Auf dem Weg zu einer inländischen Finanzierung der HIV- und Tuberkulosebekämpfung in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens

EHRN/Lina Fisheye

Das WHO-Regionalbüro für Europa, das Eurasian Harm Reduction Network und eine Reihe anderer Partnerorganisationen organisierten vom 28. bis 30. September 2015 in Tiflis (Georgien) eine hochrangige Tagung, auf der Probleme und Chancen für die Europäische Region im Hinblick auf einen erfolgreichen Übergang zu einer inländischen Finanzierung der staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der HIV- und Tuberkuloseepidemien in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens erörtert wurden.

Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, nahm im Rahmen ihres Besuchs in Georgien am 29. und 30. September an der Tagung teil und führte eine Reihe bilateraler Gespräche, u. a. mit dem georgischen Minister für Beschäftigung, Gesundheit und Soziales, David Sergeenko.

Überblick über HIV/Aids in der Europäischen Region der WHO

HIV bleibt eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Europäischen Region, und die Epidemie ist in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens weiterhin rasant auf dem Vormarsch. Auf der Tagung wurden die wichtigsten Herausforderungen auf diesem Gebiet erörtert, u. a.:

  • die Reaktion auf die wachsende Zahl von HIV-Neudiagnosen, insbesondere im östlichen Teil der Region;
  • die Reduzierung der Zahl der undiagnostizierten und späten HIV-Diagnosen;
  • die Ausweitung des Zugangs zu antiretroviraler Therapie und Verbesserung der Therapieeinhaltung, um die Behandlungslücke zu verringern;
  • die Ermöglichung einer antiretroviralen Therapie für alle mit HIV lebenden Menschen unabhängig von ihrer CD4-Zellzahl; 
  • die Verbesserung der Versorgung und Unterstützung für die Schlüsselgruppen (insbesondere Schadensminderungsmaßnahmen für injizierende Drogenkonsumenten);
  • ein Aufbauen auf Erfolgen bei der Eliminierung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV;
  • die Vernetzung von Angeboten im Bereich HIV mit anderen Leistungen, insbesondere zur Bekämpfung von Tuberkulose, Hepatitis und Drogenabhängigkeit.

Überblick über die Tuberkulosesituation in der Europäischen Region der WHO

„Zwar ist die Last der medikamentös behandelbaren Tuberkulose in Europa niedriger als in den meisten anderen Regionen der WHO, doch entfallen auf unsere Region ein Viertel aller Fälle der multiresistenten Tuberkulose weltweit. Daher gibt es in Bezug auf die Tuberkulosesituation keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Vielmehr müssen die Anstrengungen verstärkt werden, um die Krankheit letztendlich zu eliminieren", sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, in ihrer Rede auf der Tagung.

Die Diskussion über Tuberkulose befasste sich primär mit dem Aktionsplan für die Europäische Region der WHO für den Zeitraum 2016–2020, der auf der 65. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im September 2015 angenommen wurde und der an den Fortschritten anknüpft, die mit dem vorangegangenen Aktionsplan erreicht wurden, und der sich mit folgenden Fragen auseinandersetzt:

  • hohe Raten der multiresistenten Tuberkulose und unzureichender Behandlungserfolg bei diesen Patienten;
  • Einführung neuer Medikamente und Verbesserung der Erforschung neuer relevanter Instrumente mit wirksameren Behandlungsplänen;
  • Ungleichgewichte in Bezug auf Gesundheitsleistungen und Tuberkulose-HIV-Koinfektion;
  • Orientierungshilfe für die Ausdehnung der patientenorientierten Versorgung;
  • Stärkung der sozialen Absicherung und der psychosozialen Unterstützung für Patienten durch aufsuchende Angebote für anfällige Bevölkerungsgruppen;
  • Bekämpfung des mit Tuberkulose verbundenen Stigmas, Verringerung des menschlichen Leidens und Verbesserung der Therapiebefolgung und des Behandlungserfolgs.

Ergebnis

Die Mitgliedstaaten bekennen sich zu einer nachhaltigen Bekämpfung von Tuberkulose und HIV und zu der Notwendigkeit, durch einen integrierten, patientenorientierten Ansatz mit Unterstützung von internationalen Partnern wie dem Regionalbüro die Schadensminderungsmaßnahmen zu verbessern. Die Länder wollen mit gezielten Aktionsplänen dafür sorgen, dass der Übergang zur inländischen Finanzierung in den Bereichen HIV, Tuberkulose und Schadensminderung auf verantwortungsbewusste und ethisch vertretbare Weise erfolgt.