Lehren aus der Influenzapandemie

„Das Auftreten eines neuen Stamms des Influenzavirus, der sich innerhalb weniger Wochen weltweit ausbreiten konnte, führt uns deutlich unsere gemeinsame Verwundbarkeit vor Augen und verdeutlicht auch die Notwendigkeit einer kollektiven, abgestimmten Antwort.“ So lautete die zentrale Botschaft von Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, auf einer Tagung der Gesundheitsminister der EU-Staaten am 05. Juli in Brüssel.

Frau Jakab führte den Erfolg der kollektiven Maßnahmen zur Pandemievorsorge in der gesamten Europäischen Region der WHO auf den durch die überarbeiteten Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) vorgegebenen Rahmen sowie auf die nationalen IGV-Anlaufstellen zurück. Sie unterstrich auch, wie wichtig es sei, sich die Frage zu stellen, ob die Vorsorgemaßnahmen von Nutzen gewesen seien oder ob die Art der Reaktion die Mitgliedstaaten der WHO auf bestimmte, feste Handlungsabläufe festgelegt habe, die eine schnelle Anpassung während der ersten Welle der Pandemie verhindert hätten.

Lehren aus der Vergangenheit

Frau Jakab nannte drei wesentliche Lehren aus der Pandemie, nämlich die Notwendigkeit:

  • die Abstimmung zwischen den zentralen Akteuren zu verbessern und ihre konkreten Zuständigkeiten klarer festzulegen;
  • besser für ein breites Spektrum von Szenarien gerüstet zu sein;
  • die Anstrengungen in der Kommunikationsarbeit zu verstärken.

Insbesondere bestünde bei folgenden Aufgaben Klärungsbedarf: der Rolle der Privatwirtschaft (u. a. Unternehmen und private Anbieter von Gesundheitsleistungen) für die öffentliche Gesundheit und der Rolle der Öffentlichkeit, der Medien (einschließlich der webbasierten und sozialen Medien) und der Regierungen und Parlamente sowie von internationalen Organisationen wie der WHO.

Eine wirksamere Vorsorge für vielfältige Szenarien bedeute nicht nur, für den schlimmsten Fall gerüstet zu sein, sondern auch die Fähigkeit, sich schnell an günstigere Entwicklungen anzupassen. Die Flexibilität in der Reaktion auf Gesundheitskrisen müsse zum festen Bestandteil von Bereitschaftsplänen werden.

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, auch unter Einbeziehung der sozialen Medien, müsse die Öffentlichkeit zügig über mögliche Schwierigkeiten informiert, aber auch auf Veränderungen in Bezug auf Risikobewertungen vorbereitet werden. Ferner solle dadurch auch die Akzeptanz der ergriffenen Maßnahmen in der Öffentlichkeit verbessert werden, was auch Impfmaßnahmen einschließen könne.

Für die Zukunft gerüstet

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat mit einer systematischen Untersuchung der nationalen Bereitschaftspläne für eine Influenzapandemie, aber auch der fachlichen Empfehlungen der WHO begonnen. Diese erfolgt mit Beteiligung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten und des WHO-Hauptbüros. Ebenso beteiligt sind insgesamt sieben Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO.

Das WHO-Regionalbüro für Europa wird die Mitgliedstaaten auch weiterhin nach Maßgabe der Internationalen Gesundheitsvorschriften und im Rahmen erneuerter Partnerschaften mit allen maßgeblichen Akteuren bei der Bewertung von gesundheitlichen Notlagen sowie der erforderlichen Bereitschaftsplanung unterstützen.