Weltflüchtlingstag: WHO schult syrisches Gesundheitspersonal für medizinische Versorgung von Flüchtlingen in der Türkei

„Wir sind wie die Brüder und Schwestern unserer türkischen Kolleginnen und Kollegen.“ Dies sagt Muhammed Hattab, einer von drei Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei, dem Land, das weltweit der höchsten Zahl von Flüchtlingen Unterschlupf gewährt. Als der Arzt vor mehr als zwei Jahren Aleppo verließ, wusste er nicht, ob er mit der Flucht aus seiner Heimat Syrien auch seinen Beruf und seine Karriere würde gänzlich aufgeben müssen. Doch ein gemeinsames Programm des WHO-Länderbüros in der Türkei und des türkischen Gesundheitsministeriums versetzt ihn nun in die Lage, ein neues Kapitel in seinem Leben und seiner Berufslaufbahn aufzuschlagen, indem er im Rahmen des türkischen Gesundheitssystems seine geflohenen Landsleute medizinisch versorgen hilft.

2016 schaffte die Türkei die rechtliche Grundlage für die Integration syrischen Gesundheitspersonals in das türkische Gesundheitssystem, damit syrische Flüchtlinge ohne sprachliche oder kulturelle Barrieren medizinisch versorgt werden konnten. Zur Umsetzung des Gesetzes erarbeiteten das türkische Institut für öffentliche Gesundheit zusammen mit Gesundheitsministerium und WHO-Länderbüro ein Schulungsprogramm für in der Türkei lebendes syrisches Gesundheitspersonal (Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen). Diese Initiative wurde von der Abteilung Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) der Europäischen Kommission finanziell unterstützt. Die Schulung verläuft in Theorie und Praxis und endet mit einem Zeugnis, das syrisches Gesundheitspersonal dazu berechtigt, in den türkischen Gesundheitszentren für Flüchtlinge zu arbeiten und syrische Flüchtlinge medizinisch zu versorgen.

Seit Beginn der Schulungen im November 2016 erhielten mehr als 380 Ärzte und 360 Pflegekräfte und Hebammen ein Zeugnis, das ihnen die Arbeit für Flüchtlinge in der Türkei erlaubt. Am Ende sollen so sämtliche 260 Gesundheitszentren und 600 Gesundheitseinrichtungen, die das Gesundheitsministerium geschaffen hat oder wird, mit Personal versorgt werden. Die Zentren und Einrichtungen bieten syrischen Flüchtlingen eine kostenlose primäre Gesundheitsversorgung.

„Dieses Projekt der Türkei war die Rettung für uns syrische Ärzte,“ sagt Muhammed. „Wir haben dadurch zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder das Gefühl, als Ärzte sinnvolle Arbeit zu leisten.“

Kooperation von WHO und Gesundheitsministerium für die Schulung und Unterstützung syrischen Gesundheitspersonals

Gesundheitsberufe unterliegen zwar grundsätzlich weltweit gültigen Prinzipien, doch gibt es wichtige Rechtsvorschriften und Praktiken, die von Land zu Land sehr unterschiedlich gehandhabt werden können. Die Schulung soll dem syrischen Gesundheitspersonal Kenntnisse und Erfahrungen vermitteln, die sie für eine vollständige Befähigung und Bewährung im türkischen Zusammenhang benötigen. Am Anfang des Prozesses steht eine Bewerbung und ein Auswahlverfahren. Danach werden die Teilnehmer eine Woche lang von türkischen Professoren und Dozenten in einer Klasse unterrichtet, bevor sie in einem Gesundheitszentrum für Flüchtlinge ein sechswöchiges Berufspraktikum ablegen. Die mehrwöchige Praxis unter der Obhut türkischen Gesundheitspersonals ermöglicht es den Teilnehmern, Erfahrungen mit dem türkischen Gesundheitssystem zu sammeln und medizinische Versorgung in diesem Kontext anzubieten. Vor der Zertifizierung stehen in jeder Phase der Schulung Bewertungen an, die dafür sorgen sollen, dass die syrischen Patienten später kompetent versorgt werden.

„Die Schulungen helfen nicht nur Sprachbarrieren überwinden, sondern sie sind auch das Paradebeispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit türkischer und internationaler Partner für die Integration syrischer Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen in die Versorgung der Flüchtlinge. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die türkische Regierung, das Gesundheitsministerium und das türkische Gesundheitspersonal für chancengleichen Zugang zum Gesundheitssystem sorgen. Und wir sehen in dieser einzigartigen Kooperation zwischen WHO, Wissenschaft und Gesundheitsministerium ein Beispiel, das auch andere Länder befolgen könnten, die viele Flüchtlinge und Migranten beherbergen,“ bemerkt der Repräsentant der WHO in der Türkei Dr. Pavel Ursu.

Die WHO unterstützt den Klassenunterricht in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und setzt sich dafür ein, dass das syrische Gesundheitspersonal die erforderlichen theoretischen Kenntnisse für den weiteren beruflichen Werdegang erhält. Außerdem unterstützt die WHO die Teilnehmer während des Praktikums finanziell zur Deckung von Lebensunterhalt und Fahrtkosten.

Die nachstehenden Links ermöglichen weitere Einblicke darin, wie die WHO syrische Flüchtlinge in der Türkei unterstützt.

Weltflüchtlingstag: #WithRefugees

Jedes Jahr am 20. Juni erinnert er die Welt an die Stärke, den Mut und die Ausdauer von Millionen von Flüchtlingen. In einer Welt voller Gewalt, in der Tausende von Familien jeden Tag ihr Leben durch Flucht retten müssen, bietet der Weltflüchtlingstag der Weltöffentlichkeit eine Gelegenheit, Solidarität mit den Flüchtlingen zu zeigen. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen hat im Juni 2016 eine Petition #WithRefugees petition auf den Weg gebracht, die eine Botschaft an die Regierungen der Welt enthält, dass sich alle gemeinsam für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Flüchtlinge einsetzen und engagieren müssen.