Blick über die Gesundheitspolitik hinaus

29. Juni 2010

Auf dem Offenen Gesundheitsforum der Europäischen Union (EU) in Brüssel erörtern heute die an der Gestaltung der Gesundheitspolitik beteiligten Partner in der Europäischen Region der WHO die Frage, wie die Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte in anderen Politikbereichen sichergestellt werden kann.

„Zur Beseitigung der wichtigsten gesundheitlichen Risiken in der Europäischen Region, wie Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, Bluthochdruck, Übergewicht und Adipositas, hoher Cholesterinspiegel, Bewegungsmangel und hoher Blutzuckerspiegel, werden Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen sowie starke Gesundheitssysteme benötigt. Da viele dieser Risiken außerhalb der unmittelbaren Kontrolle des Gesundheitssektors angesiedelt sind, ist ein Konzept zur Einbeziehung von Gesundheitsaspekten in allen Politikbereichen unverzichtbar“, erklärte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, in ihrer Grundsatzrede.

Zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung in der Region ist es notwendig, an den Ursachen für Behinderung (Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Arbeitsfähigkeit von Menschen) und vorzeitigen Tod anzusetzen. Behinderungsbereinigte Lebensjahre, sog. DALY-Verluste, stellen ein aggregiertes Maß für die durch vorzeitigen Tod oder Behinderung verlorenen gesunden Lebensjahre dar.

Eine entschlossene Bekämpfung der sieben wichtigsten Risikofaktoren würde die Gesamthöhe der DALY-Verluste in den 53 Mitgliedstaaten in der Region um 60% und auch in den einkommensstärkeren Ländern immerhin noch um 45% reduzieren.

Bei einer aktiven, sektorübergreifenden Zusammenarbeit, dem Eckpfeiler des Konzeptes „Gesundheit in allen Politikbereichen“, ergeben sich positive Effekte auch über den Gesundheitsbereich hinaus. Ein Zusammenwirken von Gesundheits-, Umwelt- und Verkehrspolitik bei der Förderung aktiver Fortbewegungsarten (wie Radfahren und Zufußgehen) ist für alle drei Politikbereiche von Nutzen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Es trägt dazu bei:

  • die Belastung durch Luftschadstoffe, Treibhausgase und Lärm zu verringern (Umwelt- und Gesundheitsziele);
  • Staus zu reduzieren und den Bedarf an kostspieliger Infrastruktur für den Kraftfahrzeugverkehr zu senken (verkehrspolitische Ziele);
  • die Zahl der Verletzungen im Straßenverkehr zu verringern (verkehrs- und gesundheitspolitische Ziele); und
  • die Zugänglichkeit und Qualität des Stadtlebens zu verbessern (ein Ziel für alle drei Politikbereiche).

Schließlich dient es auch der Bewegungsförderung, dem einzigen Ziel von primär gesundheitlicher Bedeutung.

Frau Jakab forderte die Teilnehmer des Offenen Gesundheitsforums auf, auch weiterhin gesundheitliche Belange in allen Politikbereichen zu fördern und Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieses Konzeptes zu sammeln und praktische Instrumente für seine Umsetzung zu entwickeln.

Offenes Gesundheitsforum der EU

Das Forum ist ein Mechanismus, durch den die Europäische Kommission von den maßgeblichen Interessengruppen Rückmeldung über die Umsetzung der Gesundheitspolitik der EU erhält und über die Notwendigkeit neuer Politikinitiativen auf EU-Ebene entscheidet. Es dient auch der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch in Bezug auf bewährte Praktiken bei der Umsetzung gesundheitspolitischer Konzepte in der EU sowie auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene.