Tuberkuloseversorgung in Moskau weitet den Grundsatz „Gesundheit für alle“ auch auf die Schwächsten aus

Karam aus Tadschikistan wurde im Moskauer Forschungs- und Klinikzentrum für Tuberkulosebekämpfung wegen tuberkulöser Meningitis behandelt, nachdem er während eines Arbeitsaufenthalts in der Russischen Föderation erkrankt war.

Karam ist 23 Jahre alt und kommt aus der Region Khatlon in Tadschikistan. Er kam 2015 nach Moskau, um auf dem Bau zu arbeiten. Zwei Jahre später erkrankte er und litt an hohem Fieber und starken Kopfschmerzen. Er fühlte sich sehr schwach, aber versuchte dennoch weiter zu machen. Als sein Zustand sich so stark verschlechterte, dass er kaum noch bei Bewusstsein war – ein Zustand, der von seinen Ärzten als an der Schwelle zwischen Leben und Tod beschrieben wurde – rief Karams Onkel, bei dem er lebt, den Notarzt.

Im Krankenhaus wurde bei Karam tuberkulöse Meningitis diagnostiziert. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste er nichts über Tuberkulose. Er hatte Angst und fühlte sich unsicher. Er wusste nicht, wie er für die Behandlung bezahlen sollte, die er so dringend brauchte, um wieder gesund zu werden. Doch dann erfuhr er, dass seine Behandlung ihn nichts kosten würde, da sie vom Moskauer Forschungs- und Klinikzentrum für Tuberkulosebekämpfung übernommen würde. Dies war Teil einer Initiative der Stadt Moskau, mit der sichergestellt werden soll, dass alle Menschen, auch Migranten wie Karam, Zugang zu den notwendigen Tuberkuloseleistungen erhalten.

Ein neues Modell der Tuberkuloseversorgung

Gestartet wurde die Initiative von der Stadt Moskau im Jahr 2012. Obwohl die Tuberkuloserate unter den Bewohnern der Stadt zu diesem Zeitpunkt zurückging, machte es die zunehmende Zahl an Migranten, die oftmals anfälliger für die Krankheit sind, erforderlich, den bisherigen Ansatz in der Tuberkulosebekämpfung zu verändern.

Die Stadt entwickelte ein neues Organisationsmodell, in dessen Rahmen allen Menschen Zugang zur Gesundheitsversorgung gewährt werden sollte, ohne dass sie in finanzielle Not geraten. Grundlage des Modells waren u. a. folgende wesentliche Bestandteile:

  • eine patientenorientierte Versorgung;
  • eine Stärkung der personellen Kapazitäten im Bereich Tuberkulosebekämpfung; und
  • die Beobachtung der epidemiologischen Situation.

Diese Aktivitäten werden vom leitenden Tuberkulosespezialisten des Gesundheitsdezernats der Stadt Moskau kontrolliert.

Innerhalb von fünf Jahren führte das neue Modell zu erheblichen Veränderungen im Bereich der Tuberkuloseversorgung in Moskau. Vor allem ermöglichte es der Stadt, allen anfälligen Bevölkerungsgruppen, einschließlich Migranten und Obdachlosen, hochwertige Gesundheitsleistungen zu bieten.
Intensive Arbeit im Bereich der latenten Tuberkuloseinfektion und mit Kontaktpersonen von Tuberkulosepatienten hat dazu beigetragen, dass die Melderaten für Tuberkulose unter den ständigen Bewohnern Moskaus um 11,7% (auf 12,8 pro 100 000 EW) und unter Kindern um 23,8% gesunken sind. Angewandt wurden auch neue Ansätze zur Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-Tb) und der extensiv resistenten Tuberkulose (XDR-Tb), die zu positiven Ergebnissen führten.

Im Jahr 2016 trug ein verstärkter Fokus auf Prävention unter der Migrantenpopulation in Moskau zur Erkennung weiterer 1605 Tuberkulosefälle bei. Seit 2012 ist die Zahl der Tuberkulose-Todesfälle in der Hauptstadt um 22% und die Zahl der registrierten Patienten mit MDR-Tb um 44% (auf 3,4 pro 100 000 EW) gesunken – die niedrigste Zahl in ganz Russland.

Die Vorteile dieses neuen Ansatzes in der Tuberkuloseversorgung in Moskau machen sich vielleicht am deutlichsten auf individueller Ebene bemerkbar. Für Karam war die Neuigkeit, dass er kostenlos behandelt wird, eine große Erleichterung. Zwei Monate intensiver Behandlung waren notwendig, bevor sich sein Zustand stabilisierte und langsam verbesserte. Er wurde elf Monate lang von verschiedenen Spezialisten behandelt und beobachtet.

Heute ist Karam fast vollständig genesen. Er ist dankbar für die Arbeit der behandelnden Ärzte und die Unterstützung der Stadt Moskau. „Als ich hier ankam, ging es mir sehr schlecht. Ich hatte überhaupt keine Kraft“, sagt er. „Nach dem Beginn der Behandlung ging es mir nach und nach besser. Ich bin überzeugt, dass ich eines Tages stark genug sein werde, um wieder zur Arbeit zu gehen.“ Sobald er genesen ist, hofft er in sein Heimatland Tadschikistan zu seiner großen Familie zurückkehren zu können. Er möchte gerne im Zitronenhain seiner Familie arbeiten.