Erstes nationales Gesundheitsforum in der Republik Nordmazedonien befasst sich mit der Wiederbelebung der primären Gesundheitsversorgung

WHO

Die Republik Nordmazedonien zählt zu den ersten Ländern weltweit, die ihr Bekenntnis zur primären Gesundheitsversorgung in Einklang mit der auf der Globalen Konferenz über primäre Gesundheitsversorgung im Oktober 2018 in Kasachstan angenommenen Erklärung von Astana überprüfen. Diesen Prozess führte das Land im Rahmen des am 13. Februar 2019 abgehaltenen ersten nationalen Gesundheitsforums zum Thema primäre Gesundheitsversorgung fort.

Dr. Venko Filipce, Gesundheitsminister von Nordmazedonien, eröffnete das Forum in Gegenwart von Ministerpräsident Zoran Zaev sowie hochrangigen Vertretern der Regierung, von internationalen Organisationen, nationalen Einrichtungen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft.

In seiner Eröffnungsansprache sagte Dr. Filipce: „Ziel dieses Forums ist es, eine öffentliche Debatte über die neue Vision des Landes zum Thema primäre Gesundheitsversorgung als eine zentrale nationale Priorität zur Verbesserung der allgemeinen Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems anzustoßen sowie ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit dem Ziel der Fortschrittsbeschleunigung auf dem Weg zu ihrer Verwirklichung abzugeben.“

Das Land sieht sich einer wachsenden Zahl gesundheitlicher Herausforderungen gegenüber, darunter Masernausbrüche und geringe Impfraten bei Kindern, suboptimale Gesundheit bei Müttern und Kindern und eine wachsende Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, die allzu oft durch ungesunde Lebensweisen noch verschärft werden.

Ein Ansatz für eine primäre Gesundheitsversorgung würde – bei ordnungsgemäßer Umsetzung – vor vielen dieser gesundheitlichen Herausforderungen schützen und die Gesundheitsversorgung wieder ins Gleichgewicht bringen, während gleichzeitig Familien und Gemeinden ins Zentrum des Gesundheitssystems gerückt werden.

Gegenwärtig hat die primäre Gesundheitsversorgung in der nationalen Gesundheitspolitik insgesamt und somit auch im Hinblick auf den Gesundheitsstatus der Bevölkerung keinen nennenswerten Einfluss. Angebote der primären Gesundheitsversorgung sind fragmentiert und auf verschiedene Anbieter von Gesundheits- und Sozialleistungen verschiedener Ebenen verteilt. Dadurch wird der Druck auf die sekundäre und tertiäre Versorgung erhöht. Mehr als ein Drittel aller Gesundheitsausgaben entfällt auf Zahlungen aus eigener Tasche.

Investitionen in die Gesundheit zur Verringerung der Armut

Im Rahmen des Forums wiederholte Ministerpräsident Zaev sein Bekenntnis zur Gesundheit als einen zentralen Pfeiler für die Entwicklung des Landes und dessen wirtschaftliche Vorhaben. „Angesichts der steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung lässt sich mit einer Investition in die primäre Gesundheitsversorgung unsere Fähigkeit stärken, Ressourcen sinnvoller einzusetzen und die Bedürfnisse und Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen. Mit Hilfe der primären Gesundheitsversorgung können wir mit der gleichen Investition ein höheres Gesundheitsniveau erreichen,“ sagte er.

Dr. Hans Kluge, Leiter der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit beim WHO-Regionalbüro für Europa, gratulierte dem Land zu dieser Entwicklung hin zu einer besseren und stärkeren primären Gesundheitsversorgung. Er sagte: „Eine bürgernahe, integrierte primäre Gesundheitsversorgung kann bei guter Umsetzung dazu beitragen, die Gesundheit zu verbessern, Leben zu retten und Ungleichheiten und Effizienzdefizite in der Gesundheitsversorgung abzubauen.“

Ein Fahrplan für eine bürgernahe primäre Gesundheitsversorgung

Die WHO hat das Gesundheitsministerium bei der Ausarbeitung eines Fahrplans für die primäre Gesundheitsversorgung für den Zeitraum 2020–2030 durch fachliches Know-how für evidenzbasierte Bewertung und Planung, den Austausch über bewährte Praktiken, Datenanalysen und den Aufbau lokaler Kapazitäten unterstützt. Der Fahrplan entstand im Rahmen eines Konsultationsverfahrens. Eine Reihe von Konsultationen mit nationalen Experten und verschiedenen Ressorts bot dem Gesundheitsministerium Gelegenheit, seine Vision und seine Pläne vorzustellen und von den Teilnehmern Feedback zu erhalten.

Um das Gesundheitssystem auf Grundlage eines integrierten und bürgernahen Ansatzes für eine primäre Gesundheitsversorgung in Richtung einer verbesserten Leistungsfähigkeit zu lenken, schlägt der Fahrplan vier Hauptansatzpunkte vor:

  • Die Befähigung von Gemeinschaften zu selbstbestimmtem Handeln und die Einbindung der Patienten: durch eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung entlang eines breiten Kontinuums und die Verknüpfung mit sozialer Unterstützung, durch die Förderung von Gesundheitskompetenz und Patientenaufklärung, häuslichen Pflegeprogrammen und eine Unterstützung der Selbstbewältigung aufseiten der Patienten.
  • Die Umgestaltung von Leistungserbringung und Anbietern: durch die Abgrenzung von Regionen und Zonen für die Zwecke der primären Gesundheitsversorgung zugunsten einer besseren Anbieterverantwortung gegenüber den Gemeinden und die Berücksichtigung von Bevölkerungszahl, Abgeschiedenheit und kulturellen Aspekten, sowie durch die Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten aufseiten der Anbieter und ihres Praxisspektrums (u. a. von Pflegekräften).
  • Die Verbesserung der Qualität der primären Gesundheitsversorgung: durch eine Schwerpunktlegung auf die Ausbildung von klinischen Fähigkeiten durch eine kontinuierliche Gesundheitserziehung.
  • Das Angebot stärkerer, strategiegestützter finanzieller Anreize für die Anbieter von Gesundheitsleistungen: durch die Abstimmung der Anreize auf das neu definierte Spektrum ihrer Arbeit in sämtlichen Bereichen (Prävention, Behandlung und Rehabilitation). In Einklang mit den aktuellen nationalen Gesundheitsprioritäten werden Leistungskataloge der staatlichen Krankenversicherung für die Patienten sowie Zahlungsmechanismen für Gesundheitsfachkräfte ausgearbeitet, mit einem verstärkten Fokus auf Resultaten und Bevölkerungsgruppen.

Es wird nun ein Aktionsplan für die Stärkung der primären Gesundheitsversorgung im Land ausgearbeitet, der die Schlussfolgerungen des Forums sowie die im Rahmen der Veranstaltung geäußerten Ansichten und Perspektiven einbinden wird.