Defizite beim Zugang untergraben die allgemeine Gesundheitsversorgung in der gesamten EU

Johannah Jorgensen

Den länderspezifischen Gesundheitsprofilen und dem Begleitbericht des Projekts Gesundheitszustand in der EU zufolge untergraben Defizite bei der Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung und das Fehlen von Daten die allgemeine Gesundheitsversorgung in der gesamten Europäischen Union (EU).

Die heute von der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD SANTE) der Europäischen Kommission veröffentlichten Profile wurden gemeinsam vom Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik der WHO und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erstellt. Der ebenfalls von GD SANTE veröffentlichte Begleitbericht knüpft an die deutliche Erkenntnis der Profile an, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung auch weiterhin in jedem EU-Mitgliedstaat eine Herausforderung darstellt.

Dieses alle zwei Jahre durchgeführte Projekt bietet Einblicke in die Gesundheit und die Gesundheitssysteme in der gesamten EU. Es ergänzt das Dreizehnte Allgemeine Arbeitsprogramm (GPW 13) der WHO und dessen Schwerpunktlegung auf Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung.

Die bisherigen Erkenntnisse

Kosten, Wartezeiten und eine lange Anfahrt zu Gesundheitseinrichtungen gehören zu den klassischen Faktoren, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung erschweren. Der Begleitbericht knüpft an den in Kürze erscheinenden Bericht des Europäischen Observatoriums „Defizite bei Gesundheitsversorgung und Zugang zu Gesundheitsangeboten in der Europäischen Union“ an und geht näher auf die bestehenden Herausforderungen ein.

Er zeigt, dass nicht nur die ländliche Bevölkerung, sondern auch Randgruppen außerhalb der Reichweite der regulären Gesundheitsversorgung sind. Ältere, weniger mobile, stärker gefährdete Menschen oder jene, die im Herzen der städtischen Gebiete, aber am Rand der Gesellschaft leben, haben in mindestens der Hälfte aller EU-Mitgliedstaaten allesamt Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Auch irreguläre Einwohner sind in einem Drittel der Mitgliedstaaten von der normalen gesetzlichen Gesundheitsversorgung ausgeschlossen; insbesondere Flüchtlinge und Obdachlose leiden unter einem mangelnden Zugang.

Darüber hinaus macht das Projekt auf folgende Herausforderungen aufmerksam: finanzielle Ressourcen; die Verteilung von Gesundheitspersonal, einschließlich der Herausforderung, die richtigen Menschen mit den richtigen Fähigkeiten am richtigen Ort einzusetzen; die Knappheit von gut ausgestatteten Einrichtungen in erreichbarer Nähe von gefährdeten Bevölkerungsgruppen; sowie die Frage, ob die angebotenen Leistungen für sämtliche Nutzer annehmbar sind.

Anfang dieses Jahres erläuterte die WHO in Zusammenhang mit ihrer Arbeit zu Gesundheitsausgaben aus eigener Tasche, inwiefern Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ruinösen Gesundheitsausgaben für Privathaushalte führen können. Eine allgemeine Gesundheitsversorgung schützt nicht nur Einzelpersonen und Familien vor langfristigen finanziellen Auswirkungen, sondern bietet auch einen Versicherungsschutz. Dies wiederum verhindert Unsicherheit und Angst und fördert das gesellschaftliche Wohlbefinden.

Ein unvollständiges Bild

Der Begleitbericht zeigt Lücken bei den von den Mitgliedstaaten erhobenen Daten auf und betont, wie wichtig es ist, diese Evidenz zu erfassen. Es ist eine höhere Datengranularität erforderlich, um messen zu können, inwiefern sozioökonomische Faktoren sich auf den Zugang zur Gesundheitsversorgung auswirken, und um die verschiedenen Herausforderungen berücksichtigen zu können, vor denen Menschen mit besonderen klinischen Bedürfnissen oder aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen stehen. Zudem empfiehlt der Bericht, den Grad informeller Zahlungen, der Koordinierung der Versorgung, der Gesundheitskompetenz und des Zugangs zu präventiven Angeboten besser zu erforschen.

Ein Mangel an Daten und fundiertem Wissen behindert das Verständnis für die Defizite beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, verhindert wirksame Maßnahmen und erhöht die Gefahr der Sorglosigkeit. Bessere Informationen kommen stärker ganzheitlich ausgerichteten Gesundheitsangeboten zugute, die der Perspektive der Patienten Rechnung tragen, ohne dabei die Kostenwirksamkeit eines Systems aus den Augen zu verlieren. Sie können Regierungen dabei helfen, die Realität in Bezug auf den Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung zu verstehen, und sie dabei unterstützen, eine bezahlbare, hochwertige präventive wie kurative Gesundheitsversorgung anzubieten.