Salzjodierung – eine einfache Maßnahme zur Vorbeugung gegen geistige Behinderungen

WHO

Die frühere Eiskunstläuferin und Olympia-Teilnehmerin Irina Slutskaya und Dr. João Breda, Leiter des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, auf einer Veranstaltung der WHO zum Thema gesunde Schwangerschaften.

Auf einer Veranstaltung der WHO in Moskau erkundigten sich russische Politiker, Medienvertreter und Blogger bei Sachverständigen und Wissenschaftlern, wie Jodmangel während der Schwangerschaft sich auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns auswirkt.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer Kampagne der WHO in den sozialen Medien, in der die entscheidende Bedeutung von Ernährung und Bewegung für Schwangere hervorgehoben wird. Insbesondere wird dabei die Notwendigkeit unterstrichen, dafür zu sorgen, dass der Jodspiegel während der Schwangerschaft ausreichend hoch ist, um die Entstehung geistiger Behinderungen bei Kindern zu verhindern.

Jod ist ein Mikronährstoff, der aufgrund des erhöhten Bedarfs während der Schwangerschaft und im Kleinkindalter mit einer normalen Ernährung nur schwer in ausreichender Menge aufgenommen werden kann. Dies hat schwerwiegende Folgen: Jodmangel ist die am leichtesten vermeidbare Einzelursache von Gehirnschäden und geistigen Behinderungen bei Kindern.

Doch diese Folgen lassen sich mit einer einfachen und kostengünstigen Maßnahme verhindern. Nach Einschätzung der WHO ist für Länder, in denen Jodmangel weit verbreitet ist, die Jodierung von Salz die beste Möglichkeit, die empfohlene tägliche Jodaufnahme sicherzustellen.

„Die Jodierung von Salz gehört zu den wirksamsten Maßnahmen zugunsten der öffentlichen Gesundheit überhaupt“, erklärte Dr. João Breda, Leiter des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten. „Die Schwangerschaft ist eine sehr sensible Zeit für Mutter und Kind. Es ist allgemein anerkannt, dass zu einer gesunden Schwangerschaft eine ausgewogene Ernährung, eine kontrollierte Salz- und Zuckerzufuhr, der Verzicht auf Alkohol- und Tabakkonsum und eine Aufrechterhaltung der körperlichen Aktivität gehören. Weniger bekannt ist, dass die Entwicklung des Gehirns eines Fötus erheblich darunter leidet, wenn die Mutter nicht ausreichend Jod aufnimmt.“

Jod ist in Lebensmitteln wie Fisch enthalten, findet sich aber kaum in der typischen Ernährung der Bevölkerung von weit vom Meer entfernten Bergregionen. In Ländern, die keine nationalen Maßnahmen zur Jodierung von Salz durchführen, ist Jodmangel deutlich weiter verbreitet. Es ist möglich, den Salzkonsum zu reduzieren, was zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wichtig ist, und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Salz immer ausreichend jodiert ist.

Sensibilisierung und Überzeugungsarbeit

In der Russischen Föderation wird seit einiger Zeit über Salzjodierung diskutiert, und neue gesetzliche Vorschriften zur Bekämpfung von Jodmangel sind in Vorbereitung. „Jeder möchte, dass sein Kind gesund und intelligent ist. Wenn wir dieses Gesetz verabschieden, werden wir in 20 Jahren eine gesündere und intelligentere Generation haben“, erklärte Dr. Valentina Peterkova, Oberste Kinderendokrinologin beim russischen Gesundheitsministerium, in ihrem Vortrag.

Dr. Melita Vujnovic, Leiterin des WHO-Länderbüros in der Russischen Föderation, begrüßte das rege Interesse der Medien an der Thematik und wies auf die Bedeutung der Salzjodierung als wirksamste und kostengünstigste Methode zur Verhinderung von Kretinismus hin. Außerdem hob sie hervor, dass die Jodierung von Salz keinerlei schädliche Auswirkungen habe.

Das Ergebnis dieser Diskussion in der Russischen Föderation ist von großer Bedeutung, denn andere Länder haben durch generelle Salzjodierung einen Rückgang von Jodmangelstörungen erreicht.

Vorbeugung gegen nichtübertragbare Krankheiten durch eine gesunde Schwangerschaft – ein lebenslanges Geschenk von der Mutter an das Kind

Neben der Sicherstellung einer ausreichenden Jodversorgung kann eine Mutter auch durch gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung dazu beitragen, dass ihr Kind im späteren Leben keine schweren Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten) erleidet. Körperliche Betätigung während der Schwangerschaft kann dazu beitragen, ein niedriges Geburtsgewicht zu verhindern, die Risiken von Bluthochdruck-Erkrankungen bei Kindern zu senken und das Auftreten von Diabetes zu verhindern.

Eine schwangere Frau sollte körperlich aktiv bleiben, indem sie die von der WHO empfohlenen 150 Minuten mäßiger körperlicher Anstrengung pro Woche einhält und bewusst Tätigkeiten vermeidet, die die Gefahr von Verletzungen oder Stürzen mit sich bringen.

Die frühere Eiskunstläuferin und Olympia-Teilnehmerin Irina Slutskaya, Mitglied der Regional-Duma von Moskau, trug zu der Kampagne in den sozialen Medien für gesunde Schwangerschaften bei, indem sie schwangeren Frauen empfahl, körperlich aktiv zu bleiben. In der Podiumsdiskussion berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen: „Nordic Walking ist für alle Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft zu empfehlen; es kostet nicht viel und ist für alle zugänglich. Außerdem bewirkt es, dass sich die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessert und man mehr Zeit im Freien verbringt. Ich empfehle allen Schwangeren, körperlich aktiv zu bleiben. Ziehen Sie sich warm an, nehmen Sie die Stöcke und laufen Sie los!“

Slutskaya forderte die anwesenden Politiker, Medienvertreter und Blogger auf, die Kampagne zu unterstützen und unter dem Twitter-Hashtag #HealthyPregnancy (in Russisch: #ЗдороваяБеременность) Informationen der WHO über gesunde Schwangerschaften abzurufen.