Weltgesundheitsversammlung, Tag 2: Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus neuer Generaldirektor der WHO

WHO/L. Cipriani

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus neuer Generaldirektor der WHO.

Am 23. Mai 2017 wählten die Vertreter der Mitgliedstaaten Dr. Tedors Adhanom Ghebreyesus zum neuen Generaldirektor der WHO.

Nach der Wahl wandte sich Dr. Ghebreyesus an das Plenum mit den Worten: „Alle Wege führen zu allgemeiner Gesundheitsversorgung. Dies wird meine zentrale Priorität sein.“ Er konstatierte, dass heute nur die Hälfte der Menschheit ohne Verarmungsrisiko Zugang zur Gesundheitsversorgung erhält.

Dr. Ghebreyesus betonte auch, dass er die WHO zu einem besseren Partner machen und ihre Arbeit effizienter gestalten wolle. Durch ihre Arbeit solle sie helfen, allen das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu ermöglichen, und er wolle sich darauf konzentrieren, „die schwächsten Menschen in den ungünstigsten Lebensumständen zu unterstützen.“

Dr. Ghebreyesus folgt auf Dr. Margaret Chan, die seit dem 1. Januar 2007 Generaldirektorin der WHO ist.

Punkte von besonderem Interesse für die Europäische Region

Beiträge im Plenum

Viele Delegationen bekundeten angesichts des Terroraktes vom 22. Mai 2017 dem Vereinigten Königreich ihre Anteilnahme.

  • Die lettische Delegation nannte in ihrem Beitrag für das Plenum Initiativen Lettlands zur Bewältigung nichtübertragbarer Krankheiten unter anderem durch die Formulierung von Ernährungsstandards, durch ein Verbot des Verkaufs energiereicher Getränke an Kinder sowie des Rauchens in Anwesenheit von Kindern und Schwangeren und die Schaffung eines Netzwerks gesundheitsfördernder Schulen. Es gebe noch Herausforderungen in Bezug auf das Gesundheitsgefälle und den ungleichen Zugang zu Angeboten, denen das Gesundheitswesen durch eine aktive Förderung des Ansatzes von Gesundheit in allen Politikbereichen und der Prävention von Erkrankungen begegnen müsse.
  • Die italienische Delegation erläuterte, wie das Land die Inklusion insbesondere marginalisierter Gruppen priorisiere und einen bürgernahen Dialog fördere. Italien habe mehr als eine halbe Million Flüchtlinge gesundheitlich versorgt, die über den Seeweg dort angekommen seien. Im Rahmen seiner G7-Präsidentschaft betreibe Italien vorrangig den Entwurf wirksamer Gesundheitsstrategien zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels.
  • Im Namen der Gesundheitsminister des Commonwealth betonte die maltesische Delegation die allgemeine Gesundheitsversorgung als ein Mittel zum Erreichen eines nachhaltigen Höchstmaßes an Gesundheit. Der Commonwealth werde sich 2018 mit einer Ausweitung des globalen Kampfes gegen nichtübertragbare Krankheiten und der Stärkung von Effektivität zugunsten der allgemeinen Gesundheitsversorgung befassen. Durch seine Gesundheitsreform wolle Malta für inklusive Gesundheitsangebote sorgen sowie eine freie Wahl der Anbieter und finanzielle Nachhaltigkeit sichern.  Ein angemessener Arzneimittelgebrauch, Anreize für das Personal, Verkürzung der Krankenhausaufenthalte und Investitionen in die primäre Gesundheitsversorgung seien ebenfalls Teil der Reform.
  • Die portugiesische Delegation bezeichnete die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung als ehrgeizig und erläuterte, dass hohe Kosten die Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems und der Zugang zu Arzneimitteln in Portugal gefährden.
  • Die schwedische Delegation hob hervor, dass eine starke, transparente und effiziente WHO wichtig sei, damit Gesundheit in alle Politikbereich integriert und die Agenda 2030 erfüllt werden könnten. Schweden habe hierfür ein ressortübergreifendes Amt geschaffen und zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) nationale Pläne erarbeitet.  Schweden rief auch dazu auf, die sexuellen und reproduktiven Rechte für Männer wie Frauen zu sichern.
  • Die Delegation Luxemburgs betonte die Bedeutung einer Stärkung der Gesundheitssysteme, damit diese gut in sich verzahnt und widerstandsfähig seien. Antimikrobielle Resistenzen, Tabakkonsum und kardiovaskuläre Erkrankungen seien die größten Herausforderungen für Luxemburg, wobei Onkologie und Genetik ebenfalls wichtige Themenbereiche seien.
  • Die Delegation Norwegens dankte der Generaldirektorin für ihren Einsatz als „klare Vorreiterin der globalen Gesundheit“. Die WHO wurde für die Schaffung des Programms für gesundheitliche Notlagen gelobt, doch müssten die Länder sicherstellen, dass dieses Programm angemessen finanziert sei, damit es in Notlagen wirksam agieren könne.
  • Die spanische Delegation bezeichnete das nationale Gesundheitssystem als eine Art von Goldstandard und führend in Bezug auf Organspenden und biomedizinische Forschung und forderte andere Länder zur Zusammenarbeit auf, damit künftige Notlagen sowie antimikrobielle Resistenzen erfolgreich bewältigt werden könnten.
  • Die litauische Delegation betonte in einer Wortmeldung im Plenum die Notwendigkeit, Gesundheitspersonal auszubilden und an ihm festzuhalten, damit eine allgemeine Gesundheitsversorgung möglich sei. Im Rahmen der Präventionsarbeit habe Litauen die Verfügbarkeit von Alkohol eingeschränkt, indem es Werbung und Verkauf begrenzte.
  • Die turkmenische Delegation erläuterte die Arbeit des Landes im Dienste der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) und dankte der WHO für die Zusammenarbeit in Bezug auf externe Evaluationen dieser Arbeit. Es umfasse die Erarbeitung eines Plans für Notfälle und die Durchführung von Notfallübungen im Vorfeld der 5. Asiatischen Hallen- und Kampfsportspiele, die im September in Turkmenistan stattfänden.
  • Die isländische Delegation hob hervor, dass die Agenda 2030 die Förderung und den Schutz der Gesundheit unterstütze. Island unterstütze verstärkt die psychiatrische Versorgung auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung durch Initiativen für e-Gesundheit insbesondere in ländlichen Gebieten.
  • Die türkische Delegation erläuterte, dass die Türkei ihr Gesundheitssystem umgestalte: anfangs habe der Fokus auf dem Abbau von Krankheitslast und Sterblichkeit insgesamt gelegen, dann habe er der besseren Erbringung der Angebote gegolten und wende sich nunmehr der Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung zu, insbesondere etwa durch Eindämmung des Tabakgebrauchs. Die Türkei beherberge derzeit mehr als 3 Millionen Flüchtlinge und rufe dazu auf, die humanitären und gesundheitlichen Bedürfnisse dieser Menschen stärker zu unterstützen.
  • Die polnische Delegation stellte fest, dass „starke Gesundheitssysteme zu Hause beginnen“, und betonte, dass die Gewährleistung der Qualität der Versorgung und der Patientensicherheit wesentliche Elemente eines Gesundheitssystems seien.
  • In einem Beitrag für das Plenum führte die ukrainische Delegation aus, vor welchen Herausforderungen das Land in Bezug auf Impfungen stehe, und bat die Partner um Unterstützung im Abwehrkampf gegen die Rückkehr der Poliomyelitis und der Masern.

Ausschuss A: Vorsorge-, Surveillance- und Gegenmaßnahmen

Mehrere Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region beteiligten sich an den Erörterungen zu gesundheitlichen Notlagen und der Umsetzung der IGV. Im Namen der Europäischen Union begrüßte Malta die Arbeit und den Bericht des Unabhängigen fachlichen Aufsichts- und Beratungsausschusses für das Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen und betonte die Bedeutung einer vollständigen Finanzierung dieses Programms. Malta unterstützte auch den globalen Umsetzungsplan für die IGV und bat um dessen Unterstützung. Die Delegationen Belgiens, Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs, Norwegens, der Russischen Föderation, der Schweiz und der Türkei stellten sich hinter diese Forderung.

Nebenveranstaltungen

  • Auf einer Nebenveranstaltung zur Rolle des Bündnisses für innovative Epidemievorsorge (CEPI für Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) wurde die Entwicklung neuer Technologien zur Verhinderung künftiger Gesundheitskrisen erörtert. Norwegen betonte als ein Gründungsmitglied von CEPI die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit unter Einbeziehung von Mitgliedstaaten, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft für die Vorbereitung auf Epidemien und ihre Abwehr. Deutschland stellte fest, dass Forschung und Entwicklung auch in Krisenzeiten erforderlich seien, damit wirksame Maßnahmen bei Bedarf schnell verfügbar und einsatzbereit würden.
  • Eine weitere Nebenveranstaltung diente der Vorstellung des Berichts der hochrangigen Arbeitsgruppe für Gesundheit und Menschenrechte von Frauen, Kindern und Jugendlichen. Der Bericht enthält neun Empfehlungen zur Schaffung eines befähigenden Umfelds, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Menschen, Stärkung der Erkenntnisgrundlage und öffentlichen Rechenschaft. Im Laufe der Veranstaltung wurde betont, dass transformative Führungsarbeit erforderlich sei, wenn Frauen, Kinder und Jugendliche ihr Potenzial in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden voll ausschöpfen sollen.
  • Die türkische Delegation war Mitorganisatorin einer Nebenveranstaltung zur Stärkung von Gesundheitssystemen für mehr Gesundheitssicherheit.

Bilaterale Treffen

  • In einem Gespräch mit dem neuen bulgarischen Gesundheitsminister Prof. Nikolay Petrov ersuchte dieser Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab um Unterstützung auch durch Fachwissen der WHO zur Vorbereitung des Landes auf den Vorsitz im Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerk und die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union im kommenden Jahr. Dr. Jakab bekundete ihre Unterstützung für die nationalen Initiativen für die Eindämmung des Tabakkonsums und für eine gesunde Ernährung und lud den Minister zum Besuch des Regionalbüros ein, um mehr über dessen Arbeit zu erfahren.
  • In einem Gespräch mit dem Minister für Gesundheit und soziale Sicherheit Dr. Nasim Hoja der Republik Tadschikistan ging es in erster Linie um das Thema Impfschutz. Der Minister dankte der WHO für ihre Unterstützung des nationalen Impftags. Ein besonderer Schwerpunkt galt der Bewältigung grenzüberschreitender Gesundheitsgefahren und der Impfung gegen Poliomyelitis. Die Regionaldirektorin lobte das Land für die Förderung des Impfschutzes insbesondere gegen Masern und Röteln und für Fortschritte in der Gesundheitsreform.
  • Der Gesundheitsminister von Andorra Carles Àlvarez Marfany erwähnte eine Veranstaltung am 19. Juni 2017 anlässlich der Eröffnung eines Wanderwegs zur Förderung der Menschenrechte und gesunder Gewohnheiten, die dem Minister ein Herzensanliegen sind. Er erläuterte außerdem die Initiativen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs und zur Stärkung der Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems, insbesondere im Bereich der primären Gesundheitsversorgung und der Digitalisierung von Gesundheitsakten.
  • Der Gedankenaustausch zwischen Dr. Jakab und Dr. Ulana Suprun, kommissarischer Gesundheitsministerin der Ukraine, handelte von der weiter angespannten Lage hinsichtlich der Gesundheitsfinanzierung und des Impfschutzes.  Die Regionaldirektorin bot Unterstützung der WHO an.
  • Der Generaldirektor der dänischen Gesundheitsbehörde Dr. Søren Brostrøm und Dr. Jakab besprachen bei ihrer Begegnung ein breites Themenspektrum. Dr. Brostrøm erläuterte, dass Dänemark insbesondere Wert auf die Stärkung der Gesundheitssysteme und die Bewältigung chronischer Erkrankungen lege.