WHO-Regionalbüro für Europa will gesundheitliche Folgen der Schlammkatastrophe in Ungarn bewerten

Ein Expertenteam der WHO reist heute nach Ungarn, um die von der Regierung durchgeführte Bewertung der potenziellen kurz- und langfristigen Gesundheitsfolgen der Schlammkatastrophe vom 4. Oktober 2010 für den Westteil des Landes fachlich zu unterstützen.

Die akuten Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung waren schwerwiegend, aber räumlich begrenzt; insgesamt starben acht Menschen, über 120 wurden verletzt. Zu den unmittelbaren gesundheitlichen Folgen des Unfalls gehörten Tod durch Ertrinken und Verätzungen infolge des hohen pH-Wertes (>12) des Rotschlamms. Nun gilt es die gesundheitlichen Folgen einer möglichen Exposition gegenüber Staub, Wasser und lokal erzeugten Lebensmitteln zu bewerten; Letztere weisen möglicherweise eine erhöhte Schwermetallbelastung auf. Die ungarischen Behörden beobachten die Lage ständig und haben die in diesem Stadium erforderlichen Gesundheitsschutzmaßnahmen eingeleitet.

Der Schlamm gelangte Ende letzter Woche in die Donau und könnte sich in verdünnter Form auf stromabwärts gelegene Länder ausbreiten. Diese Möglichkeit sowie ihre etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen sollen nun untersucht werden. Auch wenn ernste kurzfristige Gesundheitsfolgen als unwahrscheinlich gelten, können über potenzielle mittel- bis langfristige Auswirkungen einer Kontaminierung mit Schwermetallen (z. B. über die Nahrungsmittelkette) erst Aussagen gemacht werden, wenn mehr Informationen vorliegen. Die Gefahr, dass sich kontaminierter Staub vom Ort des Unfalls auf die benachbarten Länder ausbreitet, wird als vernachlässigbar angesehen.

Die Mission der WHO wird eine fachliche Bewertung der kurz-, mittel und langfristigen Auswirkungen des Unfalls auf die Gesundheit der Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet vornehmen. Die ungarischen Behörden werden anhand der Ergebnisse angemessene Vorsorgemaßnahmen treffen. Dem Team gehören internationale Experten an, die die durch die Umwelt (und insbesondere durch kontaminiertes Wasser und Chemikalien) bedingten gesundheitlichen Risiken bewerten und bewältigen sollen.

Das WHO-Regionalbüro für Europa ist bereit, den Regierungen der stromabwärts von Ungarn gelegenen Donauanliegerstaaten bei Bedarf fachliche Hilfe zu gewähren.