Georgien richtet den Blick auf die Eliminierung der Hepatitis C

Ministry of Labour, Health and Social Affairs, Georgia

A patient receives new antiviral drugs for hepatitis C in Georgia.

Im April 2015 stellte Georgien sein neues Programm zur Eliminierung von Hepatitis C vor, das Menschen mit Hepatitis C und schweren Lebererkrankungen Zugang zu einer neuen kurativen Therapie gibt. Da die neuen direkt antiviral wirksamen Medikamente (directly acting antiviral agents) für die meisten Betroffenen bislang unbezahlbar sind, will Georgien Diagnose und Therapie für alle verbilligen und entsprechende Kapazitäten aufbauen.

Eine Kombination aus politischer Entschlossenheit, Unterstützung durch die Öffentlichkeit und Erfahrungswissen aus dem Kampf gegen HIV führte zu diesem neuen Programm. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales arbeitet hierfür mit einem Pharmaunternehmen zusammen, stellt zu Beginn des Programms 5000 Behandlungen kostenfrei zur Verfügung und will später jährlich 20 000 Behandlungen gratis anbieten. Am 22  Juli waren bereits 2042 Patienten mit Hepatitis C in Behandlung, nachdem über 7600 Personen in den ersten Monaten des Programms auf Eignung zur Teilnahme untersucht worden waren.

Ausgangslage für die Eliminierung von Hepatitis C

Hepatitis C lässt sich aufgrund gewisser Eigenschaften besonders gut eliminieren: Menschen sind der einzige natürliche Wirt für das Hepatitis-C-Virus und wirksame Therapie, Diagnose und Prävention sind möglich. Es bleiben aber noch Herausforderungen bestehen, etwa der symptomlose Verlauf einer Hepatitis C mit daraus folgender später Diagnose, die Übertragung unter schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen (etwa Drogen injizierende Menschen) mit Risiko einer wiederholten Infektion und die große Krankheitslast insgesamt, auch geraden in Gebieten mit schwer zugänglichen wirksamer, bezahlbarer Untersuchungs- und Behandlungseinrichtungen.

Als Antwort auf diese Herausforderungen will Georgien einen umfassenden Eliminierungsplan formulieren, zu dem Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit, epidemiologische Überwachung (samt hochwertiger Diagnose) und Prävention (Infektionsbekämpfung, Blutsicherheit, Schadensminderung) gehören werden. Außerdem hat das Ministerium einen umfassenderen Einsatz gegen Hepatitis C eingeleitet, hierunter das Angebot kostenloser Tests zur Aufdeckung von Infektionen und verbesserte Infektionsbekämpfung. Das Nationale Zentrum für Krankheitsbekämpfung und öffentliche Gesundheit in Tiflis führt gemeinsam mit den Centers for Disease Control and Prevention der Vereinigten Staaten eine serologische Studie über Hepatitis B und C in Georgien durch. 7000 zufällig ausgewählte Bürger sollen hierfür bis Mitte August 2015 untersucht werden.

Das neue georgische Programm kann auch anderen Ländern als Muster für ähnliche Ansätze dienen.

Hepatitis C in Georgien

Eine Untersuchung aus dem Jahre 2002 stellte fest, dass 6,7% der Bevölkerung der Hauptstadt Tiflis, die zugleich die größte Stadt Georgiens ist, Antikörper gegen das Hepatitis-C-Virus aufwiesen. Besonders hoch ist die Prävalenz von Hepatitis C in Gefängnissen (50%), unter Drogen injizierenden Menschen (50–70%) und unter Menschen mit HIV (47%).