Weltgesundheitsversammlung Teil 3: Themen von besonderem Interesse für die Europäische Region

An den letzten Tagen der 72. Weltgesundheitsversammlung in Genf fassten die Mitgliedstaaten eine Reihe wichtiger Beschlüsse. Dazu zählten:

  • eine neue globale Strategie über Gesundheit, Umwelt und Klimawandel, die der Weltgemeinschaft und der Gesundheitspolitik Wege aufzeigt, um bis 2030 auf die Gefahren und Herausforderungen für Umwelt und Gesundheit zu reagieren;
  • ein Beschluss zur Beschleunigung und Ausweitung von Maßnahmen für die Prävention und Behandlung nichtübertragbarer Krankheiten – in erster Linie Krebs, Diabetes, Herz- und Lungenerkrankungen – und zur Erfüllung globaler Zielvorgaben für die Reduzierung der Zahl der Menschen, die zu früh an diesen Krankheiten sterben;
  • die Einrichtung des Welt-Chagas-Tages, der jährlich am 14. April begangen werden soll;
  • die Erklärung von 2020 zum Jahr der Pflegekräfte und Hebammen;
  • ein Beschluss, die WHO u. a. darum zu ersuchen, zusammen mit dem Globalen System zur Überwachung und Bekämpfung von Influenza (GISRS) und anderen Partnern den Austausch von Influenzaviren zu verbessern und mit den Mitgliedstaaten und maßgeblichen Interessengruppen einen Bericht über den Austausch von Influenzaviren und den Schutz der öffentlichen Gesundheit im Kontext von Gesetzen und ordnungspolitischen Maßnahmen zu erstellen;
  • die Annahme der 11. Revision der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11), die am 1. Januar 2022 in Kraft treten soll, als die Grundlage für die Ermittlung gesundheitlicher Trends und Statistiken weltweit, die internationale Norm für die Meldung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen sowie den Standard für die diagnostische Klassifikation für alle klinischen und forschungsbezogenen Zwecke;
  • ein Bekenntnis zur Patientensicherheit als einer zentralen gesundheitspolitischen Priorität sowie zu der Notwendigkeit, gemeinsame Maßnahmen zur Verringerung der Schäden für Patienten in Gesundheitseinrichtungen zu ergreifen und künftig jährlich am
    17. September den Welttag der Patientensicherheit zu begehen;
  • die Vereinbarung, den Weg für eine bessere und schnellere Versorgung von zeitsensiblen Gesundheitsproblemen wie Verletzungen, Herzinfarkten, psychischen Störungen, Infektionen und Schwangerschaftskomplikationen zu ebnen;
  • eine neue Resolution zur Verbesserung der Sicherheit der Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene weltweit, in der darauf hingewiesen wird, dass dies eine entscheidende Maßnahme für die Verhinderung der Ausbreitung von Infektionen, die Verringerung der Zahl der Todesfälle bei Müttern und Neugeborenen und die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung ist;
  • ein auf fünf Jahre angelegter globaler Aktionsplan zur Förderung der Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten, dessen inhaltliche Schwerpunkte die Verwirklichung der allgemeinen Gesundheitsversorgung und das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit für Flüchtlinge, Migranten und die ortsansässige Bevölkerung sind;
  • eine Resolution zur Verbesserung der Transparenz der Märkte für Arzneimittel, Impfstoffe und andere Gesundheitsprodukte durchgezielte Bemühungen um Ausdehnung der Versorgung.

Beiträge im Plenum

Zahlreiche Delegierte aus Ländern der Europäischen Region der WHO beteiligten sich aktiv an Debatten über sämtliche der vorstehend genannten zentralen Tagesordnungspunkte. Sie äußerten sich auch in Diskussionen über Personalfragen; dabei schnitten Deutschland, die Niederlande, die Russische Föderation und das Vereinigte Königreich Themen wie Fachkräftemobilität, Gleichstellung, sichere Arbeitsumfelder und Null-Toleranz gegenüber sexueller Belästigung an.

Mit Blick auf die Reformprozesse innerhalb der WHO – sowohl die Umgestaltungsziele als auch die Umsetzung der Reform des Entwicklungssystems der Vereinten Nationen – unterstrich Rumänien im Namen der Europäischen Union, dass die Umgestaltung schon vor Beginn des nächsten Haushaltszeitraums beginnen müsse, und bat um weitere Klarstellung hinsichtlich einiger konkreter Änderungen. Die Russische Föderation und das Vereinigte Königreich begrüßten die grundsätzliche Ausrichtung des Reformprozesses, hoben jedoch auch die Notwendigkeit von mehr Transparenz und ausführlicheren Informationen hervor. Der Generaldirektor versicherte den Delegierten, die WHO sei bereit, über die von ihr gegebenen Versprechen Rechenschaft abzulegen, erinnerte sie jedoch auch daran, dass nachhaltige Veränderungen Zeit erforderten.

Einige Länder der Europäischen Region griffen auch in die Beratungen über die Beendigung der Tuberkulose, die Stärkung der Synergieeffekte zwischen der Weltgesundheitsversammlung und der Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, die Fortschrittsberichte zu übertragbaren und nichtübertragbaren Krankheiten, die Weiterverfolgung der Ergebnisse der Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf hoher Ebene zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und die Globale Strategie für die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen ein.

Nebenveranstaltungen

Auch an den letzten Tagen der Weltgesundheitsversammlung fanden eine Reihe von Nebenveranstaltungen statt, darunter eine über die Zusammenarbeit der WHO mit der Zivilgesellschaft zur Herbeiführung von Fortschritten im Bereich Klimawandel und Gesundheit sowie eine Veranstaltung über Krankheitsprävention und die Rolle der primären Gesundheitsversorgung bei der Verwirklichung einer nachhaltigen allgemeinen Gesundheitsversorgung. Letztere Veranstaltung wurde von Estland und der Türkei gemeinsam finanziert.

Die Weltgesundheitsversammlung ging am 28. Mai zu Ende und tritt im Mai 2020 in Genf wieder zusammen.