Portugal auf bestem Wege zur Erfüllung der HIV-Ziele vor 2020

Ministry of Health of Portugal/Bernardino Farófia

Portugiesischer Gesundheitsminister verkündet, Portugal habe bereits zwei der von UNAIDS gesetzten drei Zielvorgaben für 2020 (die 90-90-90-Vorgaben) erfüllt.

Der portugiesische Gesundheitsminister Dr. Adalberto Campos Fernandes verkündete am 5. Juli 2018, dass Portugal bereits zwei der vom Gemeinsamen HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) gesetzten drei HIV-Zielvorgaben (die sogenannten 90-90-90-Vorgaben) erfüllt habe. Damit ist das Land auf dem besten Weg, alle drei Zielvorgaben bereits vor Ablauf der Frist im Jahr 2020 zu erfüllen.

Die Bekanntgabe des Ministers basiert auf Daten aus dem Jahr 2016:

  • 91,7% der mit HIV lebenden Personen haben eine HIV-Diagnose erhalten;
  • 86,8% der diagnostizierten Personen befinden sich in Behandlung; und
  • 90,3% der sich in Behandlung befindenden Personen erreichen eine anhaltende HIV-Virussuppression.

„Im Hinblick auf die Eliminierung von Aids bis 2030 ist Portugal mittlerweile eines der führenden Länder in der Europäischen Region der WHO“, sagt Dr. Masoud Dara, Koordinator des WHO-Regionalbüros für Europa für übertragbare Krankheiten. „Der Erfolg Portugals stützt sich auf eine gewissenhafte Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen, ein hohes Maß an Engagement und einen tatsächlichen gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz in Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung.“

Nachhaltige Reduzierung der HIV-Neuinfektionen durch umfassende inklusive Präventionsansätze

In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren war Portugal gemessen an der Bevölkerungsdichte eines der Länder in der Europäischen Region mit der höchsten Anzahl an HIV-Neuinfektionen. Seit Beginn der Epidemie zeigte sich Portugal entschlossen, wirksame evidenzbasierte Gegenmaßnahmen gegen HIV zu ergreifen, patientenorientierte Ansätze zu verfolgen und die Beteiligung der Zivilgesellschaft unter Einbeziehung von Menschen mit HIV zu fördern.

Auf dem Höhepunkt der Epidemie in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren waren HIV-Infektionen in Portugal hauptsächlich durch injizierenden Drogenkonsum bedingt. Bereits 1993 war ein Nadel- und Spritzen-Tauschprogramm für intravenös injizierende Drogenkonsumenten eingeführt worden. Eine progressive Drogenpolitik, die auch die Entkriminalisierung des privaten Drogenkonsums im Jahr 2001 umfasste, verlagerte den Schwerpunkt weg von der Strafjustiz hin zu öffentlicher Gesundheit.

Diese Maßnahmen in Zusammenspiel mit einer hohen Abdeckungsrate durch umfassende Prävention, Behandlung und Pflege sowie einem ressortübergreifenden Ansatz unter Beteiligung von Organisationen der Zivilgesellschaft führten zu einer Verringerung des Anteils der mit injizierendem Drogenkonsum verbundenen HIV-Neuinfektionen auf einen Tiefstwert von 1,5% im Jahr 2016.

Dem gemeinsamen Bericht der WHO und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) „HIV/Aids-Surveillance in der Europäischen Region 2017“ zufolge halbierte sich die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Portugal innerhalb von zehn Jahren von 2167 im Jahr 2007 auf 1030 im Jahr 2016.

Darüber hinaus setzt Portugal seit 2017 die Präexpositionsprophylaxe für HIV um, die von der WHO als zusätzliche Präventionsmaßnahme für Menschen mit besonders hohem Risiko für eine HIV-Infektion im Rahmen von verschiedenen Ansätzen der HIV-Prävention empfohlen wird.

Einführung von HIV-Selbsttests, um Menschen mit nicht erkannter HIV-Infektion zu erreichen

Aufbauend auf seinen Erfolgen im Kampf gegen HIV/Aids plant Portugal mit Anleitung und Unterstützung durch die WHO die Einführung von HIV-Selbsttests als ergänzende Maßnahme zu den gegenwärtig verfolgten gemeindenahen Teststrategien im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung.

Dieser Ansatz entspricht den Empfehlungen der WHO, frühzeitige Tests durch ergänzend durchgeführte Selbsttests zu verbessern. Durch Selbsttests können Menschen mit einer nicht erkannten HIV-Infektion, einschließlich jenen, die einem anhaltenden Risiko ausgesetzt sind und sich regelmäßig testen lassen müssen, rechtzeitig erreicht werden.

Auf dem besten Weg, alle Zielvorgaben zu erreichen

2015 übernahm Portugal den von der WHO empfohlenen Ansatz „Behandlung für alle“, demzufolge alle Menschen mit einer HIV-Diagnose, einschließlich irregulären Migranten, unabhängig vom Stadium ihrer Infektion eine kostenlose Behandlung und Pflege erhalten.

Durch einen Ansatz der integrierten Gesundheitsversorgung erfolgen Diagnose, Behandlung und Pflege von Tuberkulose, HIV und Virushepatitis zur gleichen Zeit. Erwartungsgemäß wird Portugal so die verbleibende UNAIDS-Zielvorgabe für 2020 – 90% der diagnostizierten Personen befinden sich in Behandlung – ebenfalls erfüllen.