Umsetzung eines Systems für e-Gesundheit als Schritt hin zur allgemeinen Gesundheitsversorgung in Lettland

Video – Lettlands Weg zur e-Gesundheit (2017)

Dr. Renāte Snipe ist Chefärztin an der Universitäts-Kinderklinik von Riga, der Hauptstadt Lettlands. Schon vor der Einführung des neuen nationalen Portals für e-Gesundheit durch das lettische Gesundheitsministerium war sie eine begeisterte Verfechterin und frühe Nutzerin von e-Gesundheit. Am 1. Januar 2018 wurde für lettische Gesundheitsfachkräfte die Verwendung des Portals für e-Gesundheit in Zusammenhang mit den Vorzeigeleistungen e-Rezept und e-Krankmeldung verbindlich.

Wie bei allen neuen Prozessen war die Umsetzung mit einigen technischen Problemen verbunden. Aus diesem Grund wurde das neue Portal nicht von allen Gesundheitsfachkräften sofort akzeptiert. Dr. Snipe ist jedoch der festen Überzeugung, dass die Einführung von e-Gesundheit in Lettland eine positive und notwendige Entwicklung darstellt.

„Für uns Gesundheitsfachkräfte besteht der größte Nutzen und unsere größte Erwartung in Verbindung mit der Verwendung von e-Gesundheit darin, die vorherigen Untersuchungen eines Patienten, einschließlich Labortests und radiologischer Untersuchungen, nachverfolgen zu können, und das hat zur Folge, dass Überschneidungen bei hochwertigen Leistungen und Bemühungen vermieden werden“, sagt Dr. Snipe.

„Selbst wenn Patienten ihr Leiden nicht wirklich verstehen oder sich nicht an sämtliche Behandlungen der Vergangenheit erinnern können, erhalten wir einen vollständigen ganzheitlichen Blick auf den Patienten. Meiner Meinung nach ist das sehr wichtig, sowohl im Hinblick auf Praktikabilität als auch auf Patientensicherheit.“

Das Portal für e-Gesundheit wurde mit dem Ziel entwickelt, den Zugang zu Gesundheitsleistungen für alle Menschen in Lettland zu ermöglichen, indem die Effizienz des Gesundheitssystems gesteigert und die Gesundheitsversorgung moderner gestaltet wird – eine Reform, die bitter nötig ist. In Verbindung mit der Umsetzung mussten lettische Gesundheitsfachkräfte sich an die neue, elektronische Art der Arbeit gewöhnen, was sich für einige von ihnen als schwierig erwies.

Dr. Snipe verweist jedoch schnell auf den positiven Effekt, den das System auf ihre Arbeitsweise wie auch die ihrer Kollegen hat: „Der gesamte Prozess wurde beschleunigt. Es kommt viel seltener zu Dosierungsfehlern oder Fehlern bei der Eingabe von Arzneimittelbezeichnungen. Gleichzeitig ist er sehr praktisch im Hinblick auf die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, sowohl für Patienten als auch für Ärzte, da Atteste nun von jedem Computer im Krankenhaus aus ausgestellt werden können. Die Verwendung von gedruckten Formularen ist nicht mehr erforderlich.“

Wenn es doch mal zu technischen Problemen kommt, arbeiten sie und ihre Kollegen gemeinsam mit dem Support-Team schnell und konstruktiv an einer Lösung.

Die Länder der Europäischen Region der WHO haben erkannt, dass e-Gesundheit bei ihren Bemühungen um eine allgemeine Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle spielt. Durch e-Gesundheit können Umfang, Transparenz, Qualität und Zugänglichkeit von Gesundheitsleistungen und -informationen verbessert, die Zahl der Personen mit Zugang zu den verfügbaren Gesundheitsleistungen (einschließlich marginalisierter und unterversorgter Bevölkerungsgruppen) erhöht, die Schulung des Gesundheitspersonals erleichtert und die Effizienz von Gesundheitssystemen und Gesundheitsversorgung verbessert werden.

Nach der Erfahrung von Dr. Snipe hat e-Gesundheit zudem direkte positive Auswirkungen auf die Art und Weise, in der Bürger mit dem Gesundheitssystem interagieren. „Die Patienten sind sehr zufrieden mit elektronischen Rezepten“, sagt sie. „Sie sind begeistert, da sie sie nicht verlieren können und sie sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob ein Apotheker Schwierigkeiten hat, die Handschrift eines Arztes zu entziffern.“

Auch wenn es zunächst einige Schwierigkeiten bei der Umsetzung von e-Gesundheit zu überwinden galt, so ist doch die Prognose dahingehend, ob e-Gesundheit zur Erreichung des Ziels einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in Lettland beitragen wird, nach Ansicht von Dr. Snipe sehr optimistisch. „Ich denke, der Rest Europas hat gezeigt, dass e-Gesundheit der gesamten Bevölkerung Vorteile bringt, und wir hier in Lettland müssen unseren Blick auch weiterhin nach vorne richten. Im Prinzip weiß jeder, dass er den Umgang mit e-Gesundheit lernen muss. Es ist die Zukunft, und wir sind bereit, uns ihr zu stellen.“