Regionaldirektorin hält Rede vor Ministern über Prävention chronischer Erkrankungen

Ein Großteil der Krankheitslast in der Europäischen Region der WHO entfällt auf nur vier Gruppen von Erkrankungen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Diese Krankheiten weisen eine Reihe gemeinsamer Determinanten auf; so sind
nahezu 60% der Krankheitslast in der Europäischen Region auf sieben Hauptrisikofaktoren zurückzuführen: Bluthochdruck, Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, geringer Verzehr von Obst und Gemüse und Bewegungsmangel.

In ihrer Ansprache an die Minister erklärte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, heute in Brüssel, die Länder Europas hätten erkannt, dass die Vorsorge gegen nichtübertragbare Krankheiten nicht nur eine Frage individueller Verantwortung sei.

„Wir verfügen über ein erhebliches Maß an kollektiver Erfahrung mit der Verwendung von Preis als positivem oder negativem Anreiz in Bezug auf Verhaltensweisen, mit der Bekämpfung von Werbung für gesundheitsschädliche Produkte, mit der Reduzierung des Salzgehalts durch Neugestaltung von Nahrungsmittelprodukten und mit der Planung städtischer Umfelder zwecks Erleichterung einer aktiven Fortbewegung. Gesundheitsförderliche Entscheidungen fallen leichter, wenn die politischen Rahmenbedingungen uns in diese Richtung steuern oder sie zu einer quasi unvermeidlichen Wahl machen“, erklärte Zsuzsanna Jakab.

Die Regionaldirektorin erläuterte, die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten biete auch Chancen für gemeinsame politische Handlungskonzepte. Sie forderte stärkere sektorübergreifende Maßnahmen und ging auch auf die Frage ein, wie eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik anderen Bereichen zugute kommen könne. So könnten beispielsweise in der Verkehrspolitik Mobilität und Lebensqualität in Städten erhöht werden, was sich auch positiv auf körperliche Betätigung, Verletzungsprävention und Umweltbelastung auswirke. Ferner müssten auch allgemeinere Fragen in Bezug auf die Steuerung, Evaluierung und Aufrechterhaltung sektorübergreifender Maßnahmen untersucht werden. Dies wiederum mache stärkere Gesundheitssysteme erforderlich.

Die neue europäische Gesundheitspolitik „Gesundheit 2020“ werde gegenwärtig vom Regionalbüro zusammen mit einer Reihe anderer Akteure entwickelt und solle zu einem vereinenden Instrument in den gemeinsamen Anstrengungen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region werden.

Zsuzsanna Jakab hielt ihre Ansprache auf der Ministerkonferenz „Innovative Ansätze für chronische Krankheiten im öffentlichen Gesundheitswesen und in den Gesundheitssystemen“, die von der belgischen Regierung im Rahmen ihrer Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union organisiert wurde.