Wiedergeburt des Netzwerks Regionen für Gesundheit

WHO

Hosted by the Region of Tuscany, the 2014 annual meeting of the Regions for Health Network took place on 20-22 October in Florence, Italy.

Die Mitglieder des Netzwerks Regionen für Gesundheit (RHN), die 25 Regionen in 20 Ländern der Europäischen Region der WHO repräsentieren, trafen vom 20. bis 22. Oktober 2014 in Florenz zusammen, um fachübergreifende Fragen der öffentlichen Gesundheit aus einer subnationalen Perspektive zu erörtern.

Zum ersten Teil der Jahrestagung gehörten Präsentationen und eine Diskussion über ressortübergreifende Maßnahmen, die Koproduktion von Gesundheit, Investitionen in die Gesundheit von der Kindheit an und im gesamten Lebensverlauf, die Steuerung des Politikwandels und die Rolle von Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

„Die Ausrichtung der Tagung war mit großem Aufwand verbunden, war aber wichtig für uns. Sie hat uns und unserem Ministerium eine Gelegenheit gegeben, innerhalb der Region Toskana darüber nachzudenken, wie die Definition von Gesundheitspolitik über die Bekämpfung von Krankheiten ausgedehnt werden kann, und uns mit den Werten von „Gesundheit 2020“ auseinanderzusetzen. Außerdem ist es sehr interessant, Florenz mit den Augen anderer zu sehen – und das in einem Umfeld, das der Förderung von Gesundheit und dem Aufbau von Netzwerken und Freundschaften so zuträglich ist“, sagte Alberto Zanobini, Leiter des Büros für Forschung, Innovation und Humanressourcen beim Gesundheitsministerium der Region Toskana.

Koproduktion von Gesundheit

Aus der Sicht eines Politikers erklärte Vaughan Gething, Stellvertretender Gesundheitsminister in Wales (Vereinigtes Königreich), das Gesundheitswesen sei ein von allen zu nutzendes Angebot und ein Ansatzpunkt für die Bekämpfung von Ungleichheiten, indem angestrebt werde, die Bedürftigsten zu erreichen. Er erläuterte den von der walisischen Regierung verfolgten Ansatz einer umsichtigen Gesundheitsversorgung. Dieser bestehe in einem patientenzentrierten Ansatz, bei dem die Patienten die geeignetsten vereinbarten Behandlungen erhalten und der Beitrag des Einzelnen zur eigenen Gesundheit und zum eigenen Wohlbefinden gefördert wird. Als Herausforderungen auf diesem Weg nannte er die Erhaltung des Vertrauens in das Gesundheitswesen, die Befähigung der Öffentlichkeit und Verhaltensänderungen, wofür jeweils ein offenes, zugängliches System erforderlich sei.

Sir Harry Burns, Professor für globale Gesundheitspolitik an der University of Strathclyde in Schottland, steuerte zwingende Belege für die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit den vielfältigen sozialen Determinanten von Gesundheit bei. In Schottland seien die häufigsten Ursachen für vorzeitigem Tod – Drogen- und Alkoholkonsum, Suizid und Gewalt – sozial determiniert. Die Regierungen müssten die Schaffung von Wohlbefinden und eines entsprechenden Zielbewusstseins sowie die Kompetenzförderung bei durch Ungleichheiten benachteiligten Gemeinschaften und Einzelpersonen als vorrangig einstufen. Große und messbare gesundheitliche Verbesserungen könnten durch von Gesundheitsfachkräften geschaffene kleine, fortschreitende, partizipatorische Zyklen herbeigeführt werden, etwa die Einführung einer obligatorischen Prüfliste für Chirurgen vor jeder Operation. Prof. Burns vertrat die Ansicht, dass politische Entscheidungsträger und Leiter von Behörden für die Einführung kleiner Veränderungen nicht das Vorliegen entsprechender Forschungserkenntnisse abwarten müssten.

Ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz

2011 begannen die Kommunalbehörden in Norditalien mit ihrem Vorhaben, Bibione, einen Strand in der Region Veneto, rauchfrei zu machen. Pasqualino Codognotto, Bürgermeister von San Michele al Tagliamento, erläuterte den Prozess der Einbeziehung verschiedener maßgeblicher Akteure durch Zusammentreffen mit Vertretern der örtlichen Tourismusbranche und der Polizei sowie mit Urlaubern. Die Belege für die hohen Konzentrationen von Tabakrauch an den Stränden und die Umweltauswirkungen weggeworfener Zigarettenstummel hätten zusammen mit den Ergebnissen eines Fragebogens für Strandbesucher die kommunalen Behörden und die Tourismusbranche maßgeblich zum Handeln veranlasst.

Förderung des Humankapitals im gesamten Lebensverlauf

Die Region Toskana verfolgt bei der Gesundheitskommunikation in den Schulen ein neues Konzept. Nach einer Umfrage an toskanischen Schulen im Schuljahr 2009/2010 verlagere sich der Schwerpunkt der Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Bildungspolitik zugunsten der Gesundheit junger Menschen von den Risikofaktoren – Rauchen, Drogenkonsum und riskantes Sexualverhalten – hin zur Gesundheitsförderung und zur Befähigung junger Menschen zum Erlernen der Lebensfertigkeiten, die zu gesunden Verhaltensweisen führen. Die Überwindung althergebrachter Vorstellungen von Kommunikation, bei denen Kindern und Jugendlichen eine passive Rolle zugewiesen wurde, hat zu einer aktiven Beteiligung und zum Lernen unter Gleichaltrigen in Fragen von Gesundheit und Wohlbefinden geführt.

Mitgliederkreis und Entwicklung des RHN

Am letzten Tag der Tagung standen im Mittelpunkt der Diskussionen die künftige Entwicklung des RHN und die Gewährleistung, dass es sich die Werte und die Ausrichtung des Europäischen Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“ zu eigen macht und auch künftig den Anforderungen seiner Mitglieder gerecht wird. Es herrschte breite Übereinstimmung darüber, dass das RHN nicht nur ein Forum für den Gedankenaustausch, sondern auch ein Weg zur Schaffung und Umsetzung von Initiativen und Handlungskonzepten sein solle. Es wurde eine neue Steuerungsgruppe eingesetzt, in der Mitglieder aus der gesamten geografischen Ausdehnung des RHN vertreten sind und die einen Arbeitsplan entwerfen ein Mandat ausarbeiten soll.

„[Das RHN] ist nützlich, da es mich in die Lage versetzt, mit anderen Mitgliedern zu interagieren und so praktische Leitlinien zu erhalten. Beispielsweise habe ich gefragt, was wir tun müssen, um eine Initiative auszuweiten und andere Bereiche einzubinden. Jetzt habe ich praktische Schritte, die ich zuhause anwenden kann“, sagte Brigitte Van der Zanden, Vertreterin der Euroregion Maas-Rhein.

Ein durchgehendes Thema auf der Tagung waren die direkten und indirekten Aufgaben der Kommunikation in der Politikgestaltung und bei der Einbeziehung der Bürger in die Handhabung ihrer eigenen Gesundheit. Zur Erleichterung der Kommunikation innerhalb des RHN sind mehrere Initiativen eingerichtet worden, darunter eine Website für die Beteiligten, ein Nachrichtenbrief, regelmäßige Lageberichte per E-Mail und ein Twitter-Konto. Durch diese erste Jahrestagung mit Live-Tweets sollen Twitter-Nutzer dazu ermutigt werden, über die auf der Veranstaltung behandelten Themen zu diskutieren. Das Hashtag lautet #RHN2014.

Das RHN begrüßt neue Mitglieder; Anfragen können per E-Mail an folgende Adresse geschickt werden: rhn@ihd.euro.who.int.