Saubere Gesundheitsversorgung – die alltägliche Maßnahme zur Verhinderung, Vorsorge, Bewältigung und Überwindung von gesundheitlichen Notlagen

Mitchell Schwaber

Der Tag der Handhygiene am 5. Mai bietet Gelegenheit, die Kampagne „Saubere Hände retten Leben“ zu unterstützen. Jeder darf mit Recht eine saubere Gesundheitsversorgung erwarten, sei es in einem Feldkrankenhaus, einem Pflegeheim oder einem hochmodernen Operationssaal. Der schlichte Akt des Händewaschens ist Teil eines großen Ganzen, zu dem auch Notfallvorsorge, die Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen und der Kampf gegen antimikrobielle Resistenz gehören.

Als Spezialist für die Infektionsbekämpfung war Prof. Mitchell Schwaber Teil der Einsatzgruppe, die im Jahr 2006 mit der Bewältigung eines Ausbruchs einer tödlichen, arzneimittelresistenten Art des Bakteriums Klebsiella in Israel befasst war. Er verfügt über einzigartige Kenntnisse darüber, wie dieser Ausbruch mithilfe von Maßnahmen unter Kontrolle gebracht werden konnte, die auf den Grundlagen der Infektionsbekämpfung beruhen. Hierzu gehört etwa eine ordnungsgemäße Handhygiene. Die Lehren aus dieser Herausforderung veränderten nachhaltig die Konzepte für den Infektionsschutz und die Infektionsbekämpfung in Israel und trugen dazu bei, zukünftige Ausbrüche zu verhindern.

Es wird angenommen, dass die Carbapenem-resistente Form des Klebsiella-Bakteriums (CRK) erstmals Ende 2005 in Israel auftrat und sich dann in Windeseile in zahlreichen Gesundheitseinrichtungen ausbreitete. Das Bakterium kann bei gefährdeten Patienten gefährliche Infektionen in Wunden und Blut sowie eine Lungenentzündung verursachen.

Da diese Form der Klebsiella gegen die meisten Antibiotika-Klassen resistent ist, ist sie oftmals sehr schwer zu behandeln. Zum damaligen Zeitpunkt gab es in Israel keine nationale Einrichtung für den Infektionsschutz. Es war daher nahezu unmöglich, sich ein Bild von der nationalen Situation zu machen. Im Jahr 2007 brachte eine Tagung dann zahlreiche Spezialisten für die Infektionsbekämpfung zusammen, die zu einer alarmierenden Erkenntnis kamen.

„Jeder brachte Daten aus seinem Institut mit und erst als wir alle in einem Raum versammelt waren, wurde uns klar, was genau vor sich ging. Wir erkannten, dass durch dieses Problem die gesamte stationäre Infrastruktur in Israel bedroht war“, erläutert Prof. Schwaber.

Bedrohung der stationären Infrastruktur

Die Gruppe informierte umgehend das Gesundheitsministerium und gab zwei Empfehlungen ab: erstens, nationale Anordnungen über die wirksame Isolation von mit CRK infizierten Patienten zu erlassen; zweitens, eine Einsatzgruppe für die Überwachung der Umsetzung dieser Anordnungen und die Durchführung zusätzlicher Maßnahmen zur Bewältigung des Ausbruchs einzurichten.

Das Ministerium folgte beiden Empfehlungen und aus der Einsatzgruppe ging das Nationale Institut für Infektionsschutz und Antimikrobielle Resistenz hervor. Es fungiert als ständige nationale Einrichtung für den Infektionsschutz und entwickelt über den CRK-Ausbruch hinaus neue Handlungskonzepte.

„Das erste von uns veröffentlichte Rundschreiben im Jahr 2009 befasste sich mit dem Thema Handhygiene“, erinnert sich Prof. Schwaber. „Wir erkannten, dass diese zu den wichtigsten Grundlagen gehört: man kann keinen Infektionsschutz betreiben, ohne Handhygiene zu etablieren. Seitdem ist dies allgemein anerkannt.“

Das Rundschreiben wurde zur gleichen Zeit veröffentlicht wie die WHO-Leitlinien für Handhygiene in der Gesundheitsversorgung. Beide basierten auf den fünf Momenten, in denen gute Handhygiene zu gewährleisten ist:

  • vor Berühren eines Patienten;
  • vor sauberen/keimfreien Verfahren;
  • nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder nachdem man einem entsprechenden Risiko ausgesetzt war;
  • nach Berühren eines Patienten;
  • nach Berühren von Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des Patienten.

Gewonnene Erkenntnisse führten zu nachhaltigen Veränderungen

Der CRK-Ausbruch führte letztendlich zu nachhaltigen Veränderungen. Das Institut führt Besuche vor Ort sowie Mitarbeiterschulungen durch und vermittelt die Grundsätze der Handhygieneüberwachung. Dabei bekräftigt es, dass das Institut selbst die Handhygiene als ein grundlegendes Element des Infektionsschutzes und der Infektionsbekämpfung betrachtet.

„Infektionskontrolle beginnt bei der Handhygiene“, betont Prof. Schwaber. „Es gehört noch weit mehr dazu, aber ohne Handhygiene gibt es keine Infektionskontrolle. Meine größte Hoffnung wäre, dass unsere Rolle als Aufsichtsbehörde eines Tages überflüssig ist, dass wir nicht länger als Kontrollbeamten agieren müssen, da sich jeder darüber im Klaren ist, was er zu tun hat, und sich auch daran hält.“

„Gute Handhygiene ist das erste Werkzeug im Werkzeugkasten für Infektionsschutz und Infektionsbekämpfung“, sagt Dr. Dorit Nitzan, Geschäftsführende Direktorin für gesundheitliche Notlagen in der Europäischen Region beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Die Erfahrungen aus Israel sind ein sehr gutes Beispiel für einen wirksamen Notfallmanagementzyklus im Gesundheitsbereich, von den Erstmaßnahmen bis hin zur Überwindungsphase, in der die Gesundheitssysteme für zukünftige Maßnahmen gestärkt werden.“

„Eine saubere Gesundheitsversorgung ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Zyklus“, betont sie. „Sie schützt die am stärksten gefährdeten Patienten, rettet Leben, hilft im Kampf gegen antimikrobielle Resistenz – und sie beginnt mit sauberen Händen“.