Spanien macht sich für Verbesserung der Patientensicherheit stark

Spanish Ministry of Health

3. Juni 2010

Gesundheitsexperten von innerhalb und außerhalb der Europäischen Region sind sich darüber einig, dass zur Bekämpfung nosokomialer Infektionen und antimikrobieller Resistenzen dringliche Maßnahmen erforderlich sind. In der Europäischen Union sind jährlich mehr als 4 Mio. Patienten von nosokomialen Infektionen betroffen; dadurch erhöht sich die Zahl der Krankenhaustage um 16 Mio., für die jährlich Mehrkosten in Höhe von ca. 7 Mrd. € anfallen.

Auf einer Tagung in Madrid, die vom spanischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales organisiert wurde, erklärte heute die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, nosokomiale Infektionen und antimikrobielle Resistenzen seien meist Symptome schwacher Gesundheitssysteme. Frau Jakab lobte die Entscheidung der spanischen Regierung, die derzeit die Präsidentschaft in der Europäischen Union innehat, die Politik auf dieses dringliche Thema aufmerksam zu machen. Sie unterstrich, es sei unverzichtbar, durch Kampagnen wie den jährlich am 18. November stattfindenden Europäischen Antibiotikatag die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, wann und wie Antibiotika sinnvoll eingesetzt werden können.

Seit ihrer Entdeckung im 20. Jahrhundert haben Antibiotika und ähnliche Medikamente (wie Penizillin, Streptomyzin und mehr als 150 andere) die Gefahr durch Infektionskrankheiten erheblich verringert und Millionen von Menschen vor dem Tod oder vor schlimmerem Leiden bewahrt.

Jedoch werden diese Fortschritte der Medizin in den letzten Jahren durch das Auftreten von Mikroben gefährdet, die gegen diese kostengünstigen und bisher wirksamen Arzneimittel (Erstrangmedikamente) resistent sind. Patienten mit durch resistente Mikroben verursachten Infektionen sprechen auf die Behandlung nicht an, was zu längeren Erkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko führt. Wenn Erstrangmedikamente keine Wirkung zeigen, muss mit Zweit- oder Drittrangmedikamenten behandelt werden, die fast immer teurer und oft auch toxischer sind.

Den größten Grund zur Sorge bereiten aber Krankheiten, bei denen sich Resistenzen gegen die meisten der bisher verfügbaren Medikamente bilden. Für die Europäische Region der WHO spielen multiresistente Tuberkulose oder MDR-Tb (d. h. Resistenz gegen die verbreitetsten Erstrang-Antituberkulotika Isoniazid und Rifampicin) und extensiv resistente Tuberkulose oder XDR-Tb (d. h. Resistenz gegen Erst- und Zweitrangmedikamente) die wichtigste Rolle.

Verstärkt und beschleunigt wird die Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen durch menschliches Verhalten, namentlich die unkritische Anwendung von Antibiotika in vielen Teilen der Welt, ihren unsachgemäßen Gebrauch aufgrund fehlenden Zugangs zu einer ordnungsgemäßen Behandlung oder ihre unzureichende Anwendung aufgrund fehlender Mittel für eine vollständige Behandlung.

Der Ansatz der WHO für die Bekämpfung von nosokomialen Infektionen und antimikrobiellen Resistenzen basiert auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit maßgeblichen Akteuren, die auch die Behandlung von Querschnittsfragen einschließt. Er baut auf der 2001 angenommenen Globalen Strategie der WHO zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen auf und umfasst eine Stärkung der Gesundheitssysteme, die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und eine Verbesserung der Anwendung von Antibiotika, der Patientensicherheit, der Lebensmittelsicherheit und der Bekämpfung von Zoonosen, aber auch Programme zur Bekämpfung von Tuberkulose, HIV/Aids und Malaria.

Auch eine Stärkung der epidemiologischen Überwachung in der gesamten Europäischen Region der WHO durch Projekte wie die vom Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) finanzierte Europäische Überwachung des Verbrauchs antimikrobieller Mittel sowie durch Netzwerke wie das Europäische System zur Überwachung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe ist notwendig, um die Lage bewerten und kontrollieren zu können.

Die WHO setzt sich für eine viergliedrige Strategie für die Entwicklung nationaler Aktionspläne zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen ein:

  • Surveillance-Maßnahmen zur Dokumentierung des Problems
  • Prävention zur Verlangsamung der Ausbreitung von nosokomialen Infektionen und antimikrobiellen Resistenzen
  • Eindämmung zur Verringerung ihrer Ausbreitung
  • Forschungsanstrengungen zur Entwicklung neuer Instrumente.

Antimikrobielle Resistenzen werden das Schwerpunktthema auf dem Weltgesundheitstag am 7. April 2011 sein.