Regionaldirektorin sagt Rumänien weitere Unterstützung im Kampf gegen Masern und in der Stärkung des Impfwesens zu

WHO/Calin Dumitrescu

Anlässlich der Europäischen Impfwoche 2017 besuchte die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab am 27. und 28. April Rumänien, um von prominenter Seite dort die Bekämpfung des seit mehreren Jahren größten Masernausbruchs zu unterstützen. Der Ausbruch in Rumänien begann schon im Januar 2016 und bedroht derzeit zusammen mit weiteren Ausbrüchen in der Europäischen Region die Fortschritte auf dem Weg zur Eliminierung der Krankheit.

Höhepunkt der Reise war die Teilnahme der Regionaldirektorin an einem Grundsatzdialog zu Impfthemen, den das Gesundheitsministerium, die Gesundheitsausschüsse von Senat und Abgeordnetenkammer sowie das Länderbüro der WHO am 27. April 2017 im rumänischen Parlamentspalast veranstalteten. An der Veranstaltung beteiligten sich Politiker, Fachleute und Hausärzte sowie Vertreter der Präsidialverwaltung und der Wissenschaften im dringenden Bestreben, die Impfraten zu steigern, die Impfstoffversorgung zu verbessern und den aktuellen Masernausbruch in den Griff zu bekommen.

Bei ihrer Vorstellung der Ziele des Europäischen Impfaktionsplans einschließlich der Eliminierung von Masern und Röteln aus der Region sagte Dr. Jakab: „Es freut mich, diese Gelegenheit zur Erörterung unserer gemeinsamen gesundheitspolitischen Prioritäten zu erhalten, und Ihr Engagement für Impfungen, das durch unsere Zusammenkunft hier und heute bestätigt wird, berührt mich sehr. Rumänien kann die Eliminierung von Masern und Röteln schaffen. Es fehlt nicht an Ressourcen, Instrumenten oder Strategien, die sichern können, dass Rumänien sich zu der wachsenden Schar von Ländern gesellen könnte, denen die Eliminierung bereits gelungen ist. Was wir jetzt fördern müssen, ist Mut zur Führung durch die Regierung und Engagement für die Sache durch Gesundheitsfachleute, Gemeinden, Eltern, Medien und andere wichtige Akteure.“

Staatliches Engagement

Der aktuelle Ausbruch in Rumänien begann im Januar 2016, hat Menschen aller Altersgruppen erfasst und bislang über 4 800 Fälle verursacht, von denen am 28. April 23 tödlich geendet hatten. Am stärksten betroffen sind Kinder, hierunter 888 Säuglinge, die für eine Impfung noch zu jung waren.  96,6% aller erkrankten Personen waren nicht geimpft. In Rumänien gibt es Lieferengpässe und Verzögerungen im Nachschub lebenswichtiger Impfstoffe unter anderem gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) und zugleich einen markanten Rückgang der Impfraten.

Während der Veranstaltung bekannte sich der Premierminister Sorin Grindeanu zur Beseitigung der aktuellen Impfstoffknappheit und zur Sicherung einer vorhersagbaren, geschmeidigen und stetigen Versorgung für die Zukunft: „Diese Lage kann nicht mehr geduldet oder weiter hingenommen werden. Es ist inakzeptabel, dass in Rumänien mehrmals im Jahr Impfstoffengpässe auftreten. Diese Lage hat zu großem Leid für alle Familien geführt, deren Kinder starben. Es gibt keine Entschuldigung für diese Tragödien und auch nicht dafür, dass nur jedes zweite Kind geimpft ist.“

Der Gesundheitsminister Dr. Florian Bodog skizzierte die Pläne der Regierung zur beschleunigten Reaktion auf den aktuellen Masernausbruch durch eine umfassende landesweite Impfkampagne. Längerfristig sagte der Minister zu:

  • eine wirksame Impfstoffverwaltung zu schaffen,
  • die Regeln zur Beschaffung von Impfstoffen durchsichtiger und vorhersagbarer zu gestalten,
  • den Impfstoffbedarf mehrjährig zu bewerten und zu planen,
  • die Preisgestaltung zu vereinfachen,
  • einen nationalen Vorrat für außergewöhnliche Situationen anzulegen.

Anfang April 2017 stellte das Gesundheitsministerium einen Gesetzesentwurf zur öffentlichen Diskussion vor, der für die Aufnahme in einen Kindergarten oder eine Schule Impfungen zwingend vorschreibt.

„Wir sind offen für einen Dialog, aber entschlossen alle Gesetzesänderungen durchzuführen, die für eine Anpassung an die Herausforderungen und Umstände in unserer Gesellschaft erforderlich sind,“ betonte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Senats während der Veranstaltung.

Zusammenkunft mit Präsident Klaus Iohannis

Im Rahmen der Europäischen Impfwoche 2017 traf die Regionaldirektorin auch auf den rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis. Sie erörterte mit ihm die Impfthematik im Kontext der Agenda 2030 und der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG).

Präsident Iohannis betonte das Engagement der Präsidialverwaltung an dem umfassenden rumänischen Präventions- und Aufklärungsprogramm für Gesundheit, das auf einer Linie mit SDG 3 zur Sicherung von Gesundheit und Wohlbefinden liege. Der Präsident lobte die Zusammenarbeit zwischen der WHO und Rumänien insbesondere auch in den Bereichen Humanressourcen für Gesundheit sowie Umwelt und Gesundheit.

Hausärzte als Stützen der Impfung

Dr. Jakab schloss ihren Besuch mit einem kurzen Abstecher bei der Hausärztin Daniela Stefanescu im Dorf Chitila ab, das für die Impflage in Rumänien typisch ist. Die Regionaldirektorin sprach mit dem Team von Dr. Stefanescu über die zentrale Aufgabe von Gesundheitspersonal im Impfprozess. Insbesondere ist das Gesundheitspersonal:

  • stärker als die Allgemeinheit gefährdet, an durch Impfung vermeidbare Krankheiten wie Masern zu erkranken, wenn es nicht dagegen geimpft ist,
  • eine Informationsquelle über Impfungen, der die Patienten stark vertrauen,
  • entscheidend für eine rechtzeitige, sichere Impfung gemäß nationalem Impfplan.

Die Verfügbarkeit von Impfstoffen, die Beteiligung der Eltern und die Mobilität der Menschen und Familien wurden ebenfalls thematisiert. „Jeder hat eine bestimmte Rolle: Das System funktioniert, wenn sich die gesamte Gesellschaft zur Impfung bekennt. Die Hausärzte sind dabei eine tragende Säule in diesem System,“ schloss Dr. Jakab.

WHO-Unterstützung

Seit einem Jahr leistet die WHO Rumänien umfassende Hilfe zur Bekämpfung des Masernausbruchs. Durch eine Reihe von Besuchen hat sie das Land in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit bei Ausbrüchen, Impfstrategien und Überzeugungsarbeit unterstützt. Die nächste Sitzung der Regionalen Verifizierungskommission für die Eliminierung der Masern und Röteln, dem unabhängigen Gremium zur Bewertung der Fortschritte der Länder in dieser Frage, wird in Bukarest vom 15. bis 17. Juni 2017 stattfinden. Mit Unterstützung des Regionalbüros und des Länderbüros wird eine Untersuchung mit den vom jüngsten Ausbruch betroffenen Familien durchgeführt, um Impfbarrieren besser verstehen zu können.