Städte für alle gesünder machen: Erfahrungsaustausch europäischer Bürgermeister

Over Über 300 Bürgermeister und städtische Gesundheitsbeauftragte waren vom 14. bis 16. Juni 2012 in St. Petersburg zur jährlichen Kooperations- und Fachtagung des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO und des Verbunds der europäischen nationalen Gesunde-Städte-Netzwerke versammelt. Während der Konferenz tauschten die Teilnehmer Lösungsansätze für die Schaffung eines städtischen Umfelds aus, das der Gesundheit und dem Wohlbefinden ein Leben lang förderlich ist.

Das Europäische Netzwerk umschließt fast 100 Städte sowie 30 nationale Gesunde-Städte-Netzwerke. Es wurden mehr als 60 Fallstudien präsentiert, von denen viele an andere Verhältnisse angepasst werden können.  

Gesundheitsförderliche Wohngegenden für Kinder
Belfast (Vereinigtes Königreich)

Das von Leslie Boydell, Associate Medical Director, Belfast Trust, initiierte Projekt zur Schaffung gesundheitsförderlicher Wohngegenden für Kinder bemühte sich, 8–10-jährige Kinder in Planungsprozesse einzubeziehen, indem es ihre Ansichten über das bauliche Umfeld erkundete. Aus den so gewonnenen Ansichten wurde eine Charta der Kinder entwickelt, um die Stadtplanung zu beeinflussen, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern und den Kindern Gehör zu verschaffen.

Die Charta wurde auch von den Junior-Ministern im Büro des Ersten Ministers und Stellvertretenden Ersten Ministers sowie dem Bürgermeister von Belfast unterstützt. Aufgrund dieses Projekts wurde das Konzept einer kinderfreundlichen Stadt in Belfast eingeführt und wird nun von einer Reihe Organisationen und Lokalverwaltungen in der Stadt vorangetrieben.

„No all solit“ (Nein zur Einsamkeit)
Udine (Italien)

Das vom Bürgermeister der Stadt Udine, Furio Honsell, vorgestellte Programm unterstützt die älteren Mitbürger, die mehr als 25% der Stadtbevölkerung ausmachen. Über 1000 Ehrenamtliche Mitarbeiter und 30 Organisationen unterbreiten eine Vielzahl von Angeboten gemäß den konkreten Bedürfnissen älterer Menschen. Die Angebote werden über eine jeden Morgen vier Stunden lang geöffnete Telefonzentrale der Stadt koordiniert. Zu den Angeboten zählt die Beobachtung des Gesundheitszustandes älterer Menschen und Hilfe beim Auffinden passender Einrichtungen der Stadt, Fahrdienste und Begleitung zum Arzt oder ins Krankenhaus und das Knüpfen von Freundschaften.

Ehrenamtliche Mitarbeit ist ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung sozialer Ausgrenzung und der Befähigung von Bevölkerungsgruppen an wichtigen Angeboten wieder teilzuhaben. Sie fördert den Gemeinsinn und stärkt das soziale Kapital unter den schwächsten Gruppen in der Stadt.

Rundumplanung für ein gesundes Leben in der Stadt
Yalova (Türkei)

Der Bau der Brücke über den Golf von İzmit schuf in Yalova (Türkei) die Gelegenheit, eine neue strategische Stadtplanung zu entwickeln und zu verwirklichen. Yalova ist eine grüne Stadt, die umgeben ist von schöner Natur und Wäldern und in der die Luft rein ist. Ilkay Akinci von der städtischen Abteilung für Außenbeziehungen führte aus, wie wichtig es gewesen sei, diese Elemente durch die Planung zu bewahren und Prinzipien der gesundheitsförderlichen Städteplanung aufzugreifen, wie sie vom Gesunde-Städte-Projekt der WHO entwickelt wurde.

Zum Plan der Stadt gehört eine neue Herangehensweise an das öffentliche Verkehrswesen durch Fußwege, Beförderungsangebote für ältere Menschen und eine Küstengestaltung mit Fußgängerzonen und Plätzen sowie die Verschönerung des Stadtbildes durch Fassadenrenovierung. Dieser Gesamtplan für ein gesundes Leben in der Stadt wurde gemeinsam mit Universitäten gleichermaßen zum Nutzen von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, älteren Menschen und schwachen Gruppen entwickelt.

Sektorübergreifender Ansatz für Gesundheit in der Stadt
Ischewsk (Russische Föderation)

Seit 2007 ist ein gesundes und aktives Leben und insbesondere die Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität für ältere Menschen ein zentraler Bestandteil der Stadtplanung von Ischewsk. Die Stellvertretende Abteilungsleiterin für Sozialpolitik der Stadt Ischewsk schilderte den sektorübergreifenden Ansatz der Lokalverwaltung, durch den dieses Ziel erreicht werden soll.

Die Sozialverwaltung schuf eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe und beschloss ein langfristiges Programm zur Förderung der öffentlichen Gesundheit: „Gesundheit der Stadt – Gesundheit der Bürger von Ischewsk“. Ältere Menschen beteiligen sich jetzt gemäß ihren Interessen an administrativen Entscheidungsprozessen, was schon zu größerer Erreichbarkeit städtischer Räume (Stichworte: städtische Verkehrsmittel, Familienerholung und körperliche Betätigung) geführt hat. Die Einstellung zur Gesundheit älterer Menschen und ihre aktive Beteiligung an der Gesellschaft habe sich radikal gewandelt. Die Gesundheit älterer Menschen werde heute in den Aktivitäten vieler Abteilungen, Fachleute und der Bürger selbst thematisiert. Das Programm habe zu gesundheitlichen Verbesserungen, einem Abbau der Vereinsamung und zur stärkeren gesellschaftlichen Einbeziehung älterer Menschen geführt.