Der Klimawandel betrifft zusehends die kleinen Länder

Der Klimawandel stellt viele Länder weltweit vor große Herausforderungen und betrifft zusehends die kleinen Länder. Minister und andere hochrangige Gesundheitsbeamte aus den acht Ländern, die sich in der Initiative kleiner Länder zusammengeschlossen haben, kommen am 26. und 27. Juni in Reykjavik zusammen, um Lösungen zu erarbeiten, die zum Schutz der Gesundheit ihrer Bevölkerung vor dieser und anderen Bedrohungen beitragen können. Verstärkte Bemühungen sollen zur Erzielung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beitragen. Dies ist die 5. Jahrestagung der Initiative seit ihrer Gründung im Jahr 2013.

Häufigere und intensivere extreme Wettereignisse

Man geht davon aus, dass der Klimawandel zwischen 2030 und 2050 weltweit etwa 250 000 zusätzliche Todesfälle pro Jahr verursachen wird. Schätzungen zufolge werden sich die direkten Kosten der gesundheitlichen Schäden bis 2030 auf 2–4 Mrd. US-$ pro Jahr belaufen.

Die kleinen Länder müssen sich gegen die Folgen des Klimawandels rüsten, wie etwa den steigenden Meeresspiegel, häufigere und intensivere extreme Wettereignisse wie Hitzewellen, heftige Niederschläge, Überflutungen oder Dürren, zunehmende Wasserknappheit u. a. In der Folge könnten die Wasserressourcen knapp werden; es besteht daher die Notwendigkeit, eine Sanitärversorgung einzurichten, die dem Klimawandel standhalten kann.

„Der Klimawandel bedroht das Leben auf unserem Planeten. Viele kleine Länder sind besonders gefährdet. Glücklicherweise verfügen kleine Länder aus eigenem Antrieb über eine strategische Agilität, finden häufig innovative Lösungen und dienen als Katalysatoren für globale Veränderungen. Wir setzen auf ihre Erfahrung beim Umgang mit ökologischen Herausforderungen und können daraus lernen“, sagt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Eindringliche Forderung nach Investitionen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels

Die Bewältigung der negativen Folgen des Klimawandels hat globale Priorität. Dennoch fehlt es an Investitionen und Maßnahmen, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen zu erfüllen. Man geht davon aus, dass die Tagungsteilnehmer einer politischen Erklärung zustimmen werden, die sich für verstärkte gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels und die Gewährleistung einer sicheren, dem Klimawandel standhaltenden Wasser- und Sanitärversorgung einsetzt.

Durch ihre Zustimmung zu dieser Erklärung verpflichten sich die Delegierten der Initiative kleiner Länder zu konkreten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit vor umweltbedingten Risiken und dem Klimawandel. Die Erklärung betont den gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz, d. h. jedes Segment der Gesellschaft, sämtliche Behörden aller Ebenen tragen eine gemeinsame Verantwortung für den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Menschen.

Austausch über bewährte Praktiken in der Bekämpfung des Klimawandels: Erfahrungen aus Island

Auf der Tagung wird Island seine umfassenden langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Umweltproblemen zugunsten des Wohlbefindens seiner Bevölkerung teilen. Das Land hat in vielfacher Hinsicht den Standard im Bereich des Umweltbewusstseins und des Schutzes von natürlichen Ressourcen (wie Wasser) gesetzt.

„Kein Land wäre besser geeignet als Island – der Weltmeister der Widerstandsfähigkeit – um eine gemeinsame Erklärung über eine dem Klimawandel standhaltende Wasser- und Sanitärversorgung abzugeben. Mit dieser Erklärung rufen die kleinen Länder die Welt nachdrücklich dazu auf, Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden zukünftiger Generationen zu übernehmen und sich gemeinsam darum zu bemühen, dass niemand zurückgelassen wird, wie in den SDG angestrebt. Jetzt ist die Zeit zu handeln“, fügt Dr. Jakab hinzu.

Die Initiative kleiner Länder

Die Initiative kleiner Länder wurde 2013 vom WHO-Regionalbüro für Europa gegründet. Sie umfasst die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO mit einer Bevölkerung von weniger als 1 Mio. Einwohnern und dient als Forum für den Austausch von Wissen und Erfahrungen im Hinblick auf die Umsetzung des Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020“ und der SDG. An der Initiative sind folgende acht Länder beteiligt: Andorra, Island, Luxemburg, Malta, Monaco, Montenegro, San Marino und Zypern. Die Mitglieder richten abwechselnd hochrangige Jahrestagungen aus.

Innerhalb der Initiative sind zwei untergeordnete Netzwerke tätig: das Gesundheitsinformations-Netzwerk der kleinen Länder (SCHIN), das sich mit den spezifischen Herausforderungen in Bezug auf Gesundheitsinformationssysteme und Berichterstattung befasst; und das Netzwerk von Kommunikationsexperten/Journalisten, das sich mit der Kommunikation der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und der Berichterstattung in den Medien über gesundheitliche Themen beschäftigt.