Studien der WHO zufolge verzeichnet Kasachstan mit die höchsten Salzaufnahmemengen weltweit

WHO/Nathalie Germain Julskov

Traditionelle Lebensmittelmärkte und Straßenverkäufer spielen in ganz Zentralasien eine wichtige Rolle für die Küche der Region. Sie bieten eine große Vielfalt an Nahrungsmitteln, von Obst und Gemüse bis hin zu Fleischwaren, Joghurts und Fertiggerichten. Aktuelle in Kasachstan durchgeführte Studien zeigen jedoch, dass viele dieser Nahrungsmittel sehr energiereich sind, also reich an gesättigten Fetten, Transfetten und Salz – zu viel Salz.

Dies ist besonders besorgniserregend angesichts der Tatsache, dass Kasachstan den Ergebnissen dreier durch die WHO unterstützter Studien zufolge mit die höchsten Salzaufnahmemengen weltweit verzeichnet. Die im Zeitraum 2016–2017 durchgeführten Studien untersuchen gezielt das Lebensmittelumfeld, die Nahrungsaufnahme und die Ernährungspraxis. Sie sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem WHO-Regionalbüro für Europa, der kasachischen Akademie für Ernährung, dem Nationalen Zentrum für das Öffentliche Gesundheitswesen und den WHO-Kooperationszentren.

Eine dieser Studien zeigt, dass die Salzaufnahme in Kasachstan bei rund 17 Gramm pro Tag liegt, was nahezu dem Vierfachen der von der WHO empfohlenen Menge entspricht. Der Bericht wurde am 22. Februar 2019 im Rahmen einer vom kasachischen Gesundheitsministerium organisierten Veranstaltung veröffentlicht.

Alle drei Studien unterstreichen, dass der Förderung einer gesunden Ernährung zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Kasachstan Priorität eingeräumt werden sollte. Im Gesundheitswesen gibt es bereits einige konzeptionelle Lösungsansätze, doch müssten weitere im Rahmen einer wirksamen Zusammenarbeit mit anderen Ressorts wie jenen für Landwirtschaft, Bildung, Medien und Kultur erarbeitet werden.

Das kürzlich unter dem Titel „Gewährleistung einer besseren Ernährung in Kasachstan entscheidend für eine Verwirklichung der SDG“ veröffentlichte Faktenblatt spiegelt die Erkenntnisse all dieser Studien wider.

Hohe Salzaufnahme hat sowohl historische als auch zeitgenössische Wurzeln

Dr. Zarina Keruenova zufolge, der Stellvertretenden Leiterin des Nationalen Zentrums für das Öffentliche Gesundheitswesen, die an einer der Studien beteiligt war, ist das Problem der hohen Salzaufnahme zum Teil durch ein historisches Erbe bedingt, das seine Wurzeln im traditionellen Nomadenleben in der Region hat.

Früher nutzten die Menschen Salz zur Konservierung von Lebensmitteln, insbesondere von Fleisch und Würsten, aber auch für Joghurtarten wie Kurt und Airan. Die Studie stellt fest, dass diese Praxis stark gesalzener traditioneller Speisen auch heute noch verbreitet ist. Durch die Verwendung von verarbeiteten Lebensmitteln, die reich an Fett (einschließlich Transfetten), Zucker und Salz sind, wird das Problem heutzutage jedoch weiter verschärft. Diese Zutaten stehen in engem Zusammenhang mit nichtübertragbaren Krankheiten.

„Die Menschen verzehren zunehmend Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Salz und ungesunden Fetten – sowohl traditionelle als auch industriell verarbeitete Speisen“, erklärt Dr. Keruenova. „Ihre weite Verbreitung ist ein Bild der regionalen Verstädterung und der Globalisierung der Versorgungsketten für verarbeitete Lebensmittel.“

Priorisierung gesunder Ernährungsweisen zur Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG)

Werden die Empfehlungen für eine gesunde Ernährung, insbesondere jene, die sich auf die Salzaufnahme beziehen, von der kasachischen Bevölkerung missachtet, trägt dies zu einer Ausbreitung von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Typ-2-Diabetes und Krebs bei. Die durch diese Erkrankungen verursachten Raten für vorzeitige Mortalität und Behinderung haben Auswirkungen auf die sozioökonomische Entwicklung und beeinträchtigen die Fortschritte Kasachstans auf dem Weg zur Verwirklichung der SDG.

Unter dem Dach der SDG hat die WHO die Länder aufgefordert, auf eine Verringerung der Natriumaufnahme um 30% hinzuarbeiten und durch effektive Handlungskonzepte auf die Verwendung industriell hergestellter Transfettsäuren in Nahrungsmitteln zu verzichten.

Nie war die politische Chance zur Bewältigung nichtübertragbarer Krankheiten größer. Sowohl die SDG als auch die Aktionsdekade der Vereinten Nationen für Ernährung (2016–2025) bieten globale wie nationale Impulse, um Fehlernährung, einschließlich einer ungesunden Ernährungsweise, durch ressortübergreifende, umfassende und integrierte Ansätze anzugehen.

Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bei der hochrangigen Tagung zu nichtübertragbaren Krankheiten im Jahr 2018 angenommene politische Erklärung hat für eine neuerliche Ausrichtung auf die und ein wiederholtes Bekenntnis zur Verwirklichung von Gesundheit für alle durch die Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten gesorgt.