Tag 2 der hochrangigen Tagung über die Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten: In Politiklaboren von guten Beispielen lernen und zeitnahe Problemlösungen finden

WHO

Tag 2 der hochrangigen Tagung über die Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten startete mit konzeptionellen Workshops zu vier Schlüsselthemen: Finanzierung und Gestaltung von Anreizen; Gesundheitspersonal; Politiksteuerung und Finanzierung ressortübergreifender Maßnahmen; und Arzneimittel.

Jede der Gruppen identifizierte zentrale Herausforderungen im jeweiligen Themenbereich sowie Möglichkeiten für eine Überspringung von Verfahrensschritten („leapfrogging“). Das Konzept des Leapfrogging bietet den Ländern die Möglichkeit, die Annahme innovativer Ansätze bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten zu beschleunigen und Hindernisse und Fehler der Vergangenheit zu vermeiden und zu überwinden.

Die Gruppe, die sich mit dem Gesundheitspersonal als entscheidender Katalysator bei der Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten befasste, orientierte sich an vier Schlüsselthemen:

  • der Notwendigkeit der Bereitstellung eines verbesserten Personalangebots durch die Schulung neuer Mitarbeiter und den effektiveren Einsatz der gegenwärtigen Beschäftigten
  • der Verbesserung der Zugänglichkeit des Gesundheitspersonals
  • der Verbesserung der Qualität des Gesundheitspersonals
  • der Abstimmung der personalpolitischen Konzepte sowie der Planung, Regulierung und Führung des Personals zur Unterstützung integrierter Teams.

Beim Workshop zur Beschleunigung der Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten durch Bereitstellung qualitätsgesicherter bezahlbarer Arzneimittel erörterten die Teilnehmer drei Fallstudien zur Arzneimittelauswahl, zur Priorisierung von Herausforderungen angesichts der steigenden Nachfrage nach Arzneimitteln gegen nichtübertragbare Krankheiten und zur dringenden Notwendigkeit der Akzeptanz und Verwendung von Generika.

Der Workshop über Strategien der Gesundheitsfinanzierung in der Europäischen Region der WHO untersuchte Ansatzpunkte, um Hindernisse für die Ausweitung zentraler Interventionen und Leistungen im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten zu überwinden. Zu diesen Hindernissen zählen Unterfinanzierung und schwache Anreize für Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. Hierbei rückten die Teilnehmer die Stärkung der Steuerungsmechanismen in den Mittelpunkt und erörterten die wichtigsten Handlungskonzepte und Maßnahmen sowie begünstigende Einflussfaktoren und Triebkräfte für eine grundlegende Umgestaltung.

Von den Erfahrungen der Länder lernen

Nach den Workshops fand eine Plenarsitzung statt, in der Beispiele für bewährte Praktiken aus folgenden Ländern behandelt wurden:

  • Spanien, wo Risikostreuung maßgeblich zur Steuerung der Bevölkerungsgesundheit und zur patientenorientierten Gesundheitsversorgung beigetragen hat;
  • Kirgisistan, wo gemeindenahe Freiwillige im Gesundheitsbereich in Zusammenarbeit mit Fachkräften der primären Gesundheitsversorgung zu einer Verbesserung der Erkennungsrate bei Bluthochdruck beigetragen haben;
  • das Vereinigte Königreich, wo auf Grundlage einer systematischen Vorausschau zum künftigen Bedarf an Gesundheitspersonal für die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten entsprechende Handlungskonzepte eingeführt wurden.

Eine interaktive Posterpräsentation zu bewährten Praktiken in der Europäischen Region bot den Teilnehmern Gelegenheit, Handlungskonzepte zu besprechen und dabei aus den Erfahrungen derjenigen Länder zu lernen, die aus erster Hand mit den Herausforderungen und Hindernissen der Umsetzung vertraut sind.

Politiklabore: zeitnahe Problemlösung

In der zweiten Tageshälfte wurden in Politiklaboren die Herausforderungen von vier Mitgliedstaaten der WHO (Estland, Portugal, Türkei und Ukraine) erläutert, die sich gegenwärtig mit der Stärkung der Gesundheitssysteme zur Erzielung besserer Resultate im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten befassen. Im Rahmen von moderierten Diskussionen stellten Experten Handlungsoptionen zur Bewältigung dieser Herausforderungen vor. Konkret arbeitet Estland derzeit an einem integrierten Gesamtkonzept für kardiovaskuläre Erkrankungen, Schlaganfall und Diabetes; Portugal befasst sich mit einer verstärkten Patientenorientierung im gesamten Gesundheitssystem; Schwerpunkt der Türkei sind ressortübergreifende Ansätze zur Bekämpfung von Adipositas; und die Ukraine setzt auf die Stärkung der Primärversorgung zur Verbesserung der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten. Diese Politiklabore berücksichtigten bei ihrer Betrachtung der Gesundheitssysteme auch die allgemeineren Determinanten von Gesundheit sowie die Notwendigkeit, dass das Gesundheitswesen auf die übergeordneten Rahmenbedingungen eingeht und Einfluss auf sie nimmt.

Den Abschluss von Tag 2 bildeten Überlegungen zur Bedeutung einer patientenorientierten Gestaltung der Gesundheitsversorgung und zur Notwendigkeit einer Befassung mit den Herausforderungen der Priorisierung und Abfolge unter Berücksichtigung von Werten, Motivationen und Triebkräften.