Eröffnung der 71. Weltgesundheitsversammlung

WHO/Laurent Cipriani

An der 71. Weltgesundheitsversammlung, die vom 21. bis 26. Mai 2018 in Genf stattfindet, nehmen Delegationen aus 194 Mitgliedstaaten der WHO teil, von denen viele von Gesundheitsministern angeführt werden. Von ihren Ergebnissen wird der Kurs der WHO in den kommenden fünf Jahren abhängen, da die Länder über die Annahme des Entwurfs des Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramms 2019–2023 (GPW 13) beraten.

Eröffnung im Plenum

Die diesjährige Weltgesundheitsversammlung ist die erste seit der Wahl von Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus zum Generaldirektor der WHO. In seiner Ansprache an die eröffnende Plenarsitzung erklärte Dr. Tedros: „Es gibt kein kostbareres Gut als Gesundheit. Deshalb trägt eine Institution, die die Gesundheit von sieben Milliarden Menschen schützen soll, eine große Verantwortung und muss entsprechend hohe Anforderungen erfüllen.“

Dr. Tedros gab einen kurzen Überblick über die Lage nach dem Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und unterstrich, dass Gesundheitssicherheit und eine allgemeine Gesundheitsversorgung zwei miteinander eng verknüpfte Ziele seien. Anschließend schilderte er eine Reihe größerer Initiativen und Aktivitäten, die die WHO in den vergangenen zwölf Monaten neu in Angriff genommen oder weiterhin als vorrangig behandelt habe. Ferner erläuterte er das GPW 13, in dem der Auftrag und der Strategieplan der WHO festgelegt werden:

„Mit unserem neuen GPW haben wir das Rad nicht neu erfunden. Vielmehr lautet unser Ziel, mit unserer Tätigkeit noch mehr zu bewirken als bisher. Ein ehrgeiziger Anspruch, der aber auch notwendig ist. Es steht zu viel auf dem Spiel, um sich mit weniger zufrieden zu geben. .... Unsere Gründer hatten sich nicht zum Ziel gesetzt, moderate gesundheitliche Verbesserungen zu erreichen. Stattdessen träumten sie von einer Welt, in der alle Menschen das für sie erreichbare Höchstmaß an Gesundheit genießen können – als ein grundlegendes Menschenrecht.“

Auch Präsident Paul Kagame von Ruanda hielt in der eröffnenden Plenarsitzung eine Rede, in der er vor allem auf die allgemeine Gesundheitsversorgung einging, eines der im GPW 13 genannten drei strategischen Gebote. Er nannte mehrere Gründe dafür, dass eine allgemeine Gesundheitsversorgung grundlegende Veränderungen bewirke und ein starkes Engagement von führenden Politikern in aller Welt erfordere, und schilderte konkrete Beispiele aus seinem eigenen Land, bei denen Maßnahmen zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu viel versprechenden Ergebnissen geführt hätten.

Punkte von besonderem Interesse für die Europäische Region

Während der eröffnenden Plenarsitzung wurde Dr. Yelzhan Birtanov, Gesundheitsminister von Kasachstan, zu einem der fünf Vizepräsidenten der Weltgesundheitsversammlung gewählt.

Beiträge im Plenum

  • Die Delegation Bulgariens, die im Namen der Europäischen Union das Wort ergriff, begrüßte den Entwurf des GPW 13 und seine enge Anlehnung an die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG), bat aber auch um nähere Informationen zu verschiedenen Arbeitsbereichen, die der WHO eine Erfüllung ihres ehrgeizigen Plans ermöglichen. Sie unterstrich auch die Bedeutung der weltweit normativen Rolle der WHO und ihrer Tätigkeit in den Ländern und hob hervor, die Reform auf der globalen Ebene müsse von einer Bedarfsabschätzung in den einzelnen Länderbüros begleitet werden.
  • Die Delegation Frankreichs bekräftigte die Entschlossenheit ihres Landes, die WHO zu unterstützen, und insbesondere das Bekenntnis zu dem Ziel einer allgemeinen Gesundheitsversorgung. Sie unterstrich, wie wichtig es sei, eine ausreichende Finanzierung der Gesundheitsversorgung in den Ländern sicherzustellen, Chancengleichheit beim Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und die primäre Gesundheitsversorgung innerhalb der Gesundheitssysteme zu stärken.
  • Die Delegation Deutschlands erklärte, ihr Land begrüße ausdrücklich den jüngsten Besuch des Generaldirektors in der Demokratischen Republik Kongo, bei dem er die Maßnahmen zur Bekämpfung von Ebola in Augenschein genommen habe. Sie kündigte an, Deutschland werde diese Maßnahmen mit weiteren 5 Mio. € unterstützen, und rief die Mitgliedstaaten dazu auf, Gleiches zu tun. Sie hob Deutschlands Entschlossenheit zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Partnerländern hervor, die Gesundheit für alle zum Ziel habe, und erinnerte daran, dass globale Gesundheitspolitik nicht an nationalen Grenzen Halt machen dürfe.
  • Die Delegation der Niederlande erklärte in der Eröffnungssitzung, zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung seien politischer Wille sowie das Engagement nichtstaatlicher Akteure erforderlich. Sie hob auch die Entschlossenheit ihrer Regierung hervor, bei ihren Bürgern aktiv für einen gesunden Lebensstil zu werben, die primäre Gesundheitsversorgung zu stärken und das Problem hoher Arzneimittelpreise in Angriff zu nehmen. Sie unterstrich, wie wichtig Investitionen der Länder in die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV 2005) zur Unterstützung des Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen seien, und erklärte, die Länder des Königreichs der Niederlande würden in den kommenden Monaten eine externe Bewertung der Umsetzung der IGV durchführen. Sie verwies auf die bevorstehende internationale Aids-Konferenz im Juli in Amsterdam und lud die Delegationen aller Länder herzlich dazu ein.
  • Die Delegation der Russischen Föderation erklärte, die allgemeine Gesundheitsversorgung müsse zu einer Priorität für alle Länder werden, denn ohne sie könne die Welt die SDG nicht erreichen. Sie skizzierte einige der wichtigsten Tätigkeitsfelder ihres Landes bei der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden, etwa die Ausweitung des Zugangs zu Medikamenten und die Bewältigung der Herausforderungen aufgrund von Tuberkulose und nichtübertragbaren Krankheiten. Sie erwähnte auch die Unterstützung der Russischen Föderation für andere Länder in der Europäischen Region, namentlich durch das in Moskau angesiedelte Europäische Büro der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten.
  • Die Delegation der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien gab einen Überblick über die wichtigsten Maßnahmen ihres Landes auf dem Gebiet der Gesundheitsreform, die darauf abzielten, allen Bürgern Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung zu verschaffen. Sie hob hervor, dass zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung eine ressortübergreifende Zusammenarbeit und ein starker politischer Wille notwendig seien.
  • Die Delegation des Vereinigten Königreichs erkannte an, dass bei den Bemühungen zur Beendigung der Armut und zur Verbesserung der Gesundheit erhebliche Fortschritte erzielt worden seien, wies jedoch auch auf einige noch verbleibende zentrale Herausforderungen hin, namentlich die Notwendigkeit einer besseren psychischen Gesundheitsversorgung und die wachsende Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen. Sie betonte, es gebe ausgezeichnete Möglichkeiten für eine gemeinsame Bewältigung dieser Herausforderungen, auch mit Partnern wie nichtstaatlichen Organisationen.

Bilaterale Treffen

Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, führte eine Reihe von bilateralen Gesprächen mit Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region, die seit dem Wochenende vor Beginn der Weltgesundheitsversammlung stattfanden.

  • Belarus: Dr. Jakab ermutigte den Gesundheitsminister, die Arbeit des Landes im Bereich der Alkoholpolitik aktiv zu fördern, und erklärte sich bereit, Belarus einen Besuch abzustatten, um diesem Tätigkeitsbereich zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Einige anwesende Kollegen vom WHO-Regionalbüro für Europa dankten dem Minister ferner für die enge Zusammenarbeit mit der WHO bei der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten und stellten fest, Belarus verwende 75% der Indikatoren für die Umsetzung von „Gesundheit 2020“. Der Minister lud Dr. Jakab zu einer Tagung über Tuberkulose in seinem Land ein, die im November 2018 stattfinde.
  • Tschechien: Zwischen Tschechien und dem WHO-Regionalbüro für Europa wurde eine neue zweijährige Kooperationsvereinbarung (BCA) unterzeichnet. Der Gesundheitsminister brachte seine Zufriedenheit über die Zusammenarbeit mit der WHO in wesentlichen Bereichen wie der Bekämpfung des Tabakkonsums und der finanziellen Absicherung zum Ausdruck. Weitere zentrale Prioritäten für sein Land seien die Stärkung der primären Gesundheitsversorgung und die Digitalisierung des Gesundheitssystems. Dr. Jakab dankte dem Minister für die Ausrichtung der Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit in seinem Land im vergangenen Jahr. Beide unterstrichen die Notwendigkeit einer vollständigen Umsetzung der aus dieser Tagung hervorgegangenen Erklärung von Ostrava.
  • Deutschland: Der Gesundheitsminister bekundete sein Interesse an einem Ausbau der Zusammenarbeit mit der WHO, und Dr. Jakab brachte nochmals zum Ausdruck, dass Deutschland in der Europäischen Region wie auch auf der globalen Ebene ein starker Partner für die WHO sei. Dr. Jakab nannte die Bitte Deutschlands, Ghanas und Norwegens, die WHO solle die Ausarbeitung des globalen Fahrplans für die gesundheitsbezogenen SDG koordinieren, als ein Beispiel für die Führungsrolle des Landes im Gesundheitsbereich. Der Minister bat um aktuelle Informationen über die Fortschritte in der Europäischen Region in Bezug auf HIV und Tuberkulose, die er von Dr. Jakab und ihren Kollegen erhielt. Weitere Gesprächsthemen waren die bevorstehenden großen Gesundheitskonferenzen in der Europäischen Region und die Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Bereich Migration und Gesundheit.
  • Griechenland: Dr. Jakab sprach mit dem griechischen Gesundheitsminister über ihren bevorstehenden Besuch in dem Land im Juni. Der Besuch wird im Zeichen der offiziellen Eröffnung des WHO-Länderbüros Griechenland stehen. Das Büro soll als subregional tätige fachliche Schaltzentrale dienen, deren inhaltliche Schwerpunkte die primäre Gesundheitsversorgung und die Einbeziehung der öffentlichen Gesundheitsdienste auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung sowie der Themenkomplex Migration und Gesundheit sein werden.
  • Kirgisistan: Mit dem Stellvertretenden Gesundheitsminister sprach Dr. Jakab über die Notwendigkeit, die Arbeiten am nationalen Gesundheitssystem und an den SDG zu intensivieren, namentlich durch einen klaren Aktionsplan für die Umsetzung. Sie unterhielten sich über die Möglichkeit, ein Team der WHO in das Land zu entsenden, um es bei der konkreten Inangriffnahme der sozialen Determinanten von Gesundheit zu unterstützen. Weitere Gesprächsthemen waren die Straßenverkehrssicherheit und der Bereich e-Gesundheit, vor allem in Bezug auf Normen und Standards, sowie elektronische Gesundheitsakten.
  • Litauen: Der litauische Gesundheitsminister dankte Dr. Jakab für die Unterstützung der WHO bei Impfmaßnahmen gegen Hepatitis B, insbesondere bei den Preisverhandlungen. Ein weiteres Gesprächsthema war die Mission der WHO nach Litauen zum Thema Tabakbekämpfung. Dr. Jakab ermutigte den Minister, die Anstrengungen für eine vollständige Umsetzung des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs fortzusetzen, und dankte ihm für seine Führungsrolle in der Alkoholpolitik. Ferner bot sie die uneingeschränkte Unterstützung der WHO bei der laufenden Gesundheitsreform an. Abschließend wurde wischen Litauen und dem WHO-Regionalbüro für Europa eine neue BCA unterzeichnet.
  • Malta: Im Mittelpunkt von Dr. Jakabs Gespräch mit dem Stellvertretenden Premierminister standen die Bewältigung gesundheitlicher Notlagen, namentlich die Reaktion der WHO auf den Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, sowie die fachliche Zusammenarbeit mit der WHO bei der Bewältigung der Herausforderungen für die Gesundheitssysteme kleiner Länder, die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und die Straßenverkehrssicherheit. Zwischen Malta und dem WHO-Regionalbüro für Europa wurde eine neue BCA unterzeichnet.
  • Slowenien: Dr. Jakab dankte der Gesundheitsministerin für die Ausrichtung der von den Mitgliedern des Exekutivrates der WHO aus der Europäischen Region und den Mitgliedern des Ständigen Ausschusses durchgeführten Mission, die der Unterrichtung über die Arbeit der WHO auf der Länderebene gedient habe. Weitere Gesprächsthemen waren die bevorstehenden Feierlichkeiten zum Jahrestag der Unterzeichnung der Charta von Tallinn, die künftige Rolle der Europäischen Kommission in der Gesundheitspolitik, die zentrale Bedeutung von Gesundheit innerhalb der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Notwendigkeit eines ressortübergreifenden Ansatzes im Gesundheitsbereich.
  • Ukraine: Dr. Jakab gratulierte der kommissarischen Ministerin zu ihrer Führungsrolle bei den laufenden Gesundheitsreformen in der Ukraine. Die Ministerin berichtete, dass mittlerweile 4,8 Mio. Ukrainer Zugang zu bei staatlichen Gesundheitszentren registrierten Allgemeinärzten hätten und dass der Reformprozess mit starker Unterstützung durch die Politik weiter voranschreite. Die Schwerpunkte des Gesundheitsministeriums lägen auf der Schaffung politischer Handlungskonzepte und der Sicherstellung ihrer Umsetzung.

Nebenveranstaltungen

Am 21. Mai 2018 fand eine von Afghanistan und der Schweiz organisierte Nebenveranstaltung über allgemeine Gesundheitsversorgung in instabilen Staaten und bei Konflikten statt. Ihre Zielsetzung bestand darin, für die Bedeutung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in Notlagen zu sensibilisieren. Die Veranstalter schlugen vor, ein Verfahren einzurichten, um einen konkreten Handlungsappell zur Verbesserung des Verständnisses und der Förderung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung unter diesen schwierigen Bedingungen zu entwickeln.

Laufveranstaltung

Am 20. Mai 2018, dem Vortag der Eröffnung der 71. Weltgesundheitsversammlung, hielt die WHO in Genf eine größere Veranstaltung zum Thema Gesundheitsförderung ab. Die frei zugängliche Lauf- bzw. Gehveranstaltung unter dem Motto „Verwirklichung der Vorsätze: Gesundheit für alle als Herausforderung“ stand Menschen aller Altersgruppen und Leistungsniveaus offen. Mit den Routen der Veranstaltung sollte eine Brücke zwischen dem „internationalen“ und dem „lokalen“ Genf und dem Genfer See gebaut werden, indem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt in gesundheitlicher, internationaler und touristischer Hinsicht miteinander verbunden wurden. Mitarbeiter des WHO-Regionalbüros für Europa bekundeten zusammen mit anderen Teilnehmern der Veranstaltung in Genf und weltweit ihre Unterstützung für gesunde Lebensgewohnheiten.