Öffentlichkeitsarbeit für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung: Erfahrungen aus kleinen Ländern in der Europäischen Region der WHO

Government of Monaco

The “Moi(s) sans tabac” stop smoking campaign kicks off in Monaco on 1 November 2016

Eines der vier zentralen Handlungsfelder der Initiative kleiner Länder in der Europäischen Region der WHO ist die Unterstützung von Gesundheit 2020 durch eine stärkere Einbindung von Medienpartnern. Zusammenarbeit mit den Medien zu Gesundheitsthemen, -zielen und -vorgaben ist auch von entscheidender Bedeutung für die Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die eine Beteiligung von Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Einzelpersonen in jedem Land fordert, damit die Regierungen zur Rechenschaft gezogen und Fortschritte garantiert werden können.

Öffentlichkeitsarbeit war daher zentrales Thema der Dritten hochrangigen Tagung kleiner Länder, die am 11. und 12. Oktober 2016 in Monaco stattfand. Sie war auch Thema des Workshops für Kommunikationsfachleute und Journalisten aus den Mitgliedstaaten der Initiative. Sowohl am Plenum als auch an dem Workshop beteiligten sich die Vertreter der Länder aktiv. Ihre Erfahrungen zeugten von dem Potenzial kleiner Länder, Pioniere neuartiger Kommunikationsformen zu sein und „Gesundheit 2020“ sowie die Agenda 2030 umzusetzen.

Kommunikationsfachleute und Journalisten erörterten ihr Herangehen an die Vorstellung der Indikatoren für die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die Abfassung positiver Geschichten über Gesundheit, die Gefährdung seriöser Berichterstattung aufgrund von Sensationshunger und die Handhabung von Medienbeziehungen in einem kleinen Land. Ausgehend von dem Bildungsseminar zu Medien und gesundheitlicher Ungleichheit während der Zweiten hochrangigen Tagung in Andorra im Jahr 2015 tauschten sie die seither gesammelten Erfahrungen mit einschlägiger Öffentlichkeitsarbeit in ihren Ländern aus.

Beispiele von Öffentlichkeitsarbeit für Gesundheit in kleinen Ländern der Europäischen Region der WHO

Welfarewatching – Island
In Island wird Welfarewatching durchgeführt, also die Wohlfahrt der Bevölkerung beobachtet, damit aktuelle und künftige Bedarfe an gesundheitlichen und sozialen Bedürfnissen erkannt und das Wohlbefinden der Bevölkerung und das Wohlergehen des ganzen Landes im Blick behalten werden. Fachleute unterschiedlicher Ressorts haben dort eine Reihe von Indikatoren herausgearbeitet, mit denen derartige Informationen als Grundlage für die Politikgestaltung erlangt werden können. Das isländische Wohlfahrtsministerium mit Zuständigkeit für Soziales und Gesundheit und nutzt diese Indikatoren, um Journalisten relevante und qualitativ hochwertige Informationen an die Hand zu geben und so eine öffentliche Debatte über Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger anzuspornen. So entstand ein regelmäßiger Austausch über Daten und Trends und hat sich ein gutes Verhältnis zu den Medien entwickelt.

Ausgehend von den positiven Erfahrungen mit dem Welfarewatching sozialer Indikatoren hat das Ministerium für die weitere Öffentlichkeitsarbeit jetzt auch Indikatoren für die öffentliche Gesundheit definiert (aufgeschlüsselt nach Gesundheitsbezirken). Mit diesen werden öffentliche Gesundheit und der Abbau sozialer Unterschiede diesbezüglich erfasst, damit das Prinzip von Gesundheit besser in allen Politikbereichen verankert wird und SDG 3 (gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten) sowie SDG 10 (Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern) erreicht werden können.

Gut essen, mehr bewegen – Luxemburg

Unter dem Motto „Gesond iessen – méi bewegen“ wird in Luxemburg gesundes Essen und mehr Bewegung in einem Projekt gefördert, das ein Paradebeispiel gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Herangehens an Gesundheit und Wohlbefinden ist. Beteiligt sind hieran als Koordinator das koordinierende Gesundheitsministerium sowie das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugendliche, das Sportministerium und das Familien- und Integrationsministerium. Außerdem engagieren sich für das Projekt Städte, Schulen, Vorschulen, Jugendverbände, Arbeitsplätze und weitere Teile der Zivilgesellschaft. Das Projekt gibt Hefte heraus, in denen Ratschläge für gesundes Essen enthalten sind und der Nutzen regelmäßiger körperlicher Betätigung erläutert wird.

In Zusammenarbeit mit den Medien auch durch jährliche Pressekonferenzen aller beteiligten Ministerien konnte das Interesse der Bevölkerung gewonnen werden. Die ressortübergreifende Abstimmung und Einigung auf eine gemeinsame Aussage war der Schlüssel zum Erfolg in dieser Unternehmung.

Radio für alle – San Marino
San Marino engagiert sich stark für soziale Kommunikation und Gesundheitsförderung. In einer kreativen Zusammenarbeit des Instituts für soziale Sicherheit, dem Bürgerbüro und vier jungen Menschen mit kognitiven Einschränkungen entstand eine einzigartige Initiative unter dem Namen „Radio Tutti“ (Radio für alle). Die jungen Menschen wurden darin unterstützt, ein Radioprogramm über ihre Erfahrungen und Ansichten in Bezug auf Gesundheit und Gesellschaft zu produzieren. Die erfolgreiche Premiere ging im Dezember 2015 in den Äther und seither geht jeden Monat eine neue Produktion auf Sendung.

Moi(s) sans tabac – Monaco
Rauchen verursacht ein breites Spektrum an Krankheiten und ist führende Ursache vermeidbarer Todesfälle. Viele Raucher wissen das und wollen daher das Rauchen aufgeben. Um sie hierin zu unterstützen, hat sich die monegassische Regierung einer Kampagne des französischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales, der Gesundheitsversicherung und des Instituts für öffentliche Gesundheit angeschlossen, die unter dem Motto „moi/s sans tabac“ (ich/Monat ohne Tabak) läuft.

Die Kampagne lehnt sich an ein Vorbild von Public Health England an, das unter dem Motto „Stoptober“ 2012 die Zahl der Ausstiegsversuche während der Dauer der Kampagne um 50% vergrößerte. Die Chancen eines erfolgreichen Ausstiegs steigen nach den ersten 28 Tagen auf das Fünffache.

Durch Öffentlichkeitsarbeit und Präventionsaktivitäten vor Ort ermuntert die Kampagne alle Raucher, 30 Tage rauchfrei zu überstehen, und bietet begleitende Unterstützung an. Den Teilnehmern stehen eine Reihe von Instrumenten zur Auswahl: eine Website mit Informationen über die Vorbereitung auf den Ausstieg und über die Vergrößerung der Erfolgsaussichten, telefonische Beratung von Fachleuten (über Handy und Festnetz), eine Smartphone-App mit persönlicher Hilfestellung und in Partnerapotheken gratis erhältliche Hilfspakete. Das Gesundheitspersonal Monacos arbeitet ebenfalls für die Kampagne und die Teilnehmer.