Ein allgemeiner Zugang zu Tests und Therapien ist der Schlüssel zur Eliminierung der Virushepatitis

WHO

Die Virushepatitis stellt eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, die viele Millionen Menschen in der Europäischen Region der WHO betrifft, von denen mehr als zwei Drittel in Osteuropa und Zentralasien leben. Jeden Tag infizieren sich noch immer Tausende Menschen aufgrund unsicherer Injektionspraktiken und unzureichenden Informationen und Instrumenten für die Prävention.

Von den fünf Haupterregerstämmen der Hepatitis, die zu einer akuten bzw. chronischen Infektion führen (Typ A, B, C, D und E), sind chronische Hepatitis B und C für etwa 98% aller durch die Virushepatitis bedingten Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich. Schätzungen zufolge sterben jährlich 170 000 Menschen aufgrund von Ursachen, die auf eine Hepatitis B oder C zurückzuführen sind.

Die Prävalenz von Hepatitis B und C reicht von weniger als 0,5% in West-, Nord- und Mitteleuropa bis hin zu 3–8% in Osteuropa und Zentralasien.

Frühzeitige Tests und Behandlung können im Fall von Hepatitis B und C Leben retten

Eine chronische Infektion mit Virushepatitis Typ B oder C kann schwerwiegende Erkrankungen zur Folge haben, wie etwa eine Leberzirrhose oder Leberkrebs. Infizierte Menschen weisen oft lange Zeit, manchmal über Jahrzehnte, keine Symptome auf, doch die Infektion schädigt langsam die Leber. Weltweit sind mindestens 60% der Leberkrebsfälle auf verspätete Tests und die späte Behandlung einer Virushepatitis Typ B oder C zurückzuführen.

Tests sind von entscheidender Bedeutung, um eine chronische Infektion mit Hepatitis B oder C zu diagnostizieren und erforderlichenfalls die Behandlung zu beginnen. Hepatitis B kann wirksam behandelt werden, sofern eine Behandlung erforderlich ist. Die Behandlung einer Hepatitis-C-Virusinfektion hat sich in den letzten Jahren beträchtlich verbessert. Direkt wirksame Antiviralia (DAA) können die Infektion in mehr als 95% der Fälle heilen, auch in einem späteren Stadium der Lebererkrankung. Eine Behandlung dauert in der Regel 12 Wochen.

Empfehlungen und Ziele der WHO zu Tests und Therapien

Die WHO empfiehlt, dass allen Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko für Hepatitis B und C die Möglichkeit eines Tests geboten werden sollte. Menschen, die mit einer chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion diagnostiziert wurden, müssen regelmäßig untersucht werden und ihnen muss bei Bedarf eine Behandlung angeboten werden. Neue Leitlinien der WHO zu Hepatitis C empfehlen, dass allen mit einer chronischen Hepatitis C diagnostizierten Menschen eine Behandlung mit DAA angeboten werden sollte. Die Länder in der Europäischen Region haben erhebliche Fortschritte bei der Prävention erzielt. Dennoch ist in vielen Ländern eine Ausweitung der Maßnahmen zur Verwirklichung eines allgemeinen Zugangs zu Tests und Therapien erforderlich.

Im Jahr 2016 nahmen die Mitgliedstaaten aus der Region den Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Virushepatitis in der Europäischen Region der WHO an. Darüber hinaus bekannten sie sich in Einklang mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zu dem globalen Ziel der Eliminierung der Virushepatitis als eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030.

Seitdem haben viele Länder zunehmend großes Engagement bei der Ausweitung der Maßnahmen gegen Virushepatitis gezeigt und nationale Eliminierungsziele gesetzt. Das WHO-Regionalbüro für Europa arbeitet eng mit verschiedenen Mitgliedstaaten an der Entwicklung nationaler Aktionspläne. Zudem unterstützt das Regionalbüro die Länder dabei, auf die Thematik aufmerksam zu machen, Surveillance und Laborkapazitäten zu stärken und die nationalen Behandlungs- und Pflegeleitlinien zu aktualisieren.

Rumänien: Auf dem Weg zu einem allgemeinen Zugang zu Tests und Therapien

Rumänien ist besonders stark von chronischer Virushepatitis in der Allgemeinbevölkerung betroffen. Unzureichende Infektionsschutzmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen vor Jahrzehnten waren die Ursache für vermehrte Infektionen. Eine landesweite Erhebung unter Erwachsenen schätzte die Prävalenz etwa doppelt so hoch wie der durchschnittliche Wert für Hepatitis C in der Europäischen Region (3,2%) und etwa dreimal so hoch wie der durchschnittliche Wert für Hepatitis B (4,4%). Niedrige Testraten und ein unzureichendes Bewusstsein für chronische Virushepatitis trugen dazu bei, dass nur eingeschränkt Zugang zu Behandlung und Pflege besteht.
Um diese Missstände zu beheben, hat sich das Gesundheitsministerium verpflichtet, nachhaltige Programme einzurichten, um einen allgemeinen Zugang zu Tests, Diagnose und kosteneffektiven Therapien für alle von Hepatitis B und C Betroffenen zu gewährleisten.

  • Um die Testraten zu erhöhen, begann Rumänien im Mai 2018, kostenlose Tests für Virushepatitis nach Überweisung durch einen Allgemeinarzt anzubieten. Darüber hinaus plant es die Umsetzung eines groß angelegten Testprogramms in vier Regionen, um die Einrichtung einer nationalen Infrastruktur und eine nationale Teststrategie zu erproben. Die Nachhaltigkeit dieser Programme, für die erste Mittel vonseiten der Europäischen Union bereitgestellt wurden, soll durch eine Umstellung auf Eigenfinanzierung gewährleistet werden.
  • Seit 2017 wurden mehr als 12 000 Hepatitis-C-Patienten ausgewählter Gruppen mit DAA behandelt. Damit war die Anzahl der behandelten Patienten doppelt so hoch wie noch 2015. Rumänien plant umfangreiche Bemühungen, um die Behandlung auf alle Betroffenen auszuweiten (deren Zahl auf mehr als 500 000 geschätzt wird). Hierzu sollen inländische Mittel verwendet werden.

Landesweite groß angelegte Interventionen zu Tests und Therapien sind Teil eines umfassenden Aktionsplans für die Eliminierung der Virushepatitis. Entwickelt wird dieser Aktionsplan vom rumänischen Gesundheitsministerium mit fachlicher Unterstützung durch die WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sowie im Rahmen umfassender Konsultationen mit den maßgeblichen Akteuren.