Krankenschwester Ana Sajovic versorgt ihre Patienten zuhause

Ana Sajovic ist als Gemeindeschwester am kommunalen Gesundheitszentrum in Kranj (Slowenien) tätig.

Anas Tag beginnt früh: um 6.30 Uhr findet eine Teambesprechung statt. Bis 8 Uhr erledigt sie Schreibtischarbeit und Koordinierungsanrufe mit Kollegen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, dann macht sie sich auf den Weg zu ihrem ersten Patienten.

„Ich besuche gewöhnlich sieben bis zehn Patienten pro Tag“, erklärt Ana. „Die kurativen Krankenbesuche erledige ich auf Anforderung von Ärzten, Präventionsmaßnahmen ergreife ich bei Bedarf. So kann es zum Beispiel sein, dass ich ein neugeborenes Kind besuche und zufällig seine Großmutter anwesend ist. Dann führe ich bei ihr eine präventive Untersuchung durch.“

Das Zentrum in Kranj ist eines von landesweit 61 derartigen Zentren, in denen die öffentliche Gesundheit mit der primären Gesundheitsversorgung verknüpft wird. In den Zentren stellen fachübergreifende Versorgungsteams Leistungen bereit, die die Bereiche Diagnose, Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen, psychische Gesundheit, Mundgesundheit , Rehabilitation, Palliativversorgung und Sterbebegleitung umfassen.

Insgesamt arbeiten in dem Gesundheitszentrum in Kranj 25 Gemeindeschwestern, die in individuell zugeteilten Bezirken Hausbesuche durchführen. Jede von ihnen ist für etwa 3500 Menschen verantwortlich. „Wenn ein Arzt einen Hausbesuch anfordert, wird dieser von der jeweils zuständigen Krankenschwester durchgeführt“, sagt Ana.

Gesundheit für alle – die schwer Erreichbaren erreichen

Gemeindeschwestern wie Ana verfügen über ein gründliches Wissen über die Bevölkerung in dem ihnen zugeteilten Bezirk. Dadurch können sie soziale oder medizinische Probleme schnell identifizieren und auf sie reagieren, indem sie nicht nur den Kontakt zu den Ärzten herstellen, sondern auch konkrete Lösungen suchen: durch Interaktion mit der örtlichen Gemeinschaft und mit nichtstaatlichen Organisationen sowie unter Rückgriff auf andere Arten von Haushaltshilfe. So können sie präventive Gesundheitsleistungen für anfällige Gruppen erbringen und damit zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen.

„Wir besuchen Obdachlose und versorgen manchmal Wunden, die aufgrund mangelhafter Hygiene entstanden sind. Außerdem besuchen wir Menschen, die nicht auf die Einladungen von Kliniken für Familienmedizin zu Gesundheitschecks reagieren.“

In Slowenien laden Pflegekräfte aus Kliniken für Familienmedizin Personen über 30 Jahre zu präventiven Gesundheitskontrollen ein. Erscheint jemand nach zwei Erinnerungen nicht, informiert die Pflegekraft aus der Klinik die Gemeindeschwester, die dann entweder die betreffende Person dazu bewegt, auf die Einladung zu reagieren, oder den präventiven Gesundheitscheck bei ihr zuhause selbst durchführt.

Indem sie die schwer Erreichbaren erreichen und ein breites Spektrum präventiver und kurativer Leistungen erbringen, tragen Pflegekräfte wie Ana zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten und damit zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitssituation bei.

Internationales Jahr der Pflegekräfte und Hebammen 2020

In Anerkennung des Beitrags von Pflegekräften wie Ana hat die WHO 2020, das Jahr des 200. Geburtstags von Florence Nightingale, zum Internationalen Jahr der Pflegekräfte und Hebammen erklärt. Die ganzjährige Schwerpunktlegung auf das Pflege- und Hebammenwesen bietet eine Gelegenheit zur Beteiligung und zur Demonstration einer breiten politischen und gesellschaftlichen Unterstützung für die Ausbildung von mehr Gesundheitspersonal mit den richtigen Fähigkeiten und an den richtigen Orten zum Zwecke einer optimalen Befriedigung der sich verändernden gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse der Menschen. Während des gesamten Jahres 2020 wird das WHO-Regionalbüro für Europa die Arbeit von Pflegekräften und Hebammen in allen Teilen der Europäischen Region präsentieren.