umsetzung der SDG.

Im Namen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten brachte die Slowakei ihren Wunsch nach einer stärkeren Schwerpunktsetzung auf der Gleichstellung der Geschlechter und der Ermächtigung der Frau zum Ausdruck. Zudem begrüßte sie den Vorschlag, ein zentrales Paket von Ressourcen und Instrumenten für die Umsetzung der SDG zu entwickeln, das an dem vorhandenen Umsetzungspaket für „Gesundheit 2020“ anknüpfen werde.

Die Mitgliedstaaten nahmen die Resolution zu einem Fahrplan für die Verwirklichung der SDG in der Region einvernehmlich an.

Stärkung patientenzentrierter Gesundheitssysteme in der Europäischen Region der WHO

Die Mitgliedstaaten billigten und verabschiedeten den Europäischen Handlungsrahmen für eine integrierte Leistungserbringung im Gesundheitswesen, der das Ergebnis eines dreijährigen partizipatorischen Prozesses ist. Ziel des Rahmens ist es, Gesundheit und Wohlbefinden durch eine Ausrichtung der Erbringung von Gesundheits- und Sozialleistungen an den Bedürfnissen der Menschen zu verbessern.

In seiner Präsentation wies Dr. Hans Kluge auf die drei Kernbereiche – Menschen, Leistungen und Systeme –, die die Grundlage des Rahmens bildeten, und auf die übergreifende Rolle des Wandels hin. Zudem verwies Dr. Kluge auf das umfassende Instrumentarium, das den Mitgliedstaaten für die Umsetzung des Rahmens zur Verfügung stehe.

Mehrere Mitgliedstaaten begrüßten den Rahmen als Quelle der Inspiration und bekundeten ihre Wertschätzung für den ihm zugrunde liegenden Konsultationsprozess. Die Delegierten äußerten sich lobend über die Aktualität des Rahmens im Hinblick auf die Verwirklichung der allgemeinen Gesundheitsversorgung.

Vertreter nichtstaatlicher Organisation würdigten den Schwerpunkt, der darin auf ein kompetentes Arbeitskräfteangebot im Gesundheitswesen gelegt werde, und unterstrichen die Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens.

Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf

ВDie Minister und Delegationsleiter nahmen an einer interaktiven Mittagssitzung zur Gesundheitsförderung teil, auf der Aktivitäten im Zusammenhang mit Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährung und Bewegung beleuchtet wurden. Den Delegierten wurde das Playbook zum Thema Tabakbekämpfung vorgestellt, das sich mit den gesundheitlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und handelspolitischen Argumenten befasst, denen sich Politikgestalter bei der Bekämpfung des Tabakkonsums häufig gegenübersehen.

Zudem wurde während der Sitzung ein 360-Grad-Video gezeigt, das den Zuschauern bei einer filmischen Reise durch verschiedene Märkte vor Augen führte, dass bei einem Großteil der Nahrungsmittel die von der WHO aufgestellten Höchstwerte für Salz und Transfettsäuren überschritten werden. Darüber hinaus wurde ein neuer Bericht über alkoholbedingte Todesfälle vorgestellt, aus dem hervorging, dass Alkohol einer der wichtigsten Faktoren für Sterblichkeit in der Region ist.

Zugang zu neuen Hochpreismedikamenten: Herausforderungen und Chancen

Auf einer von Panos Kanavos von der London School of Economics (Vereinigtes Königreich) geleiteten Fachinformationssitzung wurden die Herausforderungen und Chancen bei der Bereitstellung eines Zugangs zu neuen Hochpreismedikamenten dargelegt. Als Diskussionsgrundlage diente der WHO-Bericht „Zugang zu neuen Medikamenten in der Europäischen Region“. Den Wortmeldungen zufolge fällt es den Regierungen immer schwerer, die steigenden Kosten von Pharmazeutika zu finanzieren, und die Preisgestaltung bei neuen Arzneimitteln ist für die Länder der Region eine ordnungspolitische Herausforderung.

Strategie und Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region der WHO

Nachdem Dr. Piroska Östlin eine Einführung in die Ausarbeitung der Strategie und des Aktionsplans gab, erläuterte Dr. Santino Severoni, Koordinator für Gesundheit und Migration innerhalb der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden, dass darin neun vorrangige Handlungsfelder für die Mitgliedstaaten und das Regionalbüro vorgesehen seien, und zwar: Rahmen für die Kooperation; Eintreten für das Recht von Flüchtlingen, Asylbewerbern und Migranten auf Gesundheit; soziale Determinanten von Gesundheit; Vorsorge und wirksame Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit; Stärkung der Gesundheitssysteme und ihrer Widerstandsfähigkeit; Prävention übertragbarer Krankheiten; Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und Bekämpfung der durch sie bedingten Risiken; ethisch tragbare und effektive Reihenuntersuchungen und Gesundheitsbewertungen; und Verbesserung von Gesundheitsinformationen und Kommunikation.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des SCRC-Unterausschusses für die Strategie und den Aktionsplan schilderte Dr. Raniero Guerra (Italien) eingehend den umfassenden Konsultationsprozess, der ihrer Entwicklung zugrunde lag. Die Strategie und der Aktionsplan seien weltweit die ersten ihrer Art.

Plenardiskussion

15 Länder ergriffen das Wort und bekundeten ihre nachhaltige Unterstützung für die Strategie und den Aktionsplan. Der Delegierte Griechenlands verlieh der allgemeinen Ansicht Ausdruck, dass diese Arbeiten veranschaulichten, wie eine Krise in eine Chance zur Verbesserung der Kapazitäten im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Region verwandelt werden könne.

Die Mitgliedstaaten sprachen konkrete Fragen an, darunter den Bedarf an Angeboten im Bereich der psychischen Gesundheit, die Bedeutung des Aufbaus von Kompetenz bei Gesundheitsfachkräften zur Deckung der gesundheitlichen Bedürfnisse von Migranten, die kulturellen und sprachlichen Hürden beim Zugang von Migranten zu Gesundheitsangeboten und die besondere Gefährdung von unbegleiteten Kindern.

Unter Verweis auf das Gipfeltreffen zum Thema Flüchtlinge und Migranten, das von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 19. September 2016 abgehalten werde, machten die Delegierten auf die Möglichkeit aufmerksam, den Geltungsbereich der Strategie und des Aktionsplans für die Region auszuweiten.

Vertreter der Internationalen Organisation für Migration und der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen bekundeten ebenso wie zahlreiche nichtstaatliche Organisationen ihren Rückhalt für die Strategie und den Aktionsplan.

Die Mitgliedstaaten nahmen die Strategie und den Aktionsplan einvernehmlich an.

Aktionsplan zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit

Dr. Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf, und Dr. Gunta Lazdane, Leiterin des Programms für sexuelle und reproduktive Gesundheit, stellten den Aktionsplan vor. Sie erklärten, bei keinem anderen zur Vorlage an das WHO-Regionalkomitee für Europa bestimmten Dokument seien im Vorfeld derart umfangreiche Konsultationen durchgeführt worden; allerdings würden einige Aspekte nach wie vor kontrovers diskutiert. Sexuelle Gesundheit sei vor mehr als 20 Jahren definiert worden, und seitdem habe die Region wichtige Erfolge bei der Senkung der perinatalen Mortalitätsrate und der Ausweitung des Zugangs zu sichereren Schwangerschaftsabbrüchen verzeichnet. Mit dem Aktionsplan wolle das Regionalbüro sicherstellen, dass jeder Zufriedenheit mit seiner sexuellen Gesundheit bekunden kann. Übergeordnetes Ziel des Aktionsplans sei es, alle Menschen in der Region in die Lage zu versetzen und dabei zu unterstützen, ihr Potenzial an sexueller und reproduktiver Gesundheit voll auszuschöpfen und in dieser Hinsicht ein möglichst hohes Maß an Wohlbefinden zu erreichen, sowie die Achtung, den Schutz und die Erfüllung der Menschenrechte zu gewährleisten.

Nahezu 20 Mitgliedstaaten brachten ihre Unterstützung für den Aktionsplan zum Ausdruck; allerdings äußerten einige Delegierte die Besorgnis, die ursprünglichen Formulierungen seien im Sinne eines Kompromisses abgeschwächt worden. Mehrere Mitgliedstaaten ersuchten um Änderungen am Dokument. Die Türkei erklärte, sie sei nicht zu seiner Verabschiedung bereit. Die Debatte wird morgen Nachmittag fortgesetzt.

Основные моменты 3-го дня

  • Ansprache von Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO
  • Diskussion über die Arbeit des Regionalbüros im Bereich der Bewältigung von Notlagen
  • Strategie zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Frauen in der Europäischen Region der WHO
  • Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen HIV in der Europäischen Region der WHO
  • Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Virushepatitis in der Europäischen Region der WHO