TOMYS und die rapide Ausweitung der primären Gesundheitsversorgung in Griechenland

Innerhalb von nur knapp einem Jahr wurden in Griechenland nahezu 120 neue gemeindenahe Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung eröffnet, die kostenlos genutzt werden können und die auf Griechisch als „Topikes Monades Ygias“ (TOMYs) bezeichnet werden.

Die Einrichtungen sind zentrale Elemente des neu eingeführten Systems der primären Gesundheitsversorgung und dienen als Eintrittspunkte und Hauptanlaufstellen für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region.

Seit Beginn der Registrierungsphase Ende 2017 haben sich mehr als 300 000 Menschen bei TOMYs registrieren lassen und bereits deren Gesundheitsangebote in Anspruch genommen. Mehr als 1 Mio. Menschen wiederum haben sich im restlichen Netz der primären Gesundheitsversorgung registrieren lassen, u. a. in Gesundheitszentren und privaten Praxen. Eine kürzlich mit Unterstützung der WHO durchgeführte Umfrage zur Patientenzufriedenheit ergab, dass die TOMYs sehr positiv aufgenommen wurden: es gibt eine hohe Nutzerzufriedenheit und die Nachfrage übertrifft alle Erwartungen.

In den TOMYs erbringen fachübergreifende Teams (Allgemeinärzte, Kinderärzte, Pflegekräfte, Gemeindeschwestern und Sozialarbeiter) kontinuierlich Gesundheitsleistungen und befassen sich mit Fragen der Krankheitsprävention, Gesundheitsförderung, Diagnostik, Behandlung, Überwachung und Pflege. Die neuen Einrichtungen führen zudem nach und nach klare Verfahren für die Überweisung ein. Dies ist eine wesentliche Veränderung gegenüber dem ansonsten zersplitterten Netz aus einer Vielzahl verschiedener staatlicher und privater Leistungsanbieter, überwiegend Fachärzten, die auf Wunsch Leistungen erbringen, allerdings ohne viel Abstimmung.

Die Auswirkungen sind deutlich zu spüren. So sagt etwa der 80-Jährige Pantelis Leousis aus Metamorfosi in der Region Attica: „Die TOMYs sind eine großartige Einrichtung und ein großer Durchbruch für das Gesundheitswesen. Mehr Gesundheit für alle!“

Zusammenarbeit wird belohnt

Das griechische Gesundheitssystem hat stark unter der Finanzkrise gelitten, denn diese hatte direkte Auswirkungen auf den Zugang zu Gesundheitsleistungen, die Versorgungsqualität und die finanzielle Absicherung. Der von der Krise ausgehende Druck förderte in Bereichen wie der Organisation des Gesundheitswesens und der primären Gesundheitsversorgung langfristige Probleme zutage.

Angesichts dieser Herausforderungen unternahmen die WHO und das griechische Gesundheitsministerium gemeinsame Anstrengungen, um im Rahmen ihres gemeinsamen Engagements für die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung einen Vorschlag für eine umfassende Reform der primären Gesundheitsversorgung zu erarbeiten. Die neuen TOMYs sind das Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

„Diese Reform zielt darauf ab, den Schwerpunkt von der Behandlung hin zur Prävention zu verlagern. Sie stellt eine evidenzbasierte Antwort auf die Krise des Gesundheitssystems und auf den Wunsch der Gesellschaft nach Beseitigung gesundheitlicher Ungleichheiten dar“, erklärt Gesundheitsminister Andreas Xanthos.

Das neu etablierte gemeindenahe Netzwerk der primären Gesundheitsversorgung in Griechenland ergänzt die Bemühungen der griechischen Regierung, sicherzustellen, dass auch die nicht versicherte Bevölkerung Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung hat. Dies zeigt nicht nur, dass die primäre Gesundheitsversorgung noch immer eine wichtige Rolle spielt und einen notwendigen Aspekt auf dem Weg zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung darstellt. Es setzt auch ein Zeichen, dass Investitionen in patientenorientierte Gesundheitsleistungen dazu beitragen können, nachhaltige Gesundheitssysteme aufzubauen.

„Seite an Seite mit dem Gesundheitsministerium haben wir erhebliche Anstrengungen unternommen, die auch in Zukunft zur Verbesserung der Gesundheit aller Menschen in Griechenland, einschließlich der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, beitragen werden“, sagt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen WHO und griechischem Gesundheitsministerium führte im Jahr 2018 zur Einweihung eines WHO-Länderbüros in Athen, mit dem die fortgesetzte Zusammenarbeit bei den Bemühungen um eine Reform der primären Gesundheitsversorgung gewährleistet werden soll. Darüber hinaus hat die Eröffnung des neuen Länderbüros es der WHO ermöglicht, ihre Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium auch auf andere wichtige Bereiche der öffentlichen Gesundheit auszuweiten.