Weltgesundheitsversammlung, Tag 2: Allgemeines Arbeitsprogramm für die nächsten sechs Jahre verabschiedet

WHO/Pierre Albouy

Die schwedische Ministerin für internationale Entwicklungszusammenarbeit, Gunilla Carlsson, bei ihrer Rede vor der Weltgesundheitsversammlung. Foto: WHO/Pierre Albouy

Die Weltgesundheitsversammlung verabschiedete am 21. Mai 2013 eine Resolution über das Allgemeine Arbeitsprogramm. In diesem wird eine Zukunftsvision aus hoher strategischer Perspektive für die Arbeit der WHO bis zum Jahr 2019 dargestellt und ferner erläutert, wie die Organisation zur Erreichung der gesundheitlichen Resultate in allen Teilen der Welt beitragen wird.

Die Weltgesundheitsversammlung stimmte auch Veränderungen an der Finanzordnung und den Finanzvorschriften zu, wonach die Mitgliedstaaten künftig den gesamten Haushalt der WHO verabschieden, der sich aus ordentlichen und freiwilligen Beiträgen zusammensetzt. Dies ist ein entscheidender Bestandteil der Finanzreform in der WHO.

Die 66. Weltgesundheitsversammlung findet vom 20. bis 28. Mai 2013 in Genf statt.

Punkte von besonderem Interesse für die Europäische Region

  • In ihrer Rede vor der Weltgesundheitsversammlung wies die schwedische Ministerin für internationale Entwicklungszusammenarbeit, Gunilla Carlsson, darauf hin, dass der Anstieg der Lebenserwartung nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Zahl der gesunden Lebensjahre einhergehe. Sie erläuterte ihre Zukunftsvision von Gesundheit im gesamten Lebensverlauf und nannte als zentrale Aspekte die Senkung der Kindersterblichkeit, Impfungen im Kindesalter, gesundheitsförderliches Verhalten und Zugang zur Gesundheitsversorgung im Jugend- und Erwachsenenalter sowie ein Altern in Gesundheit. Abschließend brachte die Ministerin ihre uneingeschränkte Unterstützung für den Reformprozess in der WHO zum Ausdruck, der diese zu einer moderneren und leistungsfähigeren Organisation mache.
  • Die Delegationen mehrerer Länder aus der Europäischen Region nannten Prioritäten für die Entwicklungsagenda nach 2015, dem Zieldatum für die Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele. Belgien bezeichnete es als nicht hinnehmbar, dass manche Familien verarmten, weil sie die benötigten Gesundheitsleistungen nicht bezahlen könnten, und rief dazu auf, die allgemeine Gesundheitsversorgung zu einer Priorität zu machen. Die isländische Delegation nannte als vorrangige Themen gesundes Altern, nichtübertragbare Krankheiten, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und die Notfallvorsorge. Malta forderte, die künftigen Ziele müssten auf Rechte gestützt sein, und Gesundheit müsse zu einem politischen Querschnittsziel werden. Die Delegation Polens sprach sich für die Einbeziehung von Themen wie Ausbreitung der nichtübertragbaren Krankheiten, Zugang zur primären Gesundheitsversorgung und Verbesserung der ressortübergreifenden Zusammenarbeit aus.
  • Die portugiesische Delegation nannte in einer Wortmeldung im Plenum als ihre nationalen Prioritäten die Verbesserung von Qualitätsnormen in der klinischen Versorgung, die Bekämpfung der Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen und die Gewährleistung von Wahlfreiheit für Patienten.
  • Die ukrainische Delegation hob während der Diskussion im Plenum die Anstrengungen ihres Landes zur Modernisierung des Gesundheitssystems, aber auch Fortschritte in den Bereichen Gesundheit von Mutter und Kind, HIV/Aids und Tuberkulose hervor und bot den anderen Ländern einen aktiven Erfahrungsaustausch an.
  • Die französische Delegation sprach von dem neuartigen Corona-Virus MERS-CoV und bezeichnete Gesundheitssicherheit als ein entscheidend wichtiges Thema für die internationale Politik. Deshalb müsse die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften zu einem vorrangigen Anliegen werden, und zu den Aufgaben der WHO gehörten eine aktive Vorsorge im Hinblick auf künftige Herausforderungen und ein tatkräftiges Handeln bei gesundheitlichen Notlagen.
  • In einer Wortmeldung im Plenum schilderte die Delegation Kasachstans die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ und die Erfolge ihres Landes bei der Senkung der Kindersterblichkeit und der Erhöhung der Lebenserwartung durch verstärkte Anstrengungen im Bereich der primären Gesundheitsversorgung und wies auf die Einführung neuer Vergütungsmechanismen im Gesundheitswesen und die Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung hin. Kasachstan werde im November anlässlich des 35. Jahrestages der Annahme der Erklärung von Alma-Ata zu einer Konferenz einladen. Die Pläne für die Jubiläumskonferenz wurden von der Delegation in einem bilateralen Gespräch mit der WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, erläutert.
  • Die Delegation Georgiens nannte als gesundheitspolitische Prioritäten ihres Landes eine allgemeine Gesundheitsversorgung, die Qualität von Gesundheitsleistungen und die Patientensicherheit.
  • Die Delegation Israels brachte im Plenum ihre Unterstützung für das Konzept der allgemeinen Gesundheitsversorgung zum Ausdruck.
  • In einer von Schweden und dem Vereinigten Königreich organisierten Nebenveranstaltung lag der thematische Schwerpunkt auf der weltweiten Bedrohung durch Antibiotikaresistenz. Insbesondere wurde davor gewarnt, dass manche Krankheiten möglicherweise bald unbehandelbar würden. Als wesentliche Probleme wurden der Antibiotikamissbrauch, mangelnde Anstrengungen und Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie das Fehlen neuer Antibiotika genannt. Die unter Beteiligung des Regionalbüros für Europa entstandene Strategie der WHO sei in drei Bereiche gegliedert: Sensibilisierung und Mobilisierung maßgeblicher Akteure; Aufbau nationaler Kapazitäten; und Innovation, Forschung und Entwicklung.
  • In einem bilateralen Gespräch zwischen der WHO-Regionaldirektorin für Europa und dem Gesundheitsminister Zyperns, Dr. Petros Petrides, lag der inhaltliche Schwerpunkt auf einer nachhaltigen Reformierung des Gesundheitssystems. Die Regionaldirektorin bot dem Land fachliche Unterstützung bei der Entwicklung eines politischen Dialogs mit wesentlichen nationalen Akteuren sowie konzeptionelle Empfehlungen an, die auf Erkenntnissen über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesundheit basierten.
  • In einem Gespräch mit dem polnischen Gesundheitsminister Bartosz Arłukowicz wurde auf die Bedeutung der Annahme der überarbeiteten EU-Richtlinie über Tabakerzeugnisse sowie auf die ressortübergreifenden Anstrengungen zur Schaffung von Einkommensalternativen für die Tabak produzierenden Länder hingewiesen. Ein weiteres Thema war die Förderung gesunder Essgewohnheiten durch einen Dialog mit der Lebensmittelindustrie und eine angemessene Lebensmittelkennzeichnung.
  • In einem Gespräch mit dem maltesischen Gesundheitsminister Dr. Godfrey Farrugia bedankte sich die Regionaldirektorin bei Malta für die Ausrichtung der Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im Jahr 2012 und lobte die positive Entwicklung der Gesundheitsindikatoren in dem Land. Der Minister bat die WHO um Unterstützung bei der Einleitung eines politischen Dialogs über die Finanzierung des Gesundheitssystems.
  • Die Regionaldirektorin dankte der belgischen Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx für die Unterstützung durch ihr Land bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen sowie für die in Belgien ansässigen Büros der WHO. Das Sozialsystem in Belgien und dessen Schwerpunktlegung auf sozialer Absicherung wurden als positive Beispiele für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung während wirtschaftlicher Krisenzeiten hervorgehoben.
  • Der türkische Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu erörterte bei seinem Zusammentreffen mit der Regionaldirektorin die Pläne für die Ausrichtung der Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im September 2013 in Izmir. Er dankte der Regionaldirektorin für die Hervorhebung der gesundheitspolitischen Erfolge der Türkei und bezeichnete die Themenfelder allgemeine Gesundheitsversorgung und Gesundheit von Mutter und Kind als dauerhaft vorrangige Anliegen seines Landes. Der Minister wies auch darauf hin, dass die Türkei auf dem Gebiet der Bekämpfung des Tabakkonsums viel erreicht habe und künftig verstärkt auch Gesundheitsfragen in Verbindung mit Alkoholkonsum, Ernährung, Adipositas und Bewegung in Angriff nehmen werde.