Treffen der V4-Staaten für eine verbesserte Zusammenarbeit im Kampf gegen Tuberkulose

Elena Jablonicka

Vertreter der WHO und Delegierte der vier Visegrad-Staaten (V4) kamen am 20. und 21. Februar 2019 in der Hohen Tatra (Slowakei) zu einer Fachtagung zum Thema Gesundheit mit besonderer Schwerpunktlegung auf der Bekämpfung von Tuberkulose zusammen.

Das Visegrad-Forum für länderübergreifende Zusammenarbeit geht auf eine Reihe von Gipfeltreffen im Jahr 1991 zurück. Die V4-Gruppe umfasst Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn.

Im Rahmen der Tagung wurde auch das neue WHO-Kooperationszentrum eröffnet. Die für das Nationale Register für Tuberkulosepatienten zuständige Abteilung am Staatlichen Institut für Tuberkulose, Lungenerkrankungen und Thoraxchirurgie, Vyšné Hágy, wurde zum WHO-Kooperationszentrum für gefährdete Bevölkerungsgruppen in Zentraleuropa ernannt.

Bei ihrer Rede anlässlich der Eröffnung hieß die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Dr. Zsuzsanna Jakab, das Staatliche Institut im internationalen Kooperationsverbund willkommen. Sie betonte die gemeinsamen Ziele der „Unterstützung und Werbung für Interventionen zur Eliminierung von Tuberkulose in gefährdeten Gruppen und der Förderung eines besseren Verständnisses für die Bedürfnisse und Erkrankungen dieser Gruppen“.

Sie führte weiter aus: „Wir vertrauen darauf, dass unsere Partner auch weiterhin einen echten Wandel bewirken werden, weiterhin gemeinsam mit der WHO daran arbeiten werden, Tuberkulose zu beenden und vermeidbare gesundheitliche Ungleichgewichte zu bekämpfen, und sich weiterhin gemeinsam als Motor für das Handeln zugunsten einer nachhaltigen, besseren Gesundheit einsetzen werden.“ Neben der Regionaldirektorin nahmen auch hochrangige Beamte aus den V4-Staaten an der Eröffnung teil.

Schwerpunktlegung auf einer Beendigung der Tuberkulose in gefährdeten Gruppen

Die Beendigung der Tuberkulose ist eine der Hauptprioritäten der slowakischen Präsidentschaft der Visegrad-Gruppe. In der Slowakei, ebenso wie in vielen anderen Ländern, gibt die Verbreitung der Tuberkulose in der Roma-Bevölkerung weiterhin Anlass zu besonderer Besorgnis. Diese Bevölkerungsgruppe ist eine der am stärksten ausgegrenzten Gruppen des Landes. Die Tuberkuloseraten in dieser Bevölkerungsgruppe liegen höher als im Rest der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Roma-Kinder.

Das Staatliche Institut für Tuberkulose, Lungenerkrankungen und Thoraxchirurgie, Vyšné Hágy, führt ein Programm zur Ausbildung von Gesundheitshelfern aus Roma-Gemeinden im Kampf gegen die Tuberkulose durch. Dies ist eine kooperative Anstrengung in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und anderen institutionellen Akteuren, Praktikern, Experten und dem WHO-Länderbüro in der Slowakei.

Im Rahmen des Programms werden die in den Roma-Gemeinden tätigen Helfer erfolgreich darauf vorbereitet, als erste Ansprechperson zwischen den Roma-Gemeinden und Gesundheitsfachkräften zu dienen. Dieser von linguistischen oder kulturellen Barrieren befreite Kontakt ermöglicht medizinische Grunduntersuchungen sowie Nachbehandlungen von Tuberkulosepatienten in einem ambulanten Rahmen innerhalb der Roma-Gemeinden.

Infolge der systematischen Arbeit der Roma-Gesundheitshelfer konnten mehr als 80% der erwachsenen Tuberkulosepatienten in den Roma-Gemeinden erfolgreich behandelt werden. Sämtliche Indexpatienten für Tuberkulosefälle unter Kindern wurden identifiziert. Darüber hinaus tragen die Roma-Gesundheitshelfer dazu bei, dass hochgefährdete Roma-Gemeinden kontinuierlich auf Tuberkulose hin überwacht werden und jeder Tuberkulose-Ausbruch umgehend erkannt und eingedämmt wird.

Definition der Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich unter den V4-Staaten

Im Mittelpunkt der Tagung der V4-Staaten, welche der Eröffnung des WHO-Kooperationszentrums vorausging, stand das Thema der Beendigung der Tuberkulose. In Bereichen wie Sicherheit, Verteidigung und Infrastruktur ist die Zusammenarbeit zwischen den V4-Staaten relativ genau festgelegt. Das Thema Gesundheit gewinnt jedoch in der Gruppe zunehmend an Bedeutung.

Das vorangegangene Treffen der Gesundheitsminister der V4-Gruppe war im Februar 2018 in Budapest (Ungarn) abgehalten worden. Eine gemeinsame Erklärung, die von allen vier Ministern während des Treffens unterzeichnet worden war, hob vier vorrangige Handlungsfelder für eine Zusammenarbeit hervor: nichtübertragbare Krankheiten, Adipositas im Kindesalter, personelle Ressourcen im Gesundheitswesen und die Ausweitung der primären Gesundheitsversorgung.

Bei der diesjährigen Tagung der V4-Gruppe befassten sich die Vertreter der V4-Staaten und die Experten der WHO mit Themen wie der Umsetzung der WHO-Leitlinien für Tuberkulose zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) und dem Ausbau der Gesundheitsleistungen im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung.

Die Tagung bot der WHO und den vier Ländern Gelegenheit, die zukünftige Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich klarer abzustecken und sich auf eine Art der Zusammenarbeit zur Bewältigung einiger der drängendsten gesundheitlichen Herausforderungen und zur Nutzung einiger der größten Chancen für diese Subregion zu einigen.

Dr. Jakab bekräftigte die uneingeschränkte Bereitschaft der WHO zur Stärkung dieser Kooperation und erkannte dabei an, dass auch eine subregionale Zusammenarbeit eine wichtige Rolle bei der Erzielung von Fortschritten auf dem Weg zur Verwirklichung der SDG spielt.