Rehabilitation ist der Schlüssel zu einer unabhängigen Zukunft für Kinder mit Polio in Tadschikistan

WHO

Vertreter des Ministeriums für Gesundheit und soziale Sicherheit und ein Team der WHO für die Rehabilitation von Behinderungen in Tadschikistan unterstützen zusammen mit Vertretern der Internationalen Gesellschaft für Prothetik und Orthopädietechnik im Rahmen einer Folgemission vom 22. September bis 8. Oktober 2014 die Umsetzung von Interventions- und Folgeplänen für Kinder und Erwachsene mit durch Poliomyelitis hervorgerufenen chronischen Lähmungen. Die Ausarbeitung der Pläne erfolgte im März 2014 in Rehabilitationseinrichtungen, die zur Feststellung des Bedarfs der Betroffenen organisiert wurden; dies waren überwiegend Kinder, die sich während eines längeren Ausbruchs in Tadschikistan im Jahr 2010 mit Polio infiziert hatten.

Das Team, das in Abstimmung mit dem Ministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit arbeitete, traf mit an Polio erkrankten Kindern und Erwachsenen zusammen, besuchte das staatliche Orthopädiezentrum, führte an drei Orten Schulungen für Ärzte durch und besuchte die Abteilung für Traumatologie am Karabolo-Krankenhaus in Duschanbe.

Mit seiner Mission erreichte das Team folgende wesentliche Resultate:

  • Es dokumentierte die Bedeutung der kontinuierlichen Überweisung und Nachsorge für Kinder mit Polio.
  • Es hielt die erste Schulung über postoperative Rehabilitationstherapie ab.
  • Es schulte orthopädische Chirurgen in zwölf komplizierten operativen Verfahren.
  • Es kontrollierte technisch die Orthosen (an den Körper angepasste externe Vorrichtungen) von 24 Kindern und schlug Korrekturmaßnahmen vor.
  • Es trug zur Schaffung eines Systems einer garantierten regelmäßigen Nachsorge für Kinder mit Polio bei.

Ein Mitglied des Teams erklärte, dass durch frühzeitige Rehabilitationsmaßnahmen – etwa physikalische Therapie, Ergotherapie, Bereitstellung von Orthosen, Rollstühlen oder Krücken sowie ggf. Chirurgie – erhebliche Veränderungen im Leben eines Poliopatienten möglich seien. Die Zielsetzung bestehe darin, ausgehend von Polio ein System zur Rehabilitation für alle Menschen mit zu Behinderung führenden Krankheiten aufzubauen, das dazu beitragen soll, ihnen Chancengleichheit und eine bessere Chance auf ein Leben in Würde zu verschaffen.

Langzeitwirkungen von poliobedingten Lähmungen

Nach der ersten, sechs Monate dauernden akuten Phase von Polio ist mit Hilfe sanfter Übungen und durch Positionierung eine allmähliche partielle Rückgewinnung der Muskelkraft möglich. Nach zwei bis drei Jahren ist jedoch eine weitere substanzielle Rückgewinnung von Muskelkraft unwahrscheinlich. Dann können Rehabilitationsmaßnahmen mit Hilfsmitteln wesentlich zu einer funktionellen Unabhängigkeit beitragen.

Alle Kinder, die sich während des Polioausbruchs von 2010 infiziert haben, befinden sich inzwischen in der chronischen Phase der Rehabilitation, die den Rest ihres Lebens andauern wird.

Blick in die Zukunft

Die jüngste Mission stellte die zweite Phase eines auf drei Jahre angelegten Projektes für gemeindenahe Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit Behinderungen sowie die Schulung von Fachpersonal auf diesem Gebiet dar. Das Projekt wird von der Internationalen Entwicklungsbehörde der Vereinigten Staaten unterstützt. In der ersten Phase (März 2014) untersuchte das Team 360 Poliopatienten, überwiegend Kinder, die die Mehrheit der bestätigten Fälle mit Lähmungen infolge des Ausbruchs von 2010 ausmachen, und arbeitete auf ihren Bedarf zugeschnittene Rehabilitationspläne aus.

Zu diesen Plänen gehören therapeutische Interventionen und die Bestimmung geeigneter Hilfsmittel. Bei der Wahl von Übungen und orthopädischen Hilfsmitteln wird stets darauf abgezielt, mit möglichst geringem Aufwand ein Höchstmaß an Unabhängigkeit, Komfort und Vertrauen zu erreichen. Viele der betroffenen Kinder benötigen evtl. auch eine Operation zur Verhinderung bzw. Korrektur von Missbildungen, auch wenn die dringend erforderlichen Interventionen in Form von Orthopädietechnik und Physiotherapie in den nächsten fünf Jahren bei manchen Kindern die Notwendigkeit von Operationen verringern dürften.