Primäre Gesundheitsversorgung trägt zur Ausweitung der Angebote im Bereich der Sexual- und Reproduktionsmedizin in Nordmazedonien bei

Dr Gilgor Tofoski

Ein erheblicher Teil der Arbeit der WHO in den kommenden Jahren wird darin bestehen, die Länder bei der allmählichen Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu unterstützen, die sich in einen ehrgeizigen Plan zur Erfüllung der Ziele für nachhaltige Entwicklung einfügt. Diese Bemühungen wären nicht vollständig ohne die Gewährleistung, dass die Menschen überall Zugang zu Informationen und Angeboten der Sexual- und Reproduktionsgesundheit erhalten. In Nordmazedonien, wo Patienten vor Problemen beim Zugang zu modernen Verhütungsmitteln stehen, wird die primäre Gesundheitsversorgung als wichtiges Vehikel für die Ausweitung der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung genutzt.

In einer im Jahr 2013 mit Hilfe der WHO und des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) durchgeführten Bewertung sollten das Wissen von Ärzten in Nordmazedonien über Fragen der Familienplanung sowie die Prävalenz der Nutzung moderner Verhütungsmethoden ermittelt werden. Das Fazit lautete, dass sowohl das Wissen über moderne Verhütungsmittel als auch ihre Nutzung schwach ausgeprägt sind. Außerdem zeigte sich, dass die Menschen in Nordmazedonien beim Versuch, sich moderne Verhütungsmittel verschreiben zu lassen, negative Erfahrungen gemacht hatten. Häufig wurden sie von Hausärzten zu Gynäkologen überwiesen, die oft wenig geneigt waren, die Verwendung moderner Verhütungsmittel zu fördern.

Schulung von Hausärzten in Familienplanung

Um den bei der Untersuchung ermittelten Bedarf zu decken, startete die Regierung Nordmazedoniens eine Initiative, die eine bessere Schulung von Hausärzten in Fragen der Familienplanung zum Ziel hatte. Für Dr. Gligor Tofoski, Assistenzprofessor an der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Skopje und Nationaler Koordinator für sexuelle und reproduktive Gesundheit, bestand der erste Lösungsansatz darin, Gynäkologen über den Wert und die Bedeutung von Verhütung aufzuklären. „Aber dann stellten wir schnell fest, dass die Gruppe, die nur ungern Rezepte ausstellte, primär aus älteren Ärzten bestand, die kurz vor der Rente standen“, erzählt Dr. Tofoski. „Deshalb stellten wir unsere Strategie um und konzentrierten uns stattdessen auf die Aufklärung von Hausärzten und neuen Assistenzärzten über Familienplanung.“ Die Zielsetzung bestand darin, eine ganze Alterskohorte von Ärzten zur Verschreibung von Verhütungsmitteln zu bewegen und gleichzeitig die nächste Generation von Ärzten auszubilden. Für Letztere bedeutete dies eine Erweiterung des Lehrplans um das Fach Familienplanung. Vor Durchführung der Initiative waren im gesamten Lehrplan nur eine bis zwei Stunden dem Thema Familienplanung gewidmet.

Für die bereits praktizierenden Ärzte wurde eine Schulungsreihe entwickelt, bei der Experten aus dem Ausland den Hausärzten moderne Konzepte der Familienplanung und der Sexual- und Reproduktionsmedizin vermittelten. Diese ersten Schulungsteilnehmer wurden dann zu Multiplikatoren, die eine Reihe von Workshops für ihre Kollegen durchführten. Seit 2016 haben mehr als 200 Hausärzte diese Workshops durchlaufen. Die vier Eckpfeiler der WHO für die Familienplanung wurden in die Landessprachen (Mazedonisch bzw. Albanisch) übersetzt, und alle Teilnehmer der Workshops erhalten dieses Material.

Dr. Tofoski berichtet, die Einstellung der Ärzte zu Methoden der Familienplanung habe sich seit Einführung der Workshops erheblich verändert. Die ersten Rückmeldungen zeigten, dass die Menschen den Zugang zu Methoden der Familienplanung nun viel leichter finden. Die Hausärzte ihrerseits sind dankbar für die Aufklärung und wünschen sich eingehendere Schulungen in Fragen der Familienplanung, um ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet weiter zu verbessern.

Bei der Bereitstellung von Angeboten im Bereich der Sexual- und Reproduktionsmedizin in Nordmazedonien kommt es entscheidend auf die Hausärzte an“, sagt Dr. Tofoski. Dennoch warnt er, dass es nicht ausreiche, sich auf die Hausärzte allein zu verlassen, sondern dass es auch auf die Schulung anderer Gesundheitsfachkräfte ankomme. Durch die Nutzung der primären Gesundheitsversorgung als Ausgangspunkt konnte das Land den Zugang zu Angeboten der Familienplanung ausweiten und so dem Ziel der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung näher kommen.