Neuer Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa zeigt Grundsatzoptionen für die Reduzierung von Zuzahlungen für Medikamente in Kirgisistan auf

Samvel Azatyan

Ein neuer Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa untersucht die Ursachen für die hohen Zahlungen aus eigener Tasche für verschreibungspflichtige Medikamente in Kirgisistan und erläutert Wege zur Bewältigung des Problems durch politische Reformen.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat in den Jahren 2013 bis 2015 eine Untersuchung über die Kosten verschreibungspflichtiger Medikamente in Kirgisistan durchgeführt. In diesem Zeitraum erhöhten sich in dem Land die Zuzahlungen für erstattungsfähige Medikamente in der ambulanten Gesundheitsversorgung um 20%. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Anstieg auch auf das Fehlen einer offiziellen Regulierung der Arzneimittelpreise zurückzuführen ist. Zwar hatte Kirgisistan im Jahr 2012 den Versuch unternommen, die Preise zu vereinheitlichen, doch sind die Werksabgabe-, Großhandels- und Einzelhandelspreise nach wie vor unreguliert, und es gibt nur begrenzte Informationen oder Kontrollen über Preise in den Apotheken.
Darüber hinaus musste das Land aufgrund der Abwertung seiner Währung mehr für seine Importe von Medikamenten zahlen als bisher – bei unverändertem Importvolumen. Dieser Sachverhalt wurde während des Untersuchungszeitraums beobachtet.

Auf der Grundlage dieser Beobachtungen schlägt der Bericht eine Reihe von Empfehlungen zur Begrenzung und Reduzierung der hohen Zuzahlungen vor: Regulierung des Preises von Medikamenten, die von der Krankenversicherung erstattet werden; Regulierung der Gewinnspannen des Einzelhandels; Aktualisierung der Vorschriften über die Kriterien und Verfahren für die Ergänzung oder Entfernung von Medikamenten aus der Liste erstattungsfähiger Arzneimittel; und Verbesserung der Datenerhebung über Erstattungspreise. Diese Grundsatzoptionen wurden im September 2016 auf einem Politikforum mit den maßgeblichen Interessengruppen über eine Umstellung auf eine allgemeine Gesundheitsversorgung im Rahmen des aktuellen staatlichen Gesundheitsreformprograms Den Sooluk erörtert.

In dem Bericht wird ferner vorgeschlagen, im Rahmen eines umfassenden Ansatzes für Reformen im Arzneimittelbereich auch die Effizienz der Beschaffung von Arzneimitteln im Krankenhauswesen zu bewerten.
„2016 haben wir mit dem Vorschlag für ein Paket von Vorschriften und ergänzenden Gesetzen über Medikamente ein wesentliches Etappenziel erreicht. In diesem Jahr wird das Parlament Maßnahmen zur Umsetzung des Pakets in die Wege leiten und damit den Zugang zu hochwertigen und bezahlbaren Arzneimitteln verbessern“, erklärte der Gesundheitsminister, Dr. Talantbek Batyraliev.

„Die Einführung einer Preisregulierung hat für uns oberste Priorität, da sie dazu beitragen wird, die Zuzahlungen für Medikamente zu senken. Unser letztendliches Ziel besteht darin, landesweit einen einheitlichen Preis für erstattungsfähige Medikamente zu erreichen, und zwar in jeder Apotheke“, sagte Saltanat Moldoisaeva, Beraterin beim WHO-Länderbüro in Kirgisistan.

Ein wesentlicher Bestandteil der gesundheitlichen Prioritäten in der Europäischen Region und weltweit

Der Bericht mit dem Titel „Reform der Preisgestaltung und Kostenerstattung bei Arzneimitteln in Kirgisistan“ ist ein Bestandteil der Unterstützung des Regionalbüros für die Mitgliedstaaten, wie sie in seiner zweijährigen Kooperationsvereinbarung 2016–2017 mit dem kirgisischen Gesundheitsministerium vorgesehen ist. Das Regionalbüro ist dem Land bei der Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien zur Eindämmung der Kosten und zur Optimierung des Gebrauchs medizinischer Produkte behilflich. Für die Übergangsländer bedeutet dies eine Hilfe bei der Einführung und Unterstützung von Regulierungs-, Preisgestaltungs- und Kostenerstattungssystemen sowie in Bezug auf andere angebotsbezogene Fragen.

Die Verbesserung des Zugangs zu Medikamenten in der Europäischen Region der WHO ist ein Thema auf der Tagesordnung der 67. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa, die im September 2017 in Budapest stattfindet. Sie steht auch in direktem Bezug zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung, deren Zielvorgabe 3.8 lautet: „Zugang zu sicheren, wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln ... für alle“.