WHO unterstützt aus Türkei Impfung von fast 200 000 syrischen Kindern gegen Polio

Syria Immunization Group

Nach der Polioimpfung zeigt ein syrisches Kind seinen Impfpass.

Als Reaktion auf einen Ausbruch der Poliomyelitis (Polio) in Syrien im Frühjahr 2017 hat das WHO-Regionalbüro für Europa über seine Außenstelle in Gaziantep (Türkei) Impfstoffe für eine Kampagne bereitgestellt, die fast 200 000 Kinder im Nordwesten Syriens erreichte. Diese grenzüberschreitende Aktivität erfolgte im Rahmen des gesamtsyrischen Ansatzes der Vereinten Nationen für humanitäre Hilfeleistungen und Gesundheitsleistungen für Bevölkerungsgruppen im gesamten Land.

Die Kampagne mit inaktivierten Polioimpfstoffen (IPV) wurde in einem Gebiet durchgeführt, in dem die regulären medizinischen Dienste und Impfeinrichtungen durch den Bürgerkrieg funktionsunfähig gemacht wurden. Eine IPV-Injektion schützt vor allen drei Polio-Stämmen (Typ 1, 2 und 3).

Sorge vor Ausbreitung der Polio in Syrien

Seit Ausbruch der Kämpfe im Jahr 2011 haben die WHO und ihre Partner im Gesundheitsbereich Impfkampagnen durchgeführt, um die Ausbreitung ansteckender Krankheiten wie Polio zu verhindern. Doch hat der anhaltende Konflikt die Programme an einer regelmäßigen Arbeit gehindert.

Seit März 2017 wurden im Nordosten Syriens Lähmungssymptome an mehr als 45 Kindern diagnostiziert und im Labor wurde bestätigt, dass diese auf von aus Impfstoffen abgeleiteten Polioviren vom Typ 2 zurückzuführen waren. Diese Polioart kann vereinzelt bei zu niedriger Durchimpfungsrate der Bevölkerung auftreten.

Seit Juni 2017 spricht die WHO offiziell von einem Polioausbruch im Osten Syriens. Weil die kriegerischen Auseinandersetzungen viele Familien aus anderen Teilen Syriens zur Flucht in den Nordwesten treiben, haben Gesundheitsexperten die Sorge, dass Polio sich auch nach dorthin ausbreiten könnte.

Gemeinsame Anstrengungen zur Impfung der Kinder im Nordwesten Syriens

Im Sommer 2017 stellten das Regionalbüro und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) daher große Mengen an IPV zur Verfügung. Die Außenstelle in Gaziantep und die Syria Immunization Group (SIG) entwarfen dann den Plan zum Schutz von Hunderttausenden von Kindern gegen alle Formen der Polio.

Zu den Vorbereitungen für die Impfkampagne, die von der SIG durchgeführt wurde, zählte eine umfassende gesellschaftliche Mobilisierung im September 2017. Durch Lautsprecher, Moscheen, Funkgeräte und Mobiltelefone wurden sehr viele Menschen erreicht. Plakate, Banner und Karten, die in die Brottüten der Bäckereien gelegt wurden, bereiteten die Eltern vor und teilten ihnen mit, wann sie wo mit ihren Kindern erscheinen sollten.

Die IPV-Kampagne begann Ende September im Nordwesten Syriens im Umkreis von Idleb und im Westen von Aleppo. Kinder im Alter von zwei bis zu 23 Monaten wurden in Schulen, Moscheen und Rathäusern geimpft.

„Dies ist ein großartiger Erfolg,“ sagte der Impfexperte und Berater der Außenstelle in Gaziantep Dr. Moustapha Loutfy. „Wir können Polio verhindern. Die Impfung der Kindern minimiert ihr Risiko an Polio zu erkranken und gelähmt zu werden.“

Die IPV-Kampagne wurde freundlicherweise von der Entwicklungsbehörde des Vereinigten Königreichs (DFID) finanziert.