WHO veröffentlicht innovatives Paket zum fünfstufigen Ausbau der Kapazitäten für die Risikokommunikation in der Europäischen Region

WHO

Kommunikation im Notfall ist eine der zentralen Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Sie kann in Notlagen Leben retten und sollte daher als eine Investition in die Gesundheit und Sicherheit der Menschen betrachtet werden.

Ab heute steht ein neues Paket zur Verfügung, um die Länder in der Region bei der Einrichtung von Systemen und der Ausarbeitung von Plänen für eine effektive und auf spezielle Kontexte zugeschnittene Kommunikation im Notfall anzuleiten. Das Paket ist das Ergebnis eines zukunftsweisenden Projekts, das vom WHO-Regionalbüro für Europa im März 2017 gestartet wurde.

Die Pilotphase

Die folgenden fünf Schritte können zur Optimierung einer effektiven Risikokommunikation in gesundheitlichen Notlagen beitragen:

  1. Schulungen für den Aufbau homogener Kapazitäten auf Grundlage der vorrangigen Gefahren in einem Land;
  2. Kapazitätskartierung, um Bedarf und Defizite im Hinblick auf eine verstärkte inländische Kommunikation im Notfall zu identifizieren;
  3. Ausarbeitung eines gefahrenübergreifenden Plans für die Kommunikation im Notfall auf Grundlage einer WHO-Vorlage;
  4. Erprobung des ausgearbeiteten Plans durch ressortübergreifende Simulationen und Planspiele; und
  5. Annahme des Plans zur Aktualisierung eines bestehenden nationalen Plans für die Kommunikation im Notfall und dessen Integration in nationale Pläne für Vorsorge- und Gegenmaßnahmen.

Bei der ersten Phase des Projekts zur Kommunikation im Notfall, die vom deutschen Gesundheitsministerium finanziert wurde, stand die enge Zusammenarbeit mit 13 Ländern in der Europäischen Region im Mittelpunkt. Ziel war es, die verschiedenen Phasen des fünfstufigen Pakets zum Kapazitätsausbau einem ersten Testlauf zu unterziehen. Ein neuer Bericht enthält ausführliche Informationen zu dieser Phase, bei der Armenien, Bosnien und Herzegowina, Estland, Kirgisistan, Rumänien, Schweden, Serbien, die Slowakei, Slowenien, Tadschikistan, die Türkei, Turkmenistan und die Ukraine im Mittelpunkt standen.

„Diese Initiative zeigt, dass man mit politischem Willen, angemessener Finanzierung und neuen Methoden eine Menge erreichen kann“, sagt Dr. Nedret Emiroglu, Direktorin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Ich bin überzeugt, dass der im Bericht beschriebene Ablauf und die erzielten Ergebnisse auch andere Regionen, Länder und Gebiete inspirieren werden, sich um schnelle, effektive und vorhersehbare Kommunikation als Antwort auf sämtliche Arten von gesundheitlichen Notlagen zu bemühen.“

Von der Durchführung von Schulungen bis hin zur Annahme eines nationalen Plans

Kommunikation im Notfall prägt die Gegenmaßnahmen für Notlagen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und deren Resultate. Sie ist ein wichtiger Bestandteil aller Phasen von Notlagen (Prävention, Bereitschaftsplanung, Gegenmaßnahmen und Wiederaufbau) und doch gab es bislang kaum großangelegte Bemühungen, um nationale Kapazitäten in diesem Bereich aufzubauen.

Das fünfstufige Paket vereint erstmals all diese Elemente. Es versetzte das WHO-Regionalbüro für Europa in die Lage, mit jedem der teilnehmenden Länder und Gebiete auf die Annahme ihres Plans für die Kommunikation im Notfall und dessen Einbindung in nationale Systeme hinzuarbeiten. Im Laufe eines Jahres unterstützte das WHO-Regionalbüro für Europa die teilnehmenden Länder und Gebiete durch folgende Aktivitäten:

  • 10 Workshops zur Kapazitätskartierung im Bereich der Kommunikation im Notfall;
  • 10 ressortübergreifende Schulungen zum Thema Kommunikation im Notfall;
  • 7 Sitzungen zur Ausarbeitung eines Plans für die Kommunikation im Notfall; und
  • 3 Probeläufe eines Plans für die Kommunikation im Notfall.

Am 1. März 2018 wurde in Turkmenistan als dem ersten der an dem Projekt teilnehmenden Länder ein nationaler Plan für die Kommunikation im Notfall angenommen.

Das Feedback zu den erzielten Fortschritten war bislang positiv. Um es mit den Worten eines Workshop-Teilnehmers aus Bosnien und Herzegowina auszudrücken: „Wenn wir einander besser kennen, können wir auch besser kommunizieren. Dank der im Rahmen dieses Workshops aufgebauten Beziehungen, können wir besser werden.“

„Die Missionen vor Ort haben uns eine einzigartige Lernmöglichkeit geboten“, sagt Cristiana Salvi, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit in der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa und Koordinatorin des Projekts. „Sie haben uns Gelegenheit gegeben, eine Vielzahl an Informationen, Erkenntnissen und Erfahrungen von Menschen vor Ort systematisch in die Werkzeuge einfließen zu lassen und diese so an den Bedarf vor Ort anzupassen. Die Werkzeuge, die wir heute veröffentlichen, sind einzigartig, da sie auf Erfahrungen aus dem wahren Leben basieren.“

Ausblick auf die zweite Phase

Seit März 2018 läuft die zweite Umsetzungsphase des fünfstufigen Pakets. Dabei erhalten die Pilotländer und -gebiete weiterhin Unterstützung, während das Projekt gleichzeitig auf andere vorrangige Länder in der Region ausgeweitet wird.

Mit anhaltender finanzieller Unterstützung wird das Projekt des WHO-Regionalbüros für Europa für die Kommunikation im Notfall auch weiterhin dem Wunsch von Ländern und Gebieten nachkommen, ihre Kommunikationsfähigkeiten vor, während und nach Notlagen auszubauen, und letztendlich dazu beitragen, die Europäische Region und die gesamte Welt sicherer zu machen und vor gesundheitlichen Notlagen zu schützen.