Technologischer Fortschritt verteuert die Gesundheitsversorgung

Der Anstieg der Gesundheitskosten ist laut einer Untersuchung der WHO in erster Linie auf technische Neuerungen (50–75% der Zusatzkosten) und nicht so sehr auf allgemein wahrgenommene Faktoren wie die Überalterung der Bevölkerung (weniger als 10%) zurückzuführen.

Doch auch wenn die Altersentwicklung nicht einen so großen Teil ausmacht wie technologische Veränderungen oder sogar Einkommenszuwächse und dadurch steigende Erwartungshaltungen, so wird sie sich künftig stärker auf die Gesundheitsversorgung auswirken, da nur noch ein immer geringer werdender Anteil der Bevölkerung wirtschaftlich produktiv zur Finanzierung der Kosten für die Gesundheitsversorgung der wachsenden Gruppe älterer Menschen beiträgt.

Auf einer Konferenz in Genf über die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Europa äußerte sich die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab in der vergangenen Woche zu den sich ändernden ökonomischen, demografischen, technologischen und sozialen Faktoren, welche die Gesundheit in der Region gegenwärtig und längerfristig beeinflussen.

Frau Jakab unterstrich, dass sich die Erwartungen der Menschen in Bezug auf die Gesundheitsversorgung gewandelt hätten. Sie wollten an Entscheidungen über ihre Gesundheit und insbesondere über die Behandlung und Handhabung ihrer Krankheiten stärker beteiligt werden. Doch zeige das Ausmaß gesundheitlicher Benachteiligung in der Europäischen Region der WHO, dass noch viele Menschen auf materiellem, aufklärerischem und politischem Wege dazu befähigt werden müssten, ihr Recht auf Gesundheit zu verwirklichen.

Angesichts des wachsenden Kostendrucks und der zunehmenden Forderung nach Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung müssten die Gesellschaften ihre Wertvorstellungen verteidigen und sich weiter zu sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit bekennen, argumentierte Frau Jakab.

Sie war Gastrednerin auf einer Konferenz der Zeitschrift „The Economist“ zum Thema Gesundheitsversorgung in Europa, die in Genf am 17. März 2011 stattfand.